Und wie das Volk darunter leidet

Nordkorea will eine Wasserstoffbombe getestet haben. Das ist eine Bombentechnik, welche die Explosion regulärer Atombomben als Zünder für eine noch heftigere atomare Reaktion verwendet. 

Experten suchen nun nach Beweisen für die Behauptung des Regimes. Übereinstimmende Berichte über ein starkes Erdbeben in der Gegend des nordkoreanischen Atomtest-Geländes deuten allerdings darauf hin. Für einen endgültigen Beweis muss allerdings noch ein bis zwei Tage gewartet werden, erst dann ließe sich die radioaktive Strahlung nachweisen. (bento)

Für die Regierung des kleinen asiatischen Landes ist diese Machtdemonstration überlebenswichtig. 

Vier Gründe dafür: 

1

Atomwaffen bedeuten Schutz vor Invasionen. 

Das Regime in Pjöngjang ist international isoliert, die Weltgemeinschaft blickt teils besorgt, teils spöttisch auf die Führerfamilie der Kims. Vor allem die schwierige Menschenrechtslage im Land sorgt immer wieder für Kritik. Außer China will niemand mit dem Land kooperieren, weder politisch noch wirtschaftlich. 

Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs ist die Halbinsel in Nord- und Südkorea aufgeteilt. Und seit dem Ende des Koreakriegs im Jahr 1953 sind im Südteil US-Truppen stationiert, die sicherstellen sollen, dass Nordkorea den Süden nicht angreift. Die Kriegsrhetorik des amerikanischen Präsidenten Trump befeuert die Paranoia Kim Jong-Uns. 

Als Folge sieht sich Nordkorea, beziehungsweise dessen Regierung, konstant in Gefahr. Der Besitz von Atomwaffen wäre eine starke Abschreckung für eventuelle militärische Feinde.

Gleichgewicht des Schreckens

Dieser Begriff beschreibt ein sicherheitspolitisches Konzept aus dem kalten Krieg. Es bedeutet: Zwei Länder, die im Besitz von Atomwaffen sind, würden sich niemals gegenseitig angreifen. 

Der Einsatz der Atomwaffen wäre für beide Länder vernichtend, weshalb beide davor zurückschrecken. Der Besitz von Atomwaffen sorgt also paradoxerweise für einen angstbedingten Frieden. 

2

Die Angst vor Atomwaffen sichert wirtschaftliche Hilfen aus dem Ausland. 

Immer wieder gab es in der Vergangenheit Bestrebungen, Nordkorea von der Atomwaffenforschung abzubringen. Mit Wirtschaftshilfen und Lebensmittellieferungen sollte das arme Land unterstützt werden, im Gegenzug sollten sie aufhören, an den Massenvernichtungswaffen zu forschen. (Welt)

Für Nordkorea ist das ein guter Deal, denn Atomwaffen sind äußert kompliziert herzustellen. Sowohl die Beschaffung des für die atomare Kettenreaktion nötigen Materials als auch die Konstruktion des Sprengkopfes und der Trägerrakete kosten enorm viel Zeit und Geld. Solange sie also den Schein aufrecht erhalten, zu dieser Ingenieursleistung in der Lage zu sein, sichert ihnen dies einen Strom von Hilfen aus dem Ausland. 

Regelmäßige Demonstrationen der eigenen Macht, sei es durch Sprengungen oder das Abfeuern von Interkontinentalraketen in Richtung Japan, bewirken genau das.

3

Staatschef Kim Jong Un braucht diesen Erfolg zur Bestätigung seiner Macht. 

Er ist nach seinem Vater Kim Jong-Il und dessen Vater Kim Il-Sung der dritte Diktator des Landes, das um die Familie einen enormen Führerkult veranstaltet. Rein rechtlich gesehen ist der verstorbene Großvater als "ewiger Präsident" immer noch Anführer Nordkoreas, geschätzte 34.000 Statuen von ihm sind im Land aufgestellt. 

Kim Jong-un, der jüngste Sohn Kim Jong-Ils, setzt seinen Führungsanspruch mit aller Härte durch. So wurde sein Bruder, der geflohen war, Anfang des Jahres von zwei Auftragsmörderinnen an einem Flughafen getötet. (n-tv) Und seinen Onkel, der sich abfällig über ihn geäußert hatte, soll Kim Jong-un mit einer Flugabwehrkanone exekutiert haben. (Spiegel Online)

Sollte es dem Land tatsächlich gelingen, eine einsatzfähige Atomwaffe zu bauen, wäre das für Kims (reale oder eingebildete) politische Gegner der absolute Machtbeweis. 

(Bild: Röhlig / bento)

4

Nordkorea braucht das Geld dringend in anderen Bereichen. 

Das Land gibt jedes Jahr Milliarden für die Atomwaffenforschung aus und leistet sich dazu mit 1,3 Millionen Soldaten eine der größten Armeen der Welt. Dabei ist das Land pleite und wirtschaftlich unterentwickelt. Getragen werden die Kosten von der Bevölkerung, die in weiten Teilen des Landes verhungert. (Tagesspiegel)

Wer die Flucht aus dem abgeschotteten Land schafft, berichtet von schrecklichen Zuständen. (Spiegel Online)

Besonders ohne die Unterstützung des letzten Partners China ist die Regierung Nordkoreas hilflos. Und wegen Kims Unberechenbarkeit wendet sich das Land immer weiter von Nordkorea ab. Die Wirtschaftsexporte des Landes sind auf dem Stand von 1950. 

Würde das Projekt "Atombombe" endlich abgeschlossen, könnte das planwirtschaftlich organisierte Land die Gelder anderweitig einsetzen. Theoretisch zumindest.  


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