Bild: YouTube/Bipa
Es gehört zur Werbekampagne eines Drogeriemarktes.

Die österreichische Drogeriemarktkette Bipa hat eine neue Werbekampagne gestartet, in der sie Frauen in den Mittelpunkt stellt. Das ist erst mal nichts Besonderes, Frauen kaufen nun mal in Drogeriemärkten ein. Allerdings auch muslimische Frauen. 

Und das können viele Rechte anscheinend nicht ab – denn die Bipa-Kampagne zeigt unter anderem eine Frau mit Kopftuch. 

Im Netz pöbeln Rechte gegen die abgebildete Muslima. Auf der Facebook-Seite von Bipa folgen viele sich fremdenfeindliche und aggressive Kommentare aufeinander:

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Der Tenor: Der Islam gehört nicht zu Österreich, die Kopftuchträgerin gehört daher auch nicht in eine Werbekampagne einer österreichischen Firma.

Bipa hatte die Kampagne "Weil ich ein Mädchen bin" Anfang der Woche gestartet. 

Laut der zu Rewe gehörenden Kette geht es darum, in Frauen das "Mädchen von früher" zu wecken. Zu sehen sind unter anderem eine tätowierte Frau, eine ältere Dame, Boxweltmeisterin Nicole Wesner, die Modedesignerin Lena Hoschek. Und eben eine Muslima. (Der Standard)

Die Kampagne schaltet Anzeigen, wird aber auch im Radio und im TV mit Spots zu sehen sein. Unter anderem diesem hier:

Nicht nur auf Facebook haben sich Nutzer über die abgebildete Muslima aufgeregt – auch das rechtspopulistische Blog unzensuriert.at hatte das Thema aufgegriffen.

Die der FPÖ nahestehende Seite schreibt, Bipa stelle die "Islamisierung Österreichs" als "freudige Tatsache" dar und versuche, muslimische Frauen und Tätowierte als "typische Konsumentinnen" zu zeigen. 

In Österreich sind etwa sieben Prozent der Menschen muslimischen Glaubens (Die Presse). Soll heißen: Sie existieren und kaufen sicher auch ihre Zahnpasta in Drogeriemärkten. Aber von einer angeblichen Islamisierung ist das Land natürlich nicht bedroht.

Bipa selbst hat auf den Shitstorm mittlerweile reagiert. 

Es gehe nicht darum, religiöse Statements abzubilden, sondern schlicht um verschiedene Lebensrealitäten, "quer durch die österreichische Gesellschaft, um die Vielfältigkeit unserer Kundinnen und Kunden darzustellen". (Nachrichten.at

Und auf Facebook bittet die Kette ihre Nutzer darum, die Netiquette einzuhalten und respektvoll miteinander umzugehen.

Ein Thema, das viel mehr Österreicher bewegte, war die Zuspitzung auf "Mädchen" in der Kampagne. Aber auch darauf hatte Bipa eine Erklärung:

Haha

Dieses Doppelkinn ist das Beste, was Instagram gerade zu bieten hat

Was sind schon all die Schmollmünder mit schneeweißen Zähnen, in Wirklichkeit ist das doch alles Fake. Viele Frauen, die Selfies auf Instagram posten, wirken auf ihren Bildern stundenlang zurechtgemacht. Dazu ein aufreizender Blick.

Michelle Liu hat keine Lust mehr darauf – und will mit ihren Fotos dagegenhalten. Sie zeigt, wie elendig das ewige Wetteifern um das beste inszenierte Urlaubsfoto ist. 

Auf ihren Selfies verzichtet sie auf Hundeblick und Duckface. Stattdessen guckt sie mit schräger Mimik in die Kamera. Und zeigt immer: ihr Kinn. Für Instagram gab sie sich den Namen "Chinventures", was wohl so viel bedeutet wie Kinn-Abenteuer. 

Was man mit dem eigenen Doppelkinn anstellen kann, geht gerade ohnehin rum in sozialen Netzwerken: Unter #chinning posten Menschen Fotos, auf denen sie ihr Kinn in die Kamera halten. Botschaft: Das Norm-Selfie kann mich mal.

Auch Michelle macht sich mit ihren Grimassen lustig – über Leute, die sich zu Hause oder im Urlaub viel zu ernst nehmen.