Bild: Santi Palacios/AP/dpa
Drei Fragen dazu

Im Mittelmeer könnten erneut mehr als 100 Flüchtlinge ums Leben gekommen sein. Das berichtet die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" unter Berufung auf Überlebende. Das Unglück ereignete sich demnach bereits Anfang September. Die sogenannte libyische Küstenwache habe dabei 276 Menschen gerettet und zurück in das Bürgerkriegsland gebracht

Was ist passiert?

In dem Bericht heißt es, die Menschen seien am 1. September in Libyen mit zwei Schlauchbooten aufgebrochen. Einen Tag später begannen die ersten Probleme. Das eine Boot habe einen Motorschaden erlitten, beim anderen sei Luft entwichen. Als das Boot schließlich unterging, hätten nur wenige der Flüchtlinge Schwimmwesten angehabt. 

Wie viele Menschen waren an Bord?

Nach Angaben der Überlebenden konnten von 185 Menschen an Bord des einen Bootes nur 55 gerettet werden. Vom anderen Boot konnten offenbar die meisten Menschen gerettet werden. Die Flüchtlinge stammten laut dem Bericht aus dem Sudan, Niger, Ghana, Kamerun, Mali, Libyen, Ägypten und Algerien.

Wie ist die Situation für Flüchtlinge derzeit?

Seitdem es praktisch keine private Seenotrettung mehr gibt, ist die Überquerung für Flüchtlinge deutlich gefährlicher geworden. Das berichtet auch die Internationale Organisation für Migration. Allein in diesem Jahr sollen mehr als 1500 Migranten ums Leben gekommen sein. (SPIEGEL ONLINE)

Viele der Flüchtlinge landen in Libyen. Das Land ist von einem Bürgerkrieg gezeichnet und wird von zwei rivalisierenden Regierungen kontrolliert. Dennoch hat die Europäische Union zuletzt die Zusammenarbeit mit Libyen intensiviert. Die sogenannte libyische Küstenwache erhielt mehrfach Unterstützung aus Europa. (bento)

Auch an Land ist die Lage für Flüchtlinge und Migranten gefährlich. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen haben Berichte über Folterungen, Vergewaltigungen und die oft menschenunwürdigen Lebensbedingungen in geschlossenen Lagern veröffentlicht.


Gerechtigkeit

Verfassungsschutz-Präsident Maaßen erklärt sich nach Rücktrittsforderungen
Doch der Bericht könnte neue Fragen aufwerfen.

Gab es in Chemnitz rechtsextreme Hetzjagden oder nicht? Über diese Frage wurde zuletzt tagelang diskutiert – vor allem deshalb, weil Verfassungsschutz-Präsident Maaßen entsprechende Berichte in Zweifel gezogen und von möglichen Falschinformationen gesprochen hatte (bento). Nach tagelanger Kritik und Rücktrittsforderungen hat sich Maaßen am Montag gegenüber der Politik erklärt. In einem mehrseitigen Bericht, der an das Innenministerium und das Kanzleramt ging, soll er seine Bewertung der Ereignisse begründet und teilweise relativiert haben.