Bild: Franziska Kraufmann dpa
Nestlé soll zu Preissenkungen gezwungen werden

Was ist passiert?

Wenn du zurzeit in einem Edeka-Supermarkt Nescafé, Wagner-Pizza, Vittel-Wasser, Thomy-Mayo oder Maggi kaufen möchtest, kannst du in einigen Märkten lange suchen.

Denn zwischen der größten deutschen Supermarktkette und Nestlé, einem der größten Konsumgüterkonzerne, gibt es Streit – genauer gesagt zwischen dem europäischen Einkaufsverbund Agecore, zu dem Edeka gehört, und Nestlé.

Worum geht es bei dem Streit?

Um einen hartnäckigen Preiskampf. Edeka will einige Nestlé-Produkte nicht mehr nachbestellen und den Konzern so zu niedrigeren Preisen zwingen. Das berichtet die "Lebensmittel Zeitung", Edeka hat den Schritt noch nicht bestätigt. Angeblich soll Nestlé anderen Händlern seine Produkte nämlich bereits zu günstigeren Preisen anbieten als Agecore. Das Bündnis fühlt sich unfair behandelt. 

Wieso eskaliert der Kampf?

Das könnte an diesem Herren liegen: Gianluigi Ferrari. 

Auf diesem Bild der dritte von rechts:

Er ist der Chef von Agecore und kennt sich in der Branche bestens aus. Seine Personalie ist brisant: Bevor er vor drei Jahren zum Edeka-Einkaufsverbund wechselte, arbeitete er sieben Jahre bei der Konkurrenz Cooperic, zu der zum Beispiel Rewe gehört. (Handelsblatt)

Er sollte also bestens darüber Bescheid wissen, für wie viel Geld Nestlé seine Produkte bei anderen Händlern anbietet. In der Branche nennt man ihn einen "harten Verhandler".

Zu Agecore gehört auch die Schweizer Supermarktkette Coop. Sie reagierten mit Preissenkungen von Nestlé-Produkten um 50 Prozent, außerdem gibt es auch hier einen Bestellstopp von 150 Artikeln. "Wir wollen, dass wir gegenüber dem Ausland und anderen Abnehmern nicht benachteiligt werden. Wir verlangen faire Einkaufspreise zu partnerschaftlichen Konditionen", heißt es aus der Schweiz. (Boerse/ARD)

Was will Nestlé?

Gewinne, Gewinne, Gewinne. Denn in den vergangenen Jahren ging es für den Schweizer Konzern nicht weiter voran. Der Umsatz stagnierte 2017 bei rund 90 Milliarden Schweizer Franken. Der Gewinn rutschte um ein Sechstel auf 7,2 Milliarden Schweizer Franken ab.

Der neue deutsche Nestle-Chef Mark Schneider hat eine Strategie, um das Unternehmen wieder erfolgreicher zu machen: Er überlegt, Firmen für Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Säuglingsnahrung zu übernehmen. Das US-Süßwarengeschäft will Schneider hingegen verkaufen. (Manager Magazin)

Der Konzern Nestlé

Nestlé ist das weltweit größte Unternehmen für Lebensmittel und Getränke mit Standorten in 191 Ländern. Zu dem Unternehmen gehören unter anderem Marken wie Nescafé, Nespresso, Nesquick, Mövenpick und Maggi. Nestlé Deutschland beschäftigt rund 10.500 Mitarbeiter. (Nestlé

Schon häufiger hagelte es Kritik für den Konzern, zum Beispiel für verunreinigte Babynahrung in den 80er Jahren, für die Müllberge, die Nespresso produziert und für den Umgang des Unternehmens mit seinem Wasser-Geschäft. Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck-Letmathe sprach in einem Interview davon, dass Wasser kein öffentliches Gut sei, sondern Wasser einen Marktwert habe. Eine Aussage, die für Empörung sorgte, schließlich ist Nestlé Marktführer für in Flaschen abgefülltes Trinkwasser. Das Unternehmen hatte auch in sehr trockenen Regionen Wasserrechte gekauft. (Stern)

Welche Reaktionen gibt es bei den Käufern?

Kritiker werfen Agecore vor, ihr Drang nach Profit zwinge Nestlé dazu, noch billiger zu produzieren. Wie sollten die Preise sonst weiter gesenkt werden? 

Da sich aber weder Nestlé noch Agecore öffentlich äußern, bleiben die Folgen erst einmal ungewiss.

Dass Nestlé aber zu einer Umstellung der Produktion gezwungen wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn lange werden sich beide Seiten den Boykott nicht erlauben können:

Denn die Macht der Käufer ist groß. 

Nestlé-Produkte sind gefragt: Wer seine Wagner-Pizza nicht mehr bei Edeka findet, greift vielleicht zu Dr. Oetker – oder wechselt in einen anderen Supermarkt. Mehr als 15 Millionen Menschen in Deutschland sind Markentreu und sagen "wenn ich mit einer Marke zufrieden bin, bleibe ich auch bei ihr." (Statista)

Gab es das schon häufiger?

Ja, so ein Fall ist nicht ungewöhnlich. 2014 trug Lidl einen Streit mit Coca Cola aus. Auch Edeka verbannte im vergangenen Jahr bereits Mars-Produkte aus dem Sortiment. 

Edeka, Lidl, Aldi und Rewe können mit ihren hohen Einkaufsvolumen die Hersteller immer wieder extrem unter Druck setzen. Nestlé soll Edeka mehr als ein Prozent des Weltumsatzes zu verdanken haben. (Handelsblatt)

Nestlé kann nun gegen den Boykott nichts unternehmen, es sei denn Edeka und die anderen Supermarktketten halten sich nicht mehr an vereinbarte Verträge. (SPIEGEL ONLINE)

Der gesamte Konflikt zeigt, wie die oligarchischen Strukturen – also die Konzentration auf einige wenige große Supermarktketten – zu niedrigeren Preisen führen können. Für die Verbraucher erstmal gut. Aber große Hersteller stehen für Produktionsbedingungen in der Kritik. Müssen sie die Preise senken, können sie Mitarbeiter nicht besser bezahlen oder stärker auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz achten.


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