(Bild: dpa / bento)

Heimatminister Horst Seehofer will Menschen die Heimat wegnehmen.

Horst Seehofer ist in dieser Woche von Bayern nach Berlin gewechselt, um Minister zu werden. Dahoam tritt Markus Söder seine Nachfolge als Ministerpräsident von Bayern an. Die beiden CSU-Politiker mögen sich nicht besonders. Das ist die Vorgeschichte.

Am Donnerstagabend erschien ein Interview. Horst Seehofer sagte: Muslime gehören zwar irgendwie zu Deutschland, aber der Islam, der nicht. Ob der Islam nun dazugehört oder nicht, ist eine merkwürdige Frage: Aufgeladen mit Ressentiments, Vorurteilen, Geraune.

Seehofers Antwort ist ein Schlag ins Gesicht für die rund 5,5 Prozent Muslime in Deutschland: Ihr gehört nicht dazu, und wenn ihr hier geboren seid. Das ist unsäglich und niederträchtig. Seehofers Antwort ist gleichzeitig ein Angebot an die 12,6 Prozent AfD-Wähler: Seht her, ich bin ein ganz harter Hund.

Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte daraufhin am Freitag noch einmal klar: Der Islam gehört zu Deutschland. Das hatte sie bereits vor Jahren gesagt, wie auch 2010 der damalige Bundespräsident Christian Wulff.

Schließlich garantiert in Deutschland das Grundgesetz die Religionsfreiheit. Woran jemand glaubt oder nicht glaubt, ist egal. Die Frage, welche Religion zu Deutschland gehört oder nicht, stellt sich damit nicht. Ohnehin hat der Staat sich bei der Bewertung von Religionen – passt, passt nicht – tunlichst herauszuhalten. 

Und dann ist da noch der Verdacht: Der neue Heimatminister wollte sich mit einem billigen Trick Aufmerksamkeit erschleichen, damit Markus Söder in Bayern nicht zu viel Rampenlicht abbekommt. So oder so: Horst Seehofer hat Bürger mit Populismus vor den Kopf gestoßen. 

Schlimmer er noch: Er hat versucht, Ausgrenzung zu legitimieren. Wenn etwas oder jemand nicht dazugehört, warum dann diese Personen oder Positionen für voll nehmen? Warum Rücksicht üben? Gut, dass auch die Bundeskanzlerin diesem Vorstoß schnell eine klare Absage erteilt hat.

Die Sparkasse Saarbrücken hat keine Lust auf Kundinnen und wehrt sich vor Gericht.

Eine Kundin hat ihre Sparkasse verklagt, weil sie auf Formularen nicht länger als "Kunde" angesprochen werden wollte. Marlies Krämer ärgert sich über das generische Maskulinum – also dass bei vielen Wörtern die männliche Form verwendet wird und Frauen nur mitgemeint sind.

Machen wir ein kurzes Experiment: Auf einer Polizeiwache ziehen sich zwei Polizisten ihre Uniform an und holen ihre Dienstwaffen aus dem Schrank. Sagt der eine Polizist: Ab nächster Woche dann ohne mich. Der andere Polizist: Was, warum denn? Der erste Polizist wieder: Ich bin doch schwanger!

Und, kurz gestutzt? Weil man bei Polizist zuerst an Männer denkt? Wer jetzt einwendet, dass es eben mehr Polizisten als Polizistinnen gibt, dem sei gesagt: Ja, ebendrum! So hat etwa eine Psychologin nachgewiesen, dass Mädchen sich dann typische Männerberufe zutrauen, wenn geschlechtergerechte Sprache verwendet wird. (Tagesspiegel)

Dass Sprache mächtig ist und Wirklichkeiten formt, ist überhaupt keine Frage. Ganze Studiengänge befassen sich damit. Auftritt Sparkasse Saarbrücken: Formulare mit Kundin und Kunde, das sei nun wirklich zu kompliziert.

Das Landgericht Saarbrücken gab der Sparkasse Recht. Marlies Krämer will nun in Berufung gehen.

(Bild: Marc Röhlig)

Unser Nachrichtenchef Marc Röhlig hat über Syrien geschrieben. Der Krieg dort dauert nun sieben Jahre an. Davor hat Marc ein Jahr in dem Land gelebt. Nun hält er über das Internet Kontakt zu Freunden und Informanten. Marc schreibt darüber, was das Land einmal war, wie der Bürgerkrieg das Land zerstört und ausländische Interessen alles noch viel schlimmer machen. Wie Menschen vom Erdboden verschwinden, untergetaucht oder umgebracht.

Außerdem: Astrophysiker Stephen Hawking ist gestorben, Großbritannien lässt Rechtsradikalen nicht einreisen, SPD doch nicht für Frauenrechte, Käsepizza-Rekord in Berlin, eine übergriffige Katy Perry und H&M wollte Streetart klauen.


Gerechtigkeit

Wir haben Muslime gesucht, die Seehofers Islam-Satz tatsächlich ernst nehmen
Oder überhaupt wissen, wer Seehofer ist.

St. Georg, gleich hinter dem Hamburger Hauptbahnhof, das sind Köfte-Grills, Schwulen-Saunen, Sexkinos und auf 1,8 Quadratkilometern wahrscheinlich mehr Moscheen als in vielen bayerischen Landkreisen. Hier gibt es Moscheen für Tunesier, für Araber, für Türken, für Sunniten und Schiiten, für Männer und für Frauen. 

Bei der letzten Bürgerschaftswahl kam die Hamburger CDU hier auf 8,6 Prozent. Für Horst Seehofer muss St. Georg so etwas wie das Bahnhofsviertel der Vorhölle sein.