Bild: Axel Heimken/dpa

Bisher war in Deutschland nur Organspender, wer das ausdrücklich wollte. Man hat sich einen Organspendeausweis besorgt, ihn ausgefüllt und immer mit sich herumgetragen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat nun andere Pläne.

Was genau möchte Jens Spahn an der Organspende in Deutschland ändern?

Jens Spahn möchte, dass in Zukunft erst mal jeder automatisch Organspender ist, außer er oder sie oder die Angehörigen widersprechen dem. Nur so könne "die Organspende zum Normalfall werden", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Eine solche Neuregelung stelle laut Spahn zwar einen Eingriff des Staates "in die Freiheit des Einzelnen" dar, aber alle bisherigen Versuche der Politik, die stark zurückgehende Zahl der Organspender wieder zu erhöhen, seien bisher "leider ohne Erfolg" geblieben. 

Deshalb brauchen wir eine breite gesellschaftliche Debatte über die Widerspruchslösung
Jens Spahn

Spahn hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, die Zahl der Organspenden durch eine bessere Vergütung der Krankenhäuser erhöhen zu wollen, da es den Krankenhäusern oft an Zeit und Geld fehle, um Spender zu identifizieren.

Warum ist das wichtig?

Niemand spricht gerne über das Thema Organspende – denn letztlich konfrontiert einen das Thema mit dem Tod. Aber es muss darüber geredet werden, denn in Deutschland gibt es viel zu wenige Organspender.

Die Grafik bildet die Anzahl der Organspender je 1 Mio. Einwohner in Europa ab, Stand Oktober 2016.

(Bild: Statista )

Mit nur 797 hat im vergangenen Jahr nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation die Zahl der Organspender einen neuen Tiefpunkt erreicht (SPIEGEL ONLINE). Im ersten Halbjahr 2018 gab es eine Zunahme. Ende August hatte Spahn gesagt, dass 10 000 Menschen in Deutschland auf ein Spendeorgan warten würden. (bento)

Gibt es diese Widerspruchslösung schon irgendwo?

Oh ja. 

  • Die Widerspruchslösung gilt in Bulgarien, Irland, Frankreich, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, den Niederlanden, Polen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern. (bento)
    Die Widerspruchsregelung mit Einspruchsrecht der Angehörigen gilt in Belgien, Estland, Finnland, Litauen und Norwegen.
  • Deutschland hat bislang eine "Entscheidungslösung". Jeder Bürger soll ab dem 16. Lebensjahr regelmäßig Informationen zur Organspende erhalten, beispielsweise von seiner Krankenkasse. Dank der Informationen soll jeder eine unabhängige Entscheidung treffen können, ob er seine Organe nach seinem Tod weitergeben möchte oder nicht.
  • In anderen Ländern gilt die Zustimmungslösung: hier können nur dann Organe und Gewebe entnommen werden, wenn zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt wurde.
    Bei der erweiterten Zustimmungslösung müssen die Angehörigen stellvertretend für die verstorbene Person entscheiden, falls diese zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen und dokumentiert hat. Diese Regelung gilt zum Beispiel in Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Litauen, Rumänien und der Schweiz. (Organspende-Info.de

Was das für deinen Urlaub bedeutet? Wenn du im Ausland bist und dir etwas passiert, gilt grundsätzlich die Regelung des jeweiligen Landes, in dem du gerade bist. Das bedeutet, verstirbst als deutsche Staatsbürgerin oder deutscher Staatsbürger im Ausland, wirst du nach der gesetzlichen Regelung des jeweiligen Landes behandelt. 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt deshalb, einen Organspendeausweis in der entsprechenden Landessprache auszufüllen und zu den Personalpapieren zu legen. (Organspende-Info.de

Den Organspendeausweis gibt es in 28 Sprachen.

Mit Material von dpa


Trip

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Leben, wo andere Urlaub machen. Dieser Satz trifft wohl auf keinen mehr zu als auf uns – die Bewohner von Mecklenburg-Vorpommern. (Ja, die Menschen in Schleswig-Holstein beanspruchen das bestimmt auch für sich. Sie haben Unrecht.)