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Ein Obstkorb fürs Obst, ein Gemüsefach fürs Gemüse: Es klingt so einfach – aber das ist es nicht. Denn die Äpfel sollten nicht neben den Bananen liegen, die Zucchini dürfen nicht mit den Möhren ins selbe Kühlschrankfach.

Wir erklären, wie man Obst und Gemüse richtig aufbewahrt: mit Reinhold Carle, Professor am Institut für Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie an der Uni Hohenheim. 

Warum ist es denn so wichtig, Obst und Gemüse richtig zu lagern? 

"Fast alle Lebensmittel pflanzlicher Herkunft sind nur kurzfristig haltbar, es besteht immer die Gefahr, dass sie verderben", sagt Carle. "Normalerweise verlängert eine kühle Lagerung die Haltbarkeit, bei einigen Früchten und Gemüsearten gilt aber das Gegenteil: Niedrige Temperaturen können Schäden anrichten." 

Das bedeutet: Die falsche Temperatur sorgt dafür, dass unser Obst und Gemüse schneller schlecht wird – und dadurch schlimmstenfalls im Müll landet. 

Sieht lecker aus – aber schmeckt es auch noch?(Bild: Unsplash)
Gibt es eine Faustregel, was in den Kühlschrank gehört –  und was nicht? 

"Wenn man überlegt, woher das Lebensmittel kommt, dann hat man schon fast die Antwort", sagt Carle. Früchte aus tropischen oder subtropischen Gebieten mögen es warm, genau wie mediterranes Gemüse – sie sind Kälte nicht gewöhnt.

"Diese Ware leidet unter zu niedrigen Temperaturen, hier kann es zur sogenannten Chilling Injury kommen, der Kältekrankheit."

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Heimische Lebensmittel wie Äpfel, Birnen, Möhren, Kohl oder Sellerie sollten aber in jedem Fall im Kühlschrank aufbewahrt werden. Hier sorgt die Kälte dafür, dass sie deutlich länger haltbar bleiben – unter anderem, weil die Lebensbedingungen von Mikroorganismen verschlechtert werden und sich dadurch langsamer Schimmel bildet.

Woran erkennt man, ob eine Frucht von der Kältekrankheit befallen ist? Und ist das wirklich schlimm? 

Leider können wir einer Mango oder Ananas nicht ansehen, ob sie auf dem Weg in den Supermarkt zu niedrige Temperaturen erlebt hat. Erst beim Aufschneiden erkennt man an den braunen Verfärbungen im Innern, ob diese Frucht zu kalt transportiert wurde.

"Bei Pfirsichen kann es auch passieren, dass ein wolliges Gefühl im Mund auftritt", sagt Carle. "Das ist allerdings ein rein ästhetisches Problem." Es ist für uns also nicht gefährlich, aber die Früchte sehen nicht schön aus und schmecken auch nicht mehr so gut. 

Heimisches Gemüse fühlt sich also im Kühlschrank wohl. Aber wo und wie ganz besonders? 

"Das Gemüsefach hat eine absolute Berechtigung", sagt Carle. Denn es hat im Normalfall die beste Temperatur, damit sich Gemüse lange hält. Doch auch die Luftfeuchtigkeit spielt dabei eine Rolle: "In modernen Kühlschränken gibt es bereits Wasservorratsbehälter, über die Lebensmittel befeuchtet werden", erklärt Carle.

Das Gemüsefach hat eine absolute Berechtigung
Reinhold Carle

"Dabei wird ganz fein vernebeltes Wasser versprüht. Wir haben in Untersuchungen festgestellt, dass Petersilie und Erdbeeren dadurch viel länger halten." Man kennt diese Technik bereits aus einigen Supermärkten, im eigenen Kühlschrank werden wohl nur wenige von uns schon diese Möglichkeit haben. Aber ein Gemüsefach gehört mittlerweile zum Standard – immerhin.

Und wie ist es mit Tomaten? Die wachsen schließlich nicht nur im Süden, sondern auch auf unseren (nicht gerade tropischen) Balkonen…

"Auch Tomaten sind bereits sehr kälteempfindlich", sagt Carle. "Sie stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und sollten deshalb nicht bei zu niedrigen Temperaturen gelagert werden."

Also: nicht im Kühlschrank. Am besten wäre ein ganz normaler Keller, in dem es nicht zu kalt und nicht zu hell ist, Experten empfehlen leichte Feuchtigkeit. Wer in einer klassischen Mietwohnung lebt, hat diese Option nicht – aber wir könnten versuchen, uns bei der Tomaten-Aufbewahrung an diesen Bedingungen zu orientieren.

Und stimmt es, dass manche Obstsorten die Macht haben, andere zu verderben?

Ja, zum Beispiel gehören Bananen dazu: Sie geben das Reifegas Ethylen ab, das alle Alterungsprozesse in Lebensmitteln beschleunigt.

"Wenn eine Banane neben einem Kopfsalat liegt, dann wird der Salat quasi infiziert", erklärt Carle. "Er wird schneller welk und die Blätter werden gelb: Er verliert durch das Ethylen seine Gewebsspannung." Um das zu vermeiden, reicht es nicht, den Salat (der eigentlich ohnehin im Kühlschrank liegen sollte) oder die Mango ein paar Zentimeter weiter weg zu legen.

"Ethylen füllt den ganzen Raum aus, auch ein Meter Abstand ist meistens nicht genug." Am besten wäre es, die Bananen in einen anderen Raum zu legen – vielleicht in eine Schale auf dem Wohnzimmertisch.

Gibt es Sonderregeln bei angeschnittenem Obst? 

Wer die Mango nicht am Stück isst, sondern eine Hälfte für den nächsten Tag aufbewahrt, sollte von den bisher genannten Regeln abweichen. "Eine Schnittfläche ist wie eine offene Wunde", sagt Carle. "Damit provoziert man Verderb."

Deshalb sollten auch angeschnittene Südfrüchte ausnahmsweise im Kühlschrank liegen. Am besten halten sie sich, wenn man sie in eine geschlossene Dose legt: So entsteht eine feuchte Atmosphäre. Liegt angeschnittenes Obst offen im Kühlschrank, gibt es große Verdunstungsverluste – und das führt dazu, dass die Frucht austrocknet und schrumpelig aussieht. 


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