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Eine Chronologie der Eskalation

Für die Rechtspopulisten der FPÖ sind klare Feindbilder so wichtig wie heißer Punsch für den Erfolg der Après-Ski-Saison. Das hat jetzt auch der österreichische Pop-Sänger Wolfgang Ambros zu spüren bekommen. Weil er sich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" kritisch über die Partei geäußert hatte, griffen ihn die Rechtspopulisten tagelang massiv verbal an. 

Doch die Aktion ging nach hinten los – denn plötzlich solidarisierten sich Tausende mit dem bekannten Künstler und brachten einen 42 Jahre alten Après-Ski-Song von ihm zurück in die Charts. Mitten im Hochsommer, bei 32 Grad. 

Wie es dazu kommen konnte:

1

Am Montag

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" hatte Wolfgang Ambros klar Stellung gegen die Politik der Regierung in seiner Heimat Österreich bezogen. Dabei bezog er sich vor allem auf die zahlreichen Skandale, seitdem die rechte FPÖ gemeinsam mit der konservativen ÖVP regiert. Einige Beispiele:

  • Im Juli bezeichnete ein lokaler FPÖ-Politiker das französische Fußballteam als "Kongoaffen
  • Im Juni bedankten sich Rechtsradikale bei einer FPÖ-nahen Burschenschaft für eine Führung durch den Hitler-Geburtsort
  • Im Mai stoppte eine Kinokette einen Werbespot der FPÖ-Jugend, weil er ausländische Fachkräfte als Einbrecher darstelle

Die Vorfälle sind Teil einer längeren Liste von "Einzelfällen" aus dem FPÖ-Umfeld, die von der Tageszeitung "Der Standard" regelmäßig aktualisiert wird.

Als Beispiele nannte Ambros den Skandal um ein rechtes Liederbuch von FPÖ-nahen Burschenschaftlern, in dem von Judenvergasung die Rede war. Außerdem sagte er:

Ich bin mir sicher, dass es viele braune Haufen in der FPÖ gibt.
Wolfgang Ambros im Interview mit der Süddeutschen Zeitung

Gleichzeitig warnte der Sänger, der in Österreich als Erfinder des sogenannten Austropops gilt, auch vor den Folgen der FPÖ-Politik für ärmere Mitbürgerinnen und Mitbürger. "Die Pläne dieser Regierung bekommen nicht nur die Flüchtlinge zu spüren, sondern bald auch ärmere Österreicher", so Ambros. Und weiter:

Neulich hat die FPÖ-Sozialministerin Beate Hartinger-Klein behauptet, von 150 Euro im Monat könne man leben. Das ist doch irrsinnig!
Wolfgang Ambros im Interview mit der Süddeutschen Zeitung

2

Am Dienstag

Nur einen Tag später revanchierte sich die FPÖ für die Kritik (ORF). In einem Statement bezeichnete der Generalsekretär der FPÖ den Sänger als, so wörtlich:

Abgehalfterten Musiker, für den sich kein Mensch mehr interessiert.
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker

Zudem bezeichnete er den Sänger und andere Kritiker als "Systemgünstlinge" (was für eine Regierungspartei eine interessante Formulierung ist), die vermutlich um ihre Rente fürchteten. Nach Angaben seines Managers erhielt der Sänger darauf dutzende Nachrichten, in denen er beleidigt und ihm ein grausamer Tod gewünscht wurde.

3

Am Mittwoch

Einen Tag später wehrte sich der Manager von Wolfgang Ambros in einem offenen Brief an FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gegen die Anschuldigungen (Kurier).

Herr Ambros bezog in den letzten 47 Jahren keine einzige staatliche Subvention.
Peter Fröstl, Manager von Wolfgang Ambros

Zugleich warnte er, durch die fremdenfeindliche Politik der FPÖ würden in Österreich "Hass und Hetze eine Aufschwung erleben" und schrieb weiter:

Herr Ambros versteuert seine Einkünfte in Österreich – und finanziert damit gezwungenermaßen u.a. Leute wie Sie und Ihresgleichen. Seit Jahrzehnten. Soviel zu 'abgehalftert' und Unterstellungen wie 'Staatskünstler'.
Peter Fröstl, Manager von Wolfgang Ambros

4

Am Freitag

Auch die Fans von Wolfgang Ambros wehrten sich im Laufe der Woche gegen die Anfeindungen der FPÖ. Unter Hashtags wie #ambroschallenge riefen sie nach kurzer Zeit dazu auf, die Musik des Sänger zurück in die Charts zu bringen. 

Am Donnerstagnachmittag war es dann soweit: Der Après-Ski-Klassiker "Schifoan" stürmte 42 Jahre nach seiner Veröffentlichung an der Spitze der österreichische iTunes-Charts. Kurze Zeit später wuchs die Liste der Ambros-Hits in den Charts noch weiter: Bis Freitagabend standen 12 Singles und fünf Alben von Wolfgang Ambros in den Apple-Charts (Ö24). 

Jetzt wollen die FPÖ-Kritiker und Ambros-Fans auch die offiziellen Charts erobern, um ein Zeichen gegen den Rechtsruck zu setzen. Beobachter halten das für gut möglich (Der Standard).


Haha

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