Bild: Paul Zinken/dpa
Wie es jetzt weitergeht – in vier Antworten erklärt.

Der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, der Waffenbeschaffer für den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU), ist aus dem Gefängnis frei gekommen. Wie kann das sein?

Was ist passiert?

Ralf Wohlleben ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Er war einer von vier Mitangeklagten im NSU-Prozess. Die Bundesanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, die Mordwaffe vom Typ "Ceska", mit der der NSU neun von zehn Morden begangen hat, organisiert zu haben – und er soll gewusst haben, wofür die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sie benutzen wollten. Das hatte Wohlleben stets bestritten.

Wie kann es sein, dass Ralf Wohlleben jetzt frei ist?

Im NSU-Prozess war Ralf Wohlleben erst am Mittwoch zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. 

Er saß bereits sechs Jahre und acht Monate in Untersuchungshaft. Das heißt, er hätte höchstens noch drei Jahre und vier Monate im Gefängnis verbüßen müssen. 

Aus Sicht der Richter des Oberlandesgerichts München besteht keine Gefahr mehr, dass Wohlleben fliehen und somit dem weiteren Verfahren fernbleiben könnte. Mit der Entscheidung, ihn jetzt frei zu lassen, folgte das Gericht der Einschätzung des Generalbundesanwalts in Karlsruhe, der eine Gefängnisstrafe für Ralf Wohlleben für nicht mehr erforderlich hielt. 

Wie geht es für Ralf Wohlleben jetzt weiter?

Noch ist das Urteil im NSU-Prozess nicht rechtskräftig. Unter anderem Wohllebens Rechtsanwälte hatten angekündigt, die Entscheidung vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe überprüfen zu lassen. Sollte das Urteil gültig werden, müsste Wohlleben seine Reststrafe antreten. Diese oder ein Teil davon könnten zur Bewährung ausgesetzt werden. 

Das Innenministerium in Magdeburg teilte auf Anfrage mit, dass Wohllebens Frau und gemeinsame Kinder ihren Wohnsitz in Sachsen-Anhalt haben. Die Behörden bereiteten sich darauf vor, dass auch Ralf Wohlleben selbst jetzt seinen Wohnsitz in dem Bundesland nehmen werde. 

Sachsen-Anhalt befinde sich in enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern. Weitere Details, auch zum genauen Wohnort von Wohllebens Familie, nannte das Ministerium nicht. 

Gab es noch mehr Helfer beim NSU?

Das ist die große Frage. Die Bundesanwaltschaft hielt in München während des Prozesses stets an ihrer These fest, der NSU habe allein aus Zschäpe und ihren verstorbenen Komplizen Böhnhardt und Mundlos bestanden. (SPIEGEL+)

Im NSU Prozess gab es neben der Hauptangeklagten Zschäpe noch vier Nebenangeklagte, darunter auch Wohlleben. Trotzdem berichten die meisten Medien immer nur über Beate Zschäpe.

Die vier Nebenangeklagten im NSU-Prozess waren:

  1. Zum einen den oben erwähnten Ralf Wohlleben, der dem Trio eine Waffe besorgt haben soll.
  2. Holger G. wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Er ist der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung schuldig gesprochen worden. Er hatte zugegeben, dem NSU-Trio einmal eine Waffe übergeben und den Untergetauchten mit falschen Papieren geholfen zu haben.
  3. André E. wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Oberlandesgericht München sprach ihn nicht der Beihilfe zum versuchten Mord schuldig, wie die Bundesanwaltschaft gefordert hatte. Es verurteilte den 38-Jährigen, weil er bei der Tarnung des NSU-Trios im Untergrund geholfen hatte.
  4. Der Mitangeklagte Carsten S. wurde zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt. Das Oberlandesgericht München sprach S. am Mittwoch der Beihilfe zum Mord in neun Fällen schuldig, verurteilte ihn aber nach Jugendstrafrecht, weil er zur Tatzeit noch Heranwachsender war.

Doch die Vermutung liegt nahe, dass es noch weitere Helfer gab. Wer ist der Freund des Freundes, der das Auto abschleppte? Wer sind die vielen anderen Helfer, die Zschäpe und ihren beiden Partnern das Leben im Untergrund erst ermöglichten? Wer besorgte den Sprengstoff?

Parlamentarische Untersuchungsausschüsse, Recherchen von Journalisten und die akribische Arbeit von Nebenklagevertretern haben zahlreiche Hinweise auf weitere Helfer zutage gefördert. (SPIEGEL+)

Die vier Nebenangeklagten, darunter Ralf Wohlleben, waren also wahrscheinlich nicht die einzigen Helfer des NSU. Die eindeutigen Beweise fehlen aber bislang. 


Mit Material von dpa


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