Bild: Britta Pedersen/dpa
Sechs Antworten zu den drängendsten Fragen

Zwei obdachlose Männer, 47 und 62, sind in Berlin angezündet und dabei lebensgefährlich verletzt worden. Die Täterinnen oder Täter sollen die beiden am Sonntagabend mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen haben. Die Tat ereignete sich am Bahnhof Schöneweide gegen 23 Uhr. Die beiden Männer hatten ihr Quartier auf dem Vorplatz des Bahnhofs im Osten der Hauptstadt aufgeschlagen.

Was wissen die Ermittler über die Verdächtigen?

  • Bislang noch nicht so viel. Am Montag hieß es, die Polizei gehe von einem einzelnen Täter aus. 
  • Zeugen aus einem benachbarten Imbiss kamen zu Hilfe und löschten die Flammen. Alarmierte Sanitäter leisteten Erste Hilfe. Konkrete Hinweise zu dem Täter oder einem Motiv gab es zunächst aber nicht. 
  • Die Opfer lagen an einem Fahrstuhlschacht auf dem Bahnhofsvorplatz, der zwischen dem Bahnhofsgebäude, einem großen Einkaufszentrum und einer Hauptverkehrsstraße liegt. Der Tatort war also von allen Seiten sehr gut zu sehen – besonders weil der größere Bahnhof und die Umgebung mit Imbissen und Kneipen gerade an einem warmen Sommerabend noch gut frequentiert sind.
  • Eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen.
  • Ob der Täter möglicherweise aus dem rechtsextremistischen Milieu oder aus aggressiven, aber unpolitischen Kreisen kommt oder selber zum Obdachlosenmilieu gehört, war am Montag noch völlig unbekannt.

Wie geht es den beiden Opfern?

Nach dem Brandanschlag wurden sie in ein Krankenhaus gebracht. Wegen der Verletzungen konnten sie noch nicht von der Kriminalpolizei befragt werden, wie ein Sprecher sagte. Am Montagmorgen sagte ein Polizeisprecher, die beiden Männer schwebten in Lebensgefahr. 

Die Opfer haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Mehr Informationen zu ihnen gab es zunächst nicht.

Wie laufen die Ermittlungen in Berlin ab?

Noch in der Nacht untersuchten Experten von der Kriminalpolizei den Tatort. Fotos zeigen, wie sie in dem zum Teil verbrannten Lager der Obdachlosen zwischen Einkaufswagen, Decken, Kissen und Kleidungsstücken nach Spuren suchen. Beamte befragten in der Nacht und am Montag die Zeugen. Die Polizei prüft, ob der Bahnhofsplatz mit Kameras überwacht wird. Falls sich der Täter im Bahnhof aufhielt, könnte er von den dortigen Kameras gefilmt worden sein.

Wie häufig gibt es Kriminalität gegen Obdachlose?

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) macht immer wieder auf die Problematik aufmerksam. Auf ihrer Homepage schreiben sie: "Gewalt gegen wohnungslose und sozial ausgegrenzte Menschen ist ein alltägliches Phänomen in unserer Gesellschaft."

Dabei gehe es oft um Beleidigungen, Nötigung, Diebstahl, aber auch um Körperverletzungen und in extremen Fällen um Totschlag und Mord. Es heißt, die Täterinnen und Täter kämen aus verschiedenen Schichten der Gesellschaft –  auch Menschen, die selbst wohnungslos seien, gehörten dazu. Ebenso sei rechtsextreme Gewalt gegen wohnungslose Menschen "ein andauerndes Phänomen."

  • Seit 1989 erstellt die BAGW anhand von Presseberichten eine Auswertung zur Gewalt gegen wohnungslose Menschen, um Anhaltspunkte über Ausmaß und Formen der Gewalt zu gewinnen. Die dokumentierten Fälle seien also lediglich Mindestwerte, eine Dunkelziffer käme hinzu.
  • Von 1989 bis 2018 gab es insgesamt 528 Todesfälle – 291 gab es aufgrund von Gewalt durch andere wohnungslose Täter. 

Das Bundeskriminalamt verzeichnet 2017 deutschlandweit mit knapp 1.400 Straftaten gegen Obdachlose einen Anstieg um etwa 40 Prozent gegenüber 2015. Mehr als die Hälfte der Taten waren Gewaltdelikte wie Körperverletzungen. (taz)

Gab es in Berlin nicht einen ähnlichen Fall?

Der Fall erinnert an die Brandattacke auf einen Obdachlosen am Heiligabend 2016 am U-Bahnhof Schönleinstraße in Berlin. Damals hatte eine Gruppe Jugendlicher in einem U-Bahnhof versucht, einen schlafenden Mann mit einem Feuerzeug anzuzünden. Der Haupttäter wurde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Tat soll aus Langeweile der jungen Flüchtlinge und einer gefährlichen Gruppendynamik heraus geschehen sein. (bento)

Nach Schätzungen gibt es in Berlin zwischen 4.000 und bis zu 10.000 Obdachlose.

Welche Präventionsmaßnahmen schlägt die BAGW vor?

Die BAGW fordert die Förderung präventiver und nachsorgender Konzepte und Maßnahmen sowie konsequente Strafverfolgung zur Eindämmung von Gewalt. Auch die wissenschaftliche Forschung zur Gewalt gegen wohnungslose Menschen sollte gefördert werden.

Die BAGW stellt auch eine Zunahme von politisch motivierten Taten fest. Die stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, Werena Rosenke, forderte eine bessere Aufklärung. Im vergangenen Jahr sagte sie: 

"Wir beobachten in den letzten Jahren eine Zunahme von Gewalt gegen Wohnungslose. Und immer wieder haben Gewalttaten einen rechtsextremistischen Hintergrund. Das hat manchmal den Charakter von Folter. Trotzdem gibt es daran offenbar kein Interesse. Wohnungslose sind ohnehin schon marginalisiert. Und jetzt geht das offenbar so weit, dass sie auch als Opfer marginalisiert werden." (FAZ)

Mehr Informationen zu Wohnungsnot gibt es hier.

Für 18 Uhr ist in Berlin am Montagabend eine Mahnwache angekündigt.

Mit Material von dpa


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