Terror gegen unsere Art zu leben
Was ist passiert?

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hatte offenbar vor, in der Silvesternacht Selbstmordattentate in München zu verüben. Die Polizei räumte deshalb zwei Bahnhöfe und forderte die Menschen auf, größeren Ansammlungen fernzubleiben.

Wie kam es zu der Einschätzung?

Man habe entsprechende Hinweise vom Bundeskriminalamt erhalten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Sie hätten sich auf geplante Anschläge am Münchner Hauptbahnhof und am Bahnhof Pasing bezogen. "Es gab Hinweise auf konkret fünf bis sieben Attentäter", sagte Herrmann. Unklar sei noch, ob alle selbst die Tat verübt hätten oder Helfer gewesen wären.

Von wem kam der Hinweis?

Die Warnung kam laut Herrmann gegen 19.40 Uhr vom Bundeskriminalamt, welches seinerseits von einem befreundeten Nachrichtendienst gewarnt worden sei. Der Hinweis habe eine konkrete Uhrzeit, einen konkreten Ort und eine klare Benennung von Tätern aus dem Umfeld des IS beinhaltet. "Das Bundeskriminalamt und die bayerische Polizei waren übereinstimmend der Auffassung, dass das nicht einfach ignoriert werden kann", sagte Herrmann. Die Einschätzung der Gefährdung sei vergleichbar gewesen mit der in Hannover, wo vor wenigen Wochen ein Fußball-Länderspiel abgesagt worden war.

Waren andere Nachrichtendienste involviert?

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Hinweise seien vom französischen Geheimdienst gekommen. Der Bayerische Rundfunk berichtete, zuerst habe der US-Geheimdienst das BKA gewarnt - und später dann auch der französische Nachrichtendienst.

Wie geht es jetzt weiter?

Über Festnahmen wurde bis zum frühen Freitagmorgen nichts bekannt. Trotz intensiver Ermittlungen sei die Warnung vor einem Selbstmordanschlag bisher nicht konkretisiert worden, teilten die Behörden mit. "Wir hoffen, dass es weiterhin ruhig bleibt und dass dieser Anschlag nicht stattfindet - vielleicht weil er tatsächlich gar nicht so geplant war oder vielleicht weil die Täter jetzt davon Abstand genommen haben", sagte Hermann. Das sollten die Ermittlungen der nächsten Tage zeigen. Dennoch seien an Neujahr den ganzen Tag über mehr Polizisten als sonst auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs, sagte eine Polizeisprecherin.

Dieser Artikel ist in ähnlicher Form zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen: München: IS plante wohl Anschlag