Die braunen Schilder an Autobahnen weisen auf Sehenswürdigkeiten hin: Schlösser, Museen, Kirchen und so weiter. An der A9 bei Dessau ist ein ganz besonderer Hinweis dazugekommen: Aktivisten haben ein Schild mit "Oury-Jalloh-Stadt Dessau" überklebt.

Auf dem Foto ist die Kilometerangabe 73 zu sehen – dort steht eigentlich ein Schild, das auf das Unesco Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz hinweist. 

Der unglaubliche Fall des verbrannten Asylbewerbers

Oury Jalloh verbrannte am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Der Asylbewerber aus Sierra Leone war angeblich stark angetrunken. Polizisten fixierten ihn an Händen und Füßen. Wenig später fanden sie seinen verkohlten Leichnam in der Zelle.

Wie der Gefesselte an ein Feuerzeug gekommen sein soll, wie er es bedienen konnte, wie er komplett verbrennen konnte, warum niemand etwas bemerkte: unklar. 

Zwei Polizisten, darunter der Dienstgruppenleiter, wurden angeklagt und zunächst freigesprochen. Der Bundesgerichtshof kippte 2010 den Freispruch des Dienstgruppenleiters. Das Landgericht verurteilte ihn 2012 wegen fahrlässiger Tötung, 120 Tagessätze zu je 90 Euro. 

Angehörige wollen das nicht hinnehmen. Sie sprechen von Mord und Vertuschung. Die "Initiative in Gedenken an Oury Jalloh" stellt 2013 ein eigenes Brandgutachten vor: Demnach kann sich Oury Jalloh nicht selbst angezündet haben. Sie vermuten Brandbeschleuniger

Drei Jahre später stellt die Staatsanwaltschaft Dessau-Rosslau eigene Versuche an und kommt zu einem ähnlichen Schluss: Ohne den Einsatz einiger Liter Brandbeschleuniger sei das schnelle Verbrennen nicht vorstellbar.

"Anfangsverdacht eines Mordes"

Aber wegen Überarbeitung übergibt die Staatsanwaltschaft Dessau den Fall nach Halle. Dort wird das Verfahren nur acht Wochen später, im Oktober 2017, eingestellt. Dabei hatte der Dessauer Oberstaatsanwalts Folker Bittmann noch im April einen Aktenvermerk angefertigt: "Anfangsverdacht eines Mordes".

Sein Verdacht: Die Polizei Dessau könnte ein Interesse daran gehabt haben, mit dem Brand Spuren von Polizeigewalt zu verwischen. Bei der Polizei Dessau war 1997 ein Mann an schweren inneren Verletzungen gestorben, nachdem er in Gewahrsam der Dessauer Polizei gewesen war. 2002 war ein Obdachloser in jener Zelle ums Leben gekommen, in der drei Jahre später Oury Jalloh verbrannte. 

bento-App

bento gibt es auch als App
Kostenloser Download: Android | iOS

Bittmann schreibt: Den Polizisten sei womöglich bewusst geworden, dass auch die Ermittlungen zu den anderen beiden Todesfällen neu hätten aufgerollt werden können. Sein Verdacht wurde im November 2017 öffentlich. Die Linke in Sachsen-Anhalt spricht von einem Skandal: "Das stinkt zum Himmel und es reiht sich ein in eine lange Geschichte der Vertuschung, Nichtaufklärung und verunmöglichter Aufklärung." (Die Linke)

Nun will Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) das Verfahren der Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg zuteilen.

Mehr über den Fall Oury Jalloh

Fühlen

Kann man sich lieben und trotzdem einfach nicht zusammenpassen?

Neulich war es wieder mal so weit: Meine Freundin Jana*, die seit drei Jahren eine Art On-Off-Beziehung führt, hatte sich wieder mal von ihrem Freund Sven* getrennt. "Wir lieben uns beide noch, das haben wir uns auch gesagt. Aber irgendwie passt es einfach nicht richtig ..." 

Es passt einfach nicht. 

Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Satz schon von meinen Freundinnen gehört habe. Es scheint, als seien die berüchtigten "unüberbrückbaren Differenzen", von denen man früher immer in Magazinen gelesen hat, inzwischen voll im Alltag angekommen.