Martin Schulz hat es versucht: Kanzler wollte er werden. Der SPD nicht nochmal eine Koalition mit Angela Merkels CDU zumuten. Die SPD machte ihn vergangenes Jahr schnell zum Parteichef. Dann kam die Bundestagswahl, die SPD verlor, und Martin Schulz freute sich auf Opposition.

Aber CDU und CSU fehlt eine Mehrheit im Bundestag, und die FDP wollte dann doch nicht mitregieren. Also Kehrtwende: Martin Schulz und die SPD-Spitze sprachen doch wieder mit Angela Merkels CDU. Und mit der CSU.

Für den SPD-Nachwuchs, die Jusos, ging das gar nicht. Ihr Vorsitzender Kevin Kühnert organisiert seitdem den GroKo-Widerstand in der Partei.

Aus den Sondierungen wurde Ernst. Die SPD-Delegierten beschlossen auf einem Parteitag mit 56,4 Prozent: Ja, wir wollen Koalitionsverhandlungen. Auch wenn dann die AfD größte Oppositionspartei im Bundestag wird.

Das Ergebnis: Wichtige Ministerien wie das der Finanzen für die SPD. Mehr Bafög. Mehr Rente. Mehr Leistungen für Kassenpatienten. Milliarden für sozialen Wohnungsbau. 

In der CDU ärgern sich nun viele, dass Angela Merkel der SPD so viele Zugeständnisse gemacht hat.

In der SPD ärgern sich nun viele, dass CSU-Hardliner Horst Seehofer Innen- und Heimatminister werden soll.

Martin Schulz wusste, dass ihn seine Kehrtwende mittelglaubwürdig aussehen ließ. Den Parteivorsitz überließ er Andrea Nahles. Alles in Scherben, nun darf die Frau ran. 

Stattdessen sagte Schulz: "Ich habe mich entschieden, in die Bundesregierung einzutreten und zwar als Außenminister." Der aktuelle Außenminister, Sigmar Gabriel, hätte aber gerne weitergemacht. Gabriel war sauer. Er warf seinem Parteifreund Wortbruch vor.

Sigmar Gabriel ging mit einem angeblichen Zitat seiner kleinen Tochter Marie an die Öffentlichkeit: "Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht."

Am Freitag warf der Mann mit den Haaren im Gesicht hin, die Genossen in Nordrhein-Westfalen drängten ihn dazu: Martin Schulz hat verloren: die Wahl, den Parteivorsitz, das Außenministerium.

Bleibt Sigmar Gabriel nun doch Außenminister? Ein SPD-Abgeordneter fordert das schon, ein anderer Abgeordneter pfeift ihn zurück. Popcorn!

Erstmal stimmen die mehr als 460.000 SPD-Mitglieder vom 20. Februar bis 4. März über den Koalitionsvertrag ab. Kevin Kühnert reist seit Freitag durch die Republik, um die Basis von einem "Nein" zu überzeugen.

bento-App

bento gibt es auch als App
Kostenloser Download: Android | iOS
Außerdem: Emoji-Update bringt Rothaarige, Alpakas und Glatzen, warum keiner das Hanf frei gibt, Pfleger erzählen von ihrem Job, keine Ossis in der neuen Regierung, die AfD macht gemeinsame Sache mit Rechtsextremen und was der Kurssturz an den Börsen bedeutet.

Today

Nach Schulz-Rücktritt: Dieser SPD-Tweet beschreibt perfekt, wie sich alle fühlen
Manchmal weiß man einfach nicht mehr weiter

Manchmal kann Politik sehr verwirrend sein. Martin Schulz will erst kein Minister unter Bundeskanzlerin Angela Merkel werden, vier Monate später einigt er sich dann doch mit ihr und will Außenminister werden. 

Zwei Tage später dann der Rückzug: Weil zu viele SPD-Mitglieder über das Schulz-Manöver wütend waren, gab er das Außenministerium wieder ab: