Bild: dpa/Frank Rumpenhorst
"Viele Tausend" Privatpersonen tauchen in den Enthüllungen auf. Und ein Formel-1-Fahrer.

Nachdem die "Süddeutsche Zeitung" am Sonntagabend die ersten Enthüllungen zu den "Panama Papers" veröffentlicht hatte, stellten sich viele vor allem eine Frage: Tauchen auch deutsche Namen in den Dokumenten auf?

Jetzt steht fest: Ja, auch Deutsche haben mit der Kanzlei "Mossack Fonseca" in Panama zusammengearbeitet. Laut der "Süddeutschen Zeitung" nutzten "viele Tausend Deutsche" Briefkastenfirmen, die von "Mossack Fonseca" gegründet wurden – und tun das zum Teil bis heute.

Darunter: Milliardäre, Manager, Prominente, Aufsichtsräte, Adlige, Geschäftsmänner, Bundesverdienstkreuzträger, Bordellbesitzer, Immobilienverkäufer. Die "SZ" nennt dabei auch einige konkrete Namen. ("SZ" I, Tagesschau)

Ein Überblick:
  • Wer zum Beispiel in dem Datensatz auftaucht: der Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg. Eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln unterhält demnach einen Vertrag mit Mercedes, dabei geht es um Rosbergs Anstellung als Rennfahrer. Offenbar wurde Rosberg also nicht direkt bei Mercedes, sondern mit einem Umweg über die Karibik angestellt. (Tagesschau)
  • Auch die Firma Siemens steht in den "Panama Papers"; damit zeichnen die Dokumente ein neues Bild des Korruptionsskandals, der 2006 ans Licht kam. Jahrzehntelang hatten Siemens-Manager Schwarzgeld-Kassen geführt und daraus Schmiergelder an Beamte, Politiker oder Geschäftspartner gezahlt. Die "Panama Papers" zeigen jetzt, dass einige dieser schwarzen Kassen über Briefkastenfirmen in Lateinamerika geführt wurden. Außerdem erwecken die Dokumente den Verdacht, dass sich nach Bekanntwerden der Affäre ehemalige Siemens-Manager privat an den Schwarzgeldern bereichert haben. ("SZ" II, "SZ" III)

  • Ein bekannter deutscher Geheimagent steht ebenfalls in Verbindung mit "Mossack Fonseca": Werner Mauss unterhielt demnach mehr als zehn Briefkasten-Firmen bei der panamaischen Kanzlei, und unterhält sie zum Teil bis heute. Mauss ist einer der Wenigen, die sich gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" zu den Firmen geäußert haben: Er habe "keine Steuern hinterzogen und seine Firmen gegenüber den Finanzbehörden offengelegt". ("SZ" IV)
  • Und auch Geschäftsmänner trifft die Enthüllung. Der deutsche Börsenspekulant Florian Homm, der Finanzbetrüger Helmut Kiener und der Unternehmer Anton Pohlmann sollen mit "Mossack Fonseca" zusammengearbeitet haben. Und der Formel-1-Chef Bernie Ecclestone soll Bestechungsgelder an den Bayern-LB-Banker Gerhard Gribkowsky gezahlt haben. ("SZ" I, "Tagesspiegel")

Bei den meisten Deutschen, die in den "Panama Papers" auftauchen, handelt es sich aber laut "SZ" nicht um Personen des öffentlichen Lebens (also nicht um Politiker oder Prominente), deshalb werden ihre Namen nicht veröffentlicht. Tatsächlich würden keine deutschen Politiker in den Unterlagen genannt; nur der frühere CDU-Schatzmeisters Helmut Linssen wird erwähnt, seine Briefkastenfirma war aber bereits 2014 öffentlich geworden. ("SZ" V)

(Bild: dpa/Patrick Pleul)
Auch deutsche Banken sind in die Geschäfte verwickelt

Insgesamt 28 deutsche Geldinstitute machten laut der "Süddeutschen Zeitung" Geschäfte mit "Mossack Fonseca", mindestens 14 gründeten und verwalteten Briefkastenfirmen, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Hypovereinsbank – sowie die frühere Landesbank Rheinland-Pfalz und die Bayern LB, also staatliche Institute.

Die Banken treten dabei häufig als Vermittler auf: In der Regel wenden sich interessierte Kunden nämlich nicht direkt an eine Kanzlei wie "Mossack Fonseca", vielmehr wird der Kontakt über einen Banker oder Anwalt hergestellt. Oft bestellt das Geldinstitut auch gleich eine Briefkastenfirma für den Kunden, und führt anschließend Konten für die Firma. Eine gängige Praxis. ("SZ" VI)

Grundsätzlich gilt: Dass ein Name in den "Panama Papers" auftaucht, heißt nicht, dass die Person oder die Bank etwas Verbotenes getan hat; eine Briefkastenfirma zu besitzen ist an sich nicht illegal (bento). Jetzt muss herausgefunden werden, ob diese Firmen genutzt wurden, um Geld zu verstecken, zum Beispiel vor dem Finanzamt – und inwiefern die Banken dabei geholfen haben.

Können mutmaßliche Steuersünder verfolgt werden?

Die "SZ" will die Daten aus den "Panama Papers" weder der Allgemeinheit noch den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung stellen. Sie schreibt: "Die SZ ist nicht der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft oder der Steuerfahndung." Die Ermittler müssen nun also selbst herausfinden, was hinter den Geschäften von "Mossack Fonseca" und seinen Kunden steckt. ("SZ" V)

Die besten Links zu den Panama Papers

Die "Süddeutsche Zeitung" war federführend bei den Enthüllungen, alle eigenen Artikel sammelt sie auf panamapapers.sueddeutsche.de. Ihr Partner, das Recherche-Konsortium ICIJ, bündelt unter "The Power Players" Informationen zu den enthüllten Staatsmännern und Unternehmern.

Der Datenjournalist Brian Kilmartin hat je eine Karte angelegt, die die ganzen Firmen der Kanzlei "Mossack Fonseca" verortet (Kilmartin I) und die Spuren des Geldes weltweit visualisiert (Kilmartin II).

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