Bild: Mark Lennihan/AP/dpa

Die Polizei in Florida hat einen Verdächtigen festgenommen, der in Verbindung mit der Serie von versuchten Paketbomben-Anschlägen auf Kritiker von US-Präsident Donald Trump stehen könnte. (New York Times)

Was wissen wir bisher?

Polizisten haben am Freitag einen Verdächtigen in Florida festgenommen, der in direkter Verbindungen zu den versuchten Anschlägen mit Briefbomben stehen soll. Der Verdächtigte soll der 56-jährige Republikaner Cesar S. aus Aventura Fla, einer Stadt nördlich von Miami sein. 

Laut Medienberichten soll er seit 1991 polizeibekannt sein. Seine Vorstrafen reichen von Diebstahl, über Drogen- und Betrugsdelikten, bis hin zu Drohungen von Bombenanschlägen. S. selber soll sich als "Manager" bezeichnen. 

Er sei nur wenige Stunden nach zwei weiteren Bombenfunden verhaftet worden. Wie bei vorherigen Funden in den vergangen Tagen, waren die Bomben in Paketen deponiert. Addressiert waren sie dieses Mal an den demokratischen Senator Cory Booker, sowie an den ehemaligen Geheimdienstchef James R. Clapper. Das Paket an Clapper sollte an seinen Arbeitsplatz gesandt werden. Er arbeitet als Analyst für den Sender CNN.

Wie reagierten die Empfänger auf die versuchten Anschläge?

Der Chef der New Yorker Polizei, John Miller teilte mit, das Paket an Clapper sei einem Postbeamten aufgefallen, da es vorherigen Paketen ähnelte, die Bomben enthielten.

Clapper selbst zeigte sich wenig überrascht: "Es wundert mich nicht, dass das Paket an mich gehen sollte", sagte er CNN. Dennoch rief er zu Vorsicht auf: "Jeder, der Präsident Trump in letzter Zeit öffentlich kritisiert hat, sollte in höchster Alarmbereitschaft sein."

Bisher wurden 12 Paketbomben verschickt und gefunden.

Allesamt waren an Kritiker von Trump addressiert, darunter Barack Obama, Hillary Clinton, Ex-Vize Präsident Joe Biden, der ehemalige CIA-Direktor John O. Brennan, sowie der Hollywood-Schauspieler Robert de Niro. Alle Bomben wurden entdeckt. Detoniert ist keine.

Auch Trump äußerte sich zu der Festnahme. 

Bei einem Auftritt im Weißen Haus verurteilte er die versuchten Anschläge: "Diese terrorisierenden Handlungen sind verachtenswert und haben keinen Platz in unserem Land", so Trump. Zudem lobte er die Sicherheitsbehörden und bedankte sich für ihren Einsatz. Er betonte aber auch: "Wir dürfen niemals zulassen, dass politische Gewalt in Amerika Wurzeln schlägt."



Today

Wie Snapchat die US-Wahlen beeinflussen könnte
Nach Taylor Swift und Rihanna greifen auch die Social-Media-Giganten ein – aber wird es einen Unterschied machen?

Zwei Jahre nachdem Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt worden ist, stehen in den USA die nächsten wichtigen Wahlen an: Am 6. November wird bei den Midterms das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Demokraten haben die Hoffnung, dass sie sich zumindest im Repräsentantenhaus ihre Mehrheit zurückholen – und damit in Zukunft Projekte von Trump stoppen können.

Gerade die Demokraten hoffen auf die Stimmen der jungen Menschen. Sie wählen tendenziell linker als ältere Wählerinnen und Wähler. Glaubt man einer aktuellen Umfrage, wird das wohl auch in diesem Jahr so sein. (CNN)

Doch viele von ihnen bleiben üblicherweise bei Wahlen zu Hause, insbesondere bei den Midterms. Vor vier Jahren gingen nur 17,1 Prozent der 18- bis 24-Jährigen zur Wahl. Das ändern könnte nun die großen Social-Media-Unternehmen ändern – vor allem Snapchat.

Allgemein ist die Wahlbeteiligung in den USA meist sehr viel niedriger als in europäischen Ländern. Grund dafür ist die nötige Registrierung: Wer zur Wahl gehen möchte, muss sich zuvor registriert haben, sonst zählt die Stimme nicht.

1 Was hat Snapchat gemacht?

Zum "National Voter Registration Day" rief auch Snapchat seine Userinnen und User dazu auf, sich für die Midterms zu registrieren. Im Profilbereich wurde für Nutzerinnen und Nutzer in den USA ein Button hinzugefügt, der direkt auf eine Seite führt, auf der man sich registrieren kann. Außerdem sandte das Snapchat-Team jedem eine Videonachricht mit dem Aufruf, sich zu registrieren.

Die Aktion war offenbar ein Erfolg: Laut "New York Times" registrierten sich über den Snapchat-Link 418.000 Menschen als Wähler. 

Vor Kurzem hatte bereits Taylor Swift zur Wahl aufgerufen – auf Instagram. In den Tagen danach registrierten sich 166.000 Menschen. Zum Vergleich: Im gesamten September hatten sich 190.000 Menschen registriert. Auch Rihanna startete daraufhin einen Aufruf. (Time)

Snap ist auch nicht die einzige Tech-Firma, die junge Wähler motivieren möchte, ihre Stimme abzugeben. Twitter, Uber, Bumble, Instagram und Tinder – alle gehen ähnlich wie Snapchat vor. 

Bumble ist eine Dating-App, bei der nur Frauen den ersten Kontakt herstellen können. Die Nutzerinnen und Nutzer können dort sich nun einen Badge auf die Fotos heften. Die Aufschrift: I am a voter. Bei Uber sollen Fahrten zur Wahlkabine am Wahltag gratis sein. (USA Today)

Tinder will mit der Aktion "swipe the vote" informieren. Ein- bis zweimal in der Woche sollen in der App Fakten zur Wahl auftauchen, dann kommen die Nutzerinnen und Nutzer auf die Seite von "Rock the Vote", dort können sie sich registrieren. (FAZ)

2 Wie groß ist der Effekt durch Snapchat?

Ein Beispiel: Das konservative Texas war bislang fest in der Hand der Republikaner, doch der demokratische Kandidat Beto O'Rourke könnte dem bisherigen Senatoren Ted Cruz gefährlich werden. Doch um sein Ziel zu erreichen, muss er auf die Nichtwähler setzen. Bei den letzten Midterms gaben in Texas nur 28 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. (SPIEGEL ONLINE)

Von den Menschen, die sich in den vergangenen Wochen über Snapchat registriert haben, waren allein 79.148 aus Texas. Bezogen auf die Gesamtzahl der Wahlberechtigten ist das allerdings weniger als ein halbes Prozent.

Beachtet man aber, dass Snapchat vor allem junge Menschen anspricht, zeigt sich hier ein deutlich größerer Effekt: Bei etwa zwei Millionen wahlberechtigten Texanerinnen und Texanern im Alter zwischen 18 und 24 könnten die Registrierungen durch Snapchat die Wahlbeteiligung theoretisch um bis zu vier Prozent steigern. Das setzt allerdings voraus, dass alle Menschen, die sich dank Snapchat registiert haben, unter 24 sind. Ganz so viele Junge werden es also am Ende nicht sein – und es gibt noch eine Einschränkung.

3 Wo liegt das Problem?

Viele registrierte Wählerinnen und Wähler heißt nicht, dass auch viele zur Wahl gehen. Bei den letzten Midterms waren rund 14 Millionen Menschen als Wähler registriert – zur Wahl gingen aber nicht einmal fünf Millionen. (Texas Tribune)

Aktuell sind in Texas bereits so viele Menschen als Wähler registriert wie noch nie – rund 15,6 Millionen (ABC). Gut möglich also, dass die Zahl der Wähler ebenfalls leicht steigen wird.

Skeptisch sollte man dennoch bleiben: Wie viele von den mehr als 400.000 neu registrierten Menschen am Ende tatsächlich auch ihre Stimmen abgeben werden, ist unklar. "Es ist immer schwierig, die Wahlbeteiligung vorherzusehen", sagte Donald Green, Politikwissenschaftler an der Columbia University, der "New York Times". "Und es ist schwer zu sagen, ob irgendein Taylor-Swift-Anstieg einen Unterschied machen wird."