Am 8.8. kam auch ein AfD-Abgeordneter nach Buchenwald.

Sie hörten Vorlesungen über Rassenkunde und marschierten auf dem Vorplatz auf: In der "Ordensburg" Vogelsang in der Eifel schulten die Nationalsozialisten ihre Nachwuchskräfte. Insgesamt drei solcher Eliteschulen hatten die Nazis gegründet. Heute ist die ehemalige NS-Ordensburg eine Gedenkstätte. Der Ort soll an eines der schlimmsten Kapitel der deutschen Geschichte erinnern. 

Und genau diesen Ort besuchten in den vergangene Jahren immer mehr Besuchergruppen aus der rechten Szene. Das gab nun eine Sprecherin der Dokumentationsstätte bekannt (Rheinische Post). 

Die Spuren der Besucher: Rechtsextreme Einträge im Gästebuch und Aufkleber auf dem Gelände. Es habe einige Vorfälle von strafrechtlicher Relevanz gegeben, die zur Anzeige gebracht worden seien, so die Sprecherin. Die Täter, die Aufkleber oder Schmierereien auf dem 100 Hektar großen Gelände hinterließen, seien aber meist nicht zu ermitteln.

Andere NS-Gedenkstätten haben ähnliche Probleme. Im Juli war in der KZ-Gedenkstätte in Sachsenhausen eine AfD-Besuchergruppe aus dem Wahlkreis am Bodensee von Alice Weidel zu Gast. Die Führung der Gruppe musste abgebrochen werden. Dem Tagesspiegel sagte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, dass sich unter den 17 Teilnehmern fünf bis sechs Personen befunden hätten, die die Führung "permanent unterbrachen und störten". Immer wieder sollen die Besucher dazwischengefragt haben: "Können Sie das beweisen?" Einige der Gäste sollen angezweifelt haben, dass es Gaskammern gab. 

Der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner besuchte am 08.08.2018 die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Buchenwald (Deutschlandfunk). Angeblich, um sich zu informieren. Doch der 08.08. ist in der rechten Szene ein besonderes Datum – die Zahlenkombination 88 gilt unter Neonazis als Chiffre für "Heil Hitler", die 18 für Adolf Hitler.

Insgesamt stiegen die Besucherzahlen der KZ-Gedenkstätten in Deutschland in den vergangenen Jahren stark an, zeigt eine aktuelle Recherche der Süddeutschen Zeitung. Das an sich ist zunächst nicht bedenklich, sondern eigentlich eher erfreulich. 

Besucherinnen und Besucher setzen sich mit der Nazizeit auseinander. Sie sehen, auf welche grausame Art und Weise Millionen Menschen umgebracht wurden. Von Menschen, die meinten, sie könnten über den Wert anderer Menschen entscheiden. Das schafft Geschichtsbewusstsein und kann lehrreich sein.

Gleichzeitig befürchten viele, gerade nach Vorkommnissen wie etwa in Sachsenhausen oder Buchenwald, dass NS-Gedenkstätten für rechte Gruppen zu Pilgerorten werden könnten – wie es auch in Vogelsang der Fall zu sein scheint. 

Was können die Betreiber der Gedenkstätten gegen rechte Besuchergruppen unternehmen?

In Vogelsang arbeitet man inzwischen nach eigenen Angaben mit der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus NRW, dem Verfassungsschutz sowie der Polizei und dem Staatsschutz zusammen.  


Gerechtigkeit

Hochschule in Köthen fordert Studierende vor Nazi-Demo auf, Teile der Stadt zu meiden
Jeder fünfte Student in Köthen kommt aus dem Ausland.

Es soll einfach nichts passieren. So begründet Torsten Schaper, warum sich seine Hochschule in Köthen zu der ungewöhnlichen Mitteilung entschlossen hat. Darin warnt die Hochschulleitung ihre Studierenden vor "potenziell gefährliche Demonstrationen", die am Sonntag in der Stadt stattfinden sollen und empfiehlt, "großzügig" bestimmte Teile der Stadt zu meiden. Dazu wurde die Notrufe-Nummer angeben.