Bild: dpa/Marcus Brandt
5 Fakten zur Stellenanzeige

Es gibt Leute, denen ist für Nutella kein Weg zu weit. Der zum Schrank schon mal gar nicht. Auch nicht der zu ihrem angeranzten Campingplatzkiosk, der einen eher saloppen Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum pflegt. Was tut man nicht alles, wenn der wichtigste Brotaufstrich des Lebens im Urlaub alle ist.

Nutella, diese zähschmierige Mischung aus Zucker, Fett, Palmöl, noch mal Zucker und ein paar obskuren Chemikalien, hat erstaunlich viele Fans. Gehörst du auch dazu? Wie weit würdest du gehen?

Wie weit, um wieder und wieder kostenlos von Nutella zu naschen? Wie weit, um über die Mischung mitzubestimmen, die Menschen wie dich da draußen in die Nougatsucht treibt? Wie weit, um jenen Menschen nahe zu sein, die Ihr heißgeliebtes Nutella machen? Wir fragen, weil es einen Job gibt, zu dem eine echte Nutella-Schnute schwer Nein sagen kann – auf den ersten Blick. 

Der Hersteller Ferrero sucht auf einem italienischen Stellenportal 60 Nutella-Tester

  • Eine Qualifikation ist unnötig, hier sind dem Konzern Amateure lieber als Routiniers der Geschmackssensorik.
  • Drei Monate lang sollen die 60 Kalorienkonsumenten in einem Kurs lernen, wie man Geschmack beschreibt, bei voller Bezahlung. 
  • Im September geht es los, über die Höhe des Gehalts verrät die Anzeige aber nichts. Egal - wer eine echte Nougatnase ist, kann sich das Gehalt auf der Arbeit locker schönessen.
  • Nach diesen drei Monaten sollen 40 Mitarbeiter übernommen werden. Sie bekommen eine Festanstellung und dürfen auf immer und ewig Ferreros Zuckerschmiere verkosten, aber nur auf Teilzeitbasis.
  • Das macht die Stundendiät leider überraschend mager: Zwei Tage die Woche, jeweils zwei Stunden sind vorgesehen. 

Ferrero betont, dass man die Anstellung problemlos mit einem anderen Job kombinieren kann. Im Ernst: Man muss sogar. So viel lässt sich sogar bei dieser Arbeit nicht schlemmen, um davon leben zu können. Die Differenz zu einer 40-Stunden-Stelle gleichen selbst Nutella-Nerds unmöglich über den Verdauungstrakt aus.

Ein weiterer Nachteil: Der Arbeitsort ist Alba im Piemont, am Hauptsitz von Ferrero. An sich ist das nicht schlimm, die Stadt rühmt sich ihrer Trüffel und ist umgeben von Obst- und Weinanbaugebieten.

Aber es stellt sich eben die Frage: Wie weit würden Sie gehen? Der Kalorienkonzern schreibt, dass sich die Anzeige an "Personen aus Alba und Umgebung" richtet. Wer den Job wirklich will, muss sich also erst dort niederlassen, auf die Schnelle. Andernfalls ist das Angebot streichfähig.

Wenn dir das nun doch zu weit geht, tröstet vielleicht ein Esslöffel Nutella. Oder drei. Oder vier – der Kalorien – Gegenwert eines halben Mittagessens.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen. 


Fühlen

Warum ich manchmal lieber auf dem Land statt in der Stadt wohnen möchte

"Monsterland", so habe ich das Münsterland genannt, als ich wegzog, mit 21. Ich war bereit, der ländlichen Einöde zu entfliehen, endlich die richtige, die große Welt kennenzulernen. Ich wollte Großstadt und Reizüberflutung, ich wollte Anonymität und Geschäfte, die immer geöffnet haben. 

Nie wieder Langeweile, für immer wilde Partys.