Drei Münchnerinnen erzählen, wie sie die Nacht erlebt haben.

Nach dem Amoklauf nahe des Münchner Olympia-Einkaufszentrums war die Lage lange unklar: Gerüchte lösten in der Innenstadt Panik aus, die Polizei evakuierte den Hauptbahnhof und bat die Bürger, in ihren Häusern zu bleiben.

Hier erzählen drei Münchnerinnen, wie sie die Nacht erlebten:
Claudia, 18 Jahre
(Bild: Privat)

"Ich arbeite in einem Bekleidungsgeschäft am Hauptbahnhof. Am Freitagabend war erst alles ganz normal, doch dann fingen die ersten Kunden an, zu reden: Sie sagten, dass es am Olympia-Einkaufszentrum eine Schießerei gegeben habe und dass der Täter in Richtung Hauptbahnhof oder Stachus unterwegs sei.

Die Leute telefonierten panisch und checkten die sozialen Netzwerken. Eine Frau sagte: "Der Terror ist jetzt endgültig auch bei uns angekommen."

Ich funktionierte wie auf Autopilot.
Claudia

Irgendwann kam der Anruf von der Geschäftsleitung, dass wir die Filiale schließen und uns um die Leute kümmern sollten. Wir waren eingeschlossen und ehrlich gesagt überfordert. Ich war total verwirrt und hatte panische Angst. Mein Herz pumpte wie verrückt. Ich hoffte einfach nur, irgendwie heil nach Hause zu kommen.

Ich selbst konnte keinen klaren Gedanken fassen, funktionierte wie auf Autopilot. Es waren ungefähr 150 Menschen im Laden. Wir gaben ihnen Wasser und versuchten, sie zu beruhigen. Wir waren ständig mit der Polizei in Kontakt und wurden mit Infos versorgt.

Als später in der Nacht die vorsichtige Entwarnung der Polizei kam, durften wir raus. Ich fuhr mit einer Kollegin im Auto nach Hause.

Ich kann noch gar nicht realisieren, was gestern Nacht passiert ist. Aber jetzt geht es mir einigermaßen gut."


Corinna, 24 Jahre
(Bild: Privat)

"Ich war auf einer Schulung in Nordrhein-Westfalen und gerade auf dem Weg zurück nach München, als ich die Nachricht im Radio hörte. Ich bin eigentlich kein emotionaler Mensch, aber da musste ich schlagartig anfangen, zu weinen. Ich kenne die Gegend um das Olympia-Einkaufszentrum ziemlich gut: Eine Zeitlang habe ich bei meiner Tante ganz in der Nähe gewohnt. An dem McDonald's lief ich jeden Tag auf dem Weg zur U-Bahn vorbei.

Ich musste schlagartig anfangen, zu weinen.
Corinna

Ich fuhr an der nächsten Raststätte von der Autobahn, da hatte ich schon Dutzende WhatsApp-Nachrichten auf dem Handy – auch von Menschen, mit denen ich gar nicht so viel Kontakt habe. Geht es dir gut?, fragten sie. Ich antwortete ihnen, versuchte, meine Tante anzurufen. Dann fuhr ich weiter. Glücklicherweise stand ich im Stau, so konnte ich immer wieder auf mein Handy schauen.

Ich hörte im Radio, dass man die Autobahnen um München freihalten soll, damit die Einsatzkräfte in die Stadt kommen. Deshalb beschloss ich, zu meinen Eltern nach Franken zu fahren und erst mal dort zu bleiben. Mein Freund war aber in München. Er ging nachts noch mal raus, um seine Mutter und seinen Bruder vom Busbahnhof abzuholen; es fuhren ja keine Taxis mehr.

In der Nähe unserer Wohnung ist eine Bar. Mein Freund erzählte mir, dass trotz allem einige Leute draußen saßen. Ich hätte das nicht gemacht: Erstens finde ich es pietätlos, zu feiern, wenn gerade Menschen gestorben sind. Und zweitens hätte ich es mich auch nicht getraut.

Gegen zwei Uhr morgens ging ich ins Bett. Ich wachte immer wieder auf, las Nachrichten, schlief wieder ein.

Es fühlt sich alles so unwirklich an, auch heute noch – obwohl es diesmal in München war, der Stadt, in der ich lebe. Am Sonntag fahre ich zurück. Als rational denkender Mensch weiß ich, dass so etwas überall passieren kann. Und natürlich versuche ich, normal weiterzuleben. Aber ich kann nicht verdrängen, dass da vor Kurzem neun Menschen gestorben sind."


Julia, 29 Jahre:
(Bild: Privat)

"Ich war mit zwei Freunden in einem Restaurant am Hauptbahnhof essen, als die ersten Meldungen von der Schießerei kamen. Einer der Kellner sagte, dass es wohl einen Anschlag im Olympia-Einkaufszentrum gegeben habe. Er wollte, dass wir bezahlen und das Restaurant verlassen. Sie fühlten sich nicht sicher und wollten nach Hause gehen.

Keiner wollte allein sein.
Julia

Irgendwann hieß es, dass auch am Hauptbahnhof geschossen werde und das Gebiet von der Polizei geräumt werden soll. Dann brach die blanke Panik los. Einige Leute drängten sich ins Restaurant, andere wollten nach draußen. Manche Gäste gingen, ohne zu bezahlen. Wir überzeugten die Angestellten, dass wir bleiben durften, bis die Situation sich etwas beruhigt hatte.

Als die Polizei mitteilte, dass am Hauptbahnhof wohl falscher Alarm war, rannten wir zum Auto und fuhren zu dritt zu mir. Keiner wollte allein sein. Da realisierte ich zum ersten mal, was eigentlich passiert war.

Es macht mich traurig, dass diese Bilder, die man sonst nur aus dem Fernseher kennt, jetzt auch bei uns vor der Haustür angekommen sind."

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