Bild: Frank Leonhardt dpa/lby
Zwei Fragen und Antworten zum Fall

Ein U-Bahnfahrer hat in Müchen in einer U-Bahn eine 18-Jährige vergewaltigt. Der 58-Jährige hat die Tat gestanden und wurde vom Amtsgericht München am Mittwoch verurteilt. Die Strafe beträgt zwei Jahre und neun Monate Haft. Die Müncher Verkehrsgesellschaft (MVG) hat das Opfer vor dem Beginn des Prozesses als Wiedergutmachung eine kostenlos Sonderfahrt in einer Straßenbahn angeboten.

Was ist passiert?

Am 16. Juni befand sich die damals 18-Jährige auf dem Nachhauseweg. Ihren Ausstieg hatte sie verpasst, als der U-Bahnfahrer sie schlafend auf einem Kontrollgang entdeckte. Die Bahn befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Wendeschleife. Aufzeichnungen einer Überwachungskamera zeigen, wie er ihr mehrfach unter die Kleidung griff und sie vergewaltigte.

Die Frau soll mehrfach versucht haben, den Mann wegzustoßen. Sie sei aber so betrunken gewesen sein, dass sie immer wieder einschlief. Erst als die Bahn acht Minuten später weiterfuhr, habe der 58-Jährige von ihr abgelassen. (Bayerische Rundfunk)

Zum Prozessauftakt am Montag räumte der Mann die Tat ein und ersparte wohl so dem Opfer eine Aussage. Das Urteil wurde am Mittwoch gesprochen: zwei Jahre und neun Monate Haft wegen Vergewaltigung einer Widerstandsunfähigen und unterlassener Hilfeleistung.

Wie reagierte die MVG?

Das Münchner Verkehrsunternehmen (MVG) bot nach der Tat der jungen Frau eine kostenlose Sonderfahrt in einer Tram an – auf der Webseite der MVG findet man diese unter dem Reiter "Sonderfahrten / Partytram". Ein Mitglied aus dem Führungsteam der MVG rief die mittlerweile 19-Jährige an und lud sie auf die kostenlose Fahrt ein. (Merkur)

Für die junge Frau kaum zu glauben: Sie sei davon "fassungslos und enttäuscht" gewesen. Nach der Tat habe sie noch immer mit den psychischen Folgen zu kämpfen. Das Angebot der MVG habe sie verletzt. Kurz darauf habe der Mitarbeiter sie sogar erneut per SMS kontaktiert, um zu fragen, wie sie sich entschieden habe.

Die MVG bestätigte, dass es das Angebot gegeben habe. Es habe sich dabei um ein "Zeichen der Anteilnahme und Unterstützung" gehandelt. Falls dies aber zu Irritationen geführt habe, bedaure man das aber "zutiefst". Der Mann, der sich mit dem Angebot bei dem Opfer gemeldet hatte, arbeite nicht mehr bei der MVG, dies habe allerdings nichts mit dem Sonderfahrt-Angebot zu tun.

Die MVG erklärte, dass es sich bei solch einer Sonderfahrt zudem nicht automatisch um eine Fahrt in der "Partytram" handele, sondern um eine "exklusive Fahrt außerhalb des regulären Linienbetriebs". (Welt)

Update, 15.30 Uhr: Wir haben die Meldung um das Urteil ergänzt.


Gerechtigkeit

Ein Mann sollte während der Geburt seines Kindes abgeschoben werden – jetzt darf er doch bleiben
Die Abschiebung wurde nur durch den Einsatz zweier Hebammen gestoppt. Vier Fragen, vier Antworten

Was ist passiert?

Ein Asylsuchender und werdender Vater aus Saalfeld in Thüringen sollte während der Geburt seines ersten Kindes aus dem Kreißsaal abgeschoben werden. Nur durch den Einsatz von zwei Hebammen, die den Vorfall mitbekamen, konnte die Abschiebung in letzter Minute gestoppt werden – da war der Mann schon am Frankfurter Flughafen.

Was ist genau vorgefallen?

Der Flüchtlingsrat Thüringen berichtet, dass in der Nacht des 10. Oktobers acht uniformierte Polizeibeamte und mindestens ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde den werdenden Vater gegen 2 Uhr nachts im Krankenhaus aufsuchten und abführten. Da lag die Mutter des Kindes bereits in den Wehen. Der Asylsuchende sollte nach Italien – das Land, das für ihn zuständig ist – abgeschoben werden. (Flüchtlingsrat Thüringen)