Bild: imago/Harald Lange
Am Strand? Auf dem Balkon? In der Dusche? In der Innenstadt?

In Deutschland ist es gerade heiß. Sehr heiß. 

Jeder hat eigene Strategien, mit diesem ungewohnten Dauerhoch umzugehen. Doch eine ziemlich sichere Variante gegen die Hitze ist: ausziehen. Ohne Klamotten staut sich keine Hitze, eventuelle Windböen oder Lüftchen können direkt den Körper kühlen. Netter Nebeneffekt für einige: das Gefühl von Freiheit.

Erstaunlich, dass man dieser Tage nicht allerorts auf Nackedeis trifft.

Dafür gibt es vermutlich zwei Gründe. Der erste ist, dass sich manche Menschen in Gegenwart anderer unbekleidet doch nicht ganz so wohl fühlen. Der zweite: Unsicherheit über die Rechtslage.

Denn wo darf man sich überhaupt ausziehen – und wo nicht? Und was passiert, wenn ich dort blank ziehe, wo es nicht gestattet ist?

Diese Fragen klären wir hier für euch. Damit ihr euch ruhigen Gewissens nackig machen könnt, wenn euch danach ist.

Ganz grundsätzlich gilt in Deutschland: Nackt sein ist nicht verboten.

Es gibt kein Gesetz, dass es untersagt, sich in der Öffentlichkeit auszuziehen. Zumindest dann, wenn man ohne "sexuellen Bezug" nackt ist. Ein sexueller Bezug liegt zum Beispiel bei einem Exhibitionisten vor, den es erregt, anderen Leuten gegen ihren Willen seine Geschlechtsteile zu zeigen. Das ist eine Straftat.

Trotzdem kannst du nicht einfach überall nackt sein. Vor allem nicht an Orten, an denen sich andere Menschen von deiner ungefilterten Körperlichkeit gestört fühlen können. In solchen Fällen kann Nacktheit eine Ordnungswidrigkeit sein: Dann gilt sie nach § 118 des Gesetz über Ordnungswidrigkeiten als "Belästigung der Allgemeinheit". In der Praxis bleibt es zwar in Fällen unerwünschter öffentlicher Nacktheit meistens bei einem Platzverweis – also einer Aufforderung durch Polizei oder Ordnungsamt, einen Ort zu verlassen. Die Nackten kann aber auch eine Geldbuße zwischen fünf und 1000 Euro treffen.

Der § 118 ist allerdings ein sogenannter "Gummiparagraph" – eine sehr allgemein gehaltene Regelung, die sich dehnen, also unterschiedlich auslegen lässt. Deshalb ist in dieser Frage vieles vom Einzelfall abhängig: Ab wann fühlen sich Menschen gestört? Wie empfindlich sind einzelne Ordnungshüter? Und wie legen Richter den Fall aus, sollte er auf ihrem Tisch landen?

Dennoch gibt es Erfahrungswerte, an denen man sich beim Ausziehen orientieren kann – mit denen geben Rechtsportale wie "Anwaltauskunft" FKK-Liebenden einige Richtlinien zur Hand.

Darf ich nackt sein...

1

...zuhause?

In den eigenen vier Wänden darfst du so viel, so oft und so ausgiebig nackt sein, wie du möchtest. Selbst dann, wenn du keine Gardinen und alle Fenster geöffnet hast.

(Bild: imago/Kicker)

2

...auf dem Balkon?

Ihren Balkon nutzen viele Menschen zum Sonnenbaden. Und damit die Bräune möglichst nahtlos wird, lassen manche auch mal die Kleidung weg.

Der Balkon gehört zur Wohnung, und deshalb darf man grundsätzlich so nackt sein, wie man möchte. Allerdings ist es auch hier – vor allem bei gut einsehbaren Balkonen – denkbar, dass sich andere Menschen von zu viel Nacktheit gestört fühlen. Wer also unbedingt nacktsonnen, dabei aber auf Nummer sicher gehen will, sollte einen Sichtschutz installieren.

3

...im Garten?

Auf der Sonnenliege, am Abendbrottisch, am Pool: Auch im heimischen Grün darf man grundsätzlich die Hüllen fallen lassen. Aber, du ahnst es: Auch hier kommt es auf den Einzelfall an – kann jeder sehen, was in dem Garten passiert, und fühlen sich die Nachbarn oder andere Mieter gestört davon, kann den Nackten im schlimmsten Fall ebenfalls ein Ordnungsgeld treffen.

4

...am Strand?

Auf der ganz sicheren Seite ist man natürlich am FKK-Strand. Dort ist Nacktsein schließlich nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht.

Aber auch an anderen Abschnitten des Strandes musst du meistens nicht mit Folgen rechnen, wenn du nackt ins Wasser gehst – die "Nacktheit in Strandnähe" gilt "faktisch als legalisiert".

Allerdings gilt auch hier: Wenn sich jemand davon gestört fühlt, ist ein Bußgeld theoretisch möglich.

5

...in der freien Natur?

Nackt auf einer Waldlichtung liegen, ohne Klamotten in einen Gebirgsfluss springen: Auch solche Unternehmungen können ihren Reiz haben. Allerdings sollte man sie im Zweifel dort planen, wo man nicht so viele andere Menschen trifft – damit nicht irgendwelche Wanderer das Ordnungsamt anrufen, weil sie sich beim Familienausflug mit Nackten konfrontiert sahen.

Aber vermutlich wählt man für solche Aktionen ohnehin eher den einsamen Wald.

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6

...in der Innenstadt?

Während es an anderen Orten Glückssache sein kann, ob es überhaupt jemanden gibt, der sich an der nackten Haut stört, bleibt man in der Fußgängerzone ziemlich sicher nicht unbemerkt.

Stellst du dich also nackt auf den Marktplatz, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass dich das Ordnungsamt dort früher oder später wegschickt.

Apropos nackt: Diese Bilderserie zeigt, wie Menschen aussehen, bevor und nachdem sie sich ausgezogen haben:

1/12

7

...im Straßenverkehr?

Bei 33 Grad wird es irgendwann auch im Auto ungemütlich. Im Prinzip spricht gesetzlich nichts dagegen, sich im Auto auszuziehen – solange man in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen. Verzichtet man auch auf die Schuhe, kann es allerdings sein, dass man im Falle eines Unfalles haften muss – zum Beispiel, wenn der schwitzige Fuß vom Pedal gerutscht ist.

Im Gegensatz zum Auto bietet ein durchschnittliches Fahrrad keinen Sichtschutz. Deshalb ist es mit dem Nacktradeln wieder schwieriger als mit dem Nacktcruisen: Möglicherweise hat das Ordnungsamt was dagegen. 

Ein Nudisten-Ehepaar beispielsweise, das an einem Spielplatz vorbeiradelte, erwischte zwar beim ersten Mal einen nachsichtigen Richter – muss beim nächsten Mal auf jeden Fall mit einer Geldbuße rechnen (Sächsische Zeitung). Eine Nacktradel-Aktion wurde 2005 in Karlsruhe vom Verwaltungsgericht verboten. Begründung: Nackt zu radeln würde "allgemein anerkannten Regeln der ungeschrie­benen Gemeinschaftsordnung" wider­sprechen, sich unbekleidet auf öffent­lichen Straßen zu präsentieren. 

8

...im Ausland?

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch fürs Nacktsein.

In manchen Ländern sind die Regeln sehr streng, aufs Nacktbaden stehen Strafen, die die Urlaubskasse empfindlich schädigen. Wieder andere sehen das sehr locker

Deshalb sollte man sich am besten vorm Verreisen informieren, wie es das Urlaubsland mit der Nacktheit hält. Denn mit den örtlichen Autoritäten zu streiten, ist meistens eher unangenehm. Vor allem, wenn man nichts anhat.


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