Bild: dpa/Jan-Peter Kasper

In den Niederlanden ist bald jeder Bürger, der älter als 18 Jahre ist, automatisch ein Organspender. Das hat das Parlament in Den Haag am Dienstag beschlossen.

Wer seine Organe nicht spenden möchte, muss Einspruch erheben. 

Das neue Gesetz soll helfen, mehr Organspender zu registrieren. Bisher mussten sich Organspender in den Niederlanden aktiv registrieren lassen. (SPIEGEL ONLINE)

Der neue Ansatz wird auch Widerspruchslösung oder Opt-Out-Regelung genannt. Angehörige dürfen in Niederlanden aber nach wie vor im Zweifelsfall mitbestimmen, ob Organe des Spenders entnommen werden oder nicht. 

Die Abstimmung über das Gesetz ging knapp aus: 38 Abgeordnete waren dafür, 36 dagegen. 

Wann das Gesetz in Kraft tritt, muss die Regierung noch festlegen (Zeit).

Warum ist das wichtig?

Auf eine Million Bürger kommen in den Niederlanden aktuell nur 14,7 Organspender. In Spanien gilt bereits die Widerspruchslösung – dort kommen 43,5 Organspender auf eine Millionen Einwohner. (ZDF heute)

Entsprechend hilft die Gesetzesänderung, die Zahl der Organspender zu steigern – bei komplizierten Operationen kann das über Leben und Tod entscheiden.

Wo gibt es die Widerspruchslösung noch?

Die Opt-Out-Regelung gibt außer in den Niederlanden europaweit in 22 Ländern, darunter Belgien, Portugal oder in Norwegen. 

Der Gegenentwurf ist die Zustimmungslösung. Bei dieser Option müssen Organspender explizit geäußert haben, dass sie ihre Organe weitergeben möchten

Diese Regelung greift unter anderem in Großbritannien, Litauen oder in der Schweiz. (Organspende-Info.de

Wie sieht die Regelung für die Organspende in Deutschland aus? 

Hierzulande gibt es die Entscheidungslösung: Jeder Bürger soll ab dem 16. Lebensjahr regelmäßig Informationen zur Organspende erhalten, beispielsweise von seiner Krankenkasse.

Das Ziel: Dank der Informationen soll jeder eine unabhängige Entscheidung treffen können, ob er seine Organe nach seinem Tod weitergeben möchte oder nicht.

So sieht der Organspendeausweis in Deutschland aus.(Bild: dpa / Caroline Seidel)

Jeder kann einen Organspendeausweis bei sich tragen, auf dem vermerkt ist, ob und wenn ja, welche Organe entnommen werden dürfen. Was auch geht: Ankreuzen, dass man kein Spender werden möchte. (Organspende-Info.de)

Nach der Entscheidung in den Niederlanden könnten jetzt also auch andere europäische Staaten wieder darüber diskutieren, ob eine Widerspruchslösung bei der Organspende sinnvoll wäre. 


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