Bild: dpa/Tobias Hase

Im NSU-Prozess ist die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht München sprach die 43-Jährige am Mittwoch des zehnfachen Mordes schuldig. Das Gericht stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest.

Zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) gehörten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. 13 Jahre lang lebten die drei Neonazis im Untergrund und bildeten ein rechtsextremes Terrortrio. 

Die beiden Männer hatten sich am 4. November 2011 in einem Wohnmobil in Eisenach das Leben genommen. Zschäpe stellte sich vier Tage später der Polizei. Seither wurden die Taten des Trios aufgearbeitet. Fünf Jahre – 437 Verhandlungstage – hatte der NSU-Prozess in München gedauert.

 Zehn Morde werden dem Terror des NSU zugeordnet. Das sind die Opfer:

Sie heißen: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşküprü, Habil Kilic, Mehmet "Memo" Turgut, Ismail Yaşar, Theodorus Boulgarides, Mehmet Kubaşik, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter.

Im NSU-Prozess klagte die Bundesanwaltschaft – also Staatsanwälte im Namen des deutschen Staates. 

Sie blieben allerdings nicht allein: Insgesamt 86 Nebenkläger beteiligen sich am Prozess. Dabei handelt es sich vor allem um Familienmitglieder der Getöteten. Viele sagen, sie fühlen sich durch den Prozess nicht ausreichend gewürdigt. Tathergänge seien unklar geblieben, Mittäter blieben im Dunkeln.

Beate Zschäpe blieb nicht die einzige Verurteilte – auch NSU-Helfer bekamen Strafen.

  1. Den Mitangeklagten Ralf Wohlleben verurteilte das Gericht als Waffenbeschaffer für den "Nationalsozialistischen Untergrund" zu zehn Jahren Haft. Er ist demzufolge der Beihilfe zum Mord schuldig.
  2. Holger G. wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Er ist dem Urteil zufolge der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung schuldig. G. hatte zugegeben, dem NSU-Trio einmal eine Waffe übergeben und den Untergetauchten mit falschen Papieren geholfen zu haben.
  3. André E. wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Oberlandesgericht München sprach E. nicht der Beihilfe zum versuchten Mord schuldig, wie die Bundesanwaltschaft gefordert hatte. Es verurteilte den 38-Jährigen, weil er bei der Tarnung des NSU-Trios im Untergrund geholfen hatte.
  4. Der Mitangeklagte Carsten S. wurde zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt. Das Oberlandesgericht München sprach S. am Mittwoch der Beihilfe zum Mord in neun Fällen schuldig, verurteilte ihn aber nach Jugendstrafrecht, weil er zur Tatzeit noch Heranwachsender war.

Mit Material von dpa


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