Bild: Barry Williams/Getty
Ein Video zeigt die Tiere beim Kuscheln

Vielleicht hatte er Streit mit seiner Familie, vielleicht schmeckte ihm der arktische Tintenfisch nicht mehr – oder es war einfach Pech, was bei einem heranwachsenden Narwal vermutlich eher wahrscheinlich ist. 

Auf jeden Fall schaffte es das Tier rund 1.000 Kilometer südlich von seinem eigentlichen Lebensraum zu landen. Weit weg vom arktischen Meer.

Wer diese Strecke schon einmal im Auto zurückgelegt hat, weiß, wie weit der Weg bis nach Italien sein kann. Narwale haben kein TomTom-Navigationssytem. Sie schwimmen mehr oder weniger einfach ihrem Stoßzahn hinterher. 

Deshalb wissen wir nicht, wie lange der kleine Wal brauchte, bis er schließlich im St.-Laurenz-Strom vor der kanadischen Küste auftauchte. 

Doch er hatte Glück im Unglück: Denn offensichtlich traf der Wal auf eine Gruppe junger Belugawale, die ihn vor mindestens drei Jahren in ihre Herde aufnahmen

Ein neues Video von Wissenschaftlern zeigt jetzt, wie die Tiere gemeinsam schwimmen, spielen und sich aneinanderreiben (was unter jungen männlichen Walen sehr üblich ist). 

Der Narwal ist an seiner dunkleren Haut zu erkennen:

Auch wenn sich die Tiere auf den ersten Blick nicht zu ähneln scheinen, haben sie durchaus Gemeinsamkeiten. Beide Arten werden ähnlich groß und haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten

Wie der "Guardian" erklärt, unterscheiden sich die Jagd- und Verhaltensweisen der beiden Arten stark. Wenn sich Beluga- und Narwale begegnen, was im arktischen Meer immer wieder vorkommt, gehen sie sich normalerweise aus dem Weg.

Dass der jugendliche Narwal nun offenbar eine neue Herde vor der kanadischen Küste gefunden hat, ist deshalb nicht nur für Tierfreunde interessant – sondern auch für Wissenschaftler. 

Wie geht es jetzt weiter?

Einige Meeresbiologen, die die ungewöhnliche Wal-Gruppe per Drohne aufspürten, wollen jetzt beobachten, ob der junge Narwal noch länger im Beluga-Rudel bleibt. 

Falls dieser junge Narwal sein Leben mit diesen Belugas verbringt, werden wir viel lernen und weitergeben können.
Robert Michaud, Meeresbiologe

Die Forscher hoffen nämlich nicht nur, mehr über das Kuscheln männlicher Jungwale erfahren zu können. Wie der "Guardian" berichtet, spekulieren die Wissenschaftler bereits, was passieren könnte, wenn der adoptierte Narwal eines Tages auf weibliche Belugas trifft.

Paarungsversuche zwischen den Art wurden bislang selten beobachtet, könnten aber möglich sein.

Gut möglich also, dass der ausgebüxte Narwal in Zukunft noch öfter auf Videos zu sehen ist – dann vielleicht mit neuer Begleitung.

Je mehr wir über diese Tiere erfahren, desto faszinierender finden wir sie.
Robert Michaud, Meeresbiologe

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