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Bisher wollte das Land die Einreise vor allem verhindern.
Was ist passiert?

Erstmals lässt Italien Geflüchtete aus libyschen Lagern direkt nach Italien einreisen – und holt sie sogar mit dem Flugzeug ab. Ingesamt gelangten so 162 Menschen aus Äthiopien, Eritrea, Somalia und dem Jemen auf sicherem Weg nach Europa. Die Rettungsaktion begann zwei Tage vor Heiligabend und soll rund zwei Jahre laufen. Italiens Innenminister Marco Minniti hält die sie für "historisch".

Wer wird gerettet?

Bei den eingeflogenen Flüchtlingen handelt es sich um Kinder, Familien, Kranke und Senioren. Auch ein drei Wochen altes Baby war darunter. Die Menschen wurden vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) als besonders verletzlich eingestuft und brauchen medizinische Behandlung oder Betreuung.

Der UN-Gesandte für das zentrale Mittelmeer, Vincent Cochetel, sagte, viele der Flüchtlinge hätten von großem Leid berichtet. "Sie wurden von Menschenschmugglern unten menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten." (Tagesschau)

So versuchen Freiweillige die Menschen zu retten:

Bislang taten EU und Libyen alles dafür, die Menschen an der Einreise nach Europa zu hindern. Wieso der Wandel?

Dahinter steckt die italienische Kirche, genauer: die italienische Bischofskonferenz. Sie hat gemeinsam mit Italiens Innenministerium ein Konzept für "humanitäre Korridore" erarbeitet: 

  • Dadurch soll zunächst die sichere und legale Einreise von Flüchtlingen nach Italien ermöglicht werden.
  • In Italien selbst sollen Flüchtlinge anschließend länger begleitet, betreut und ihnen damit bei der Integration geholfen werden.  
  • Das Abkommen gilt zunächst für zwei Jahre und wird aus Kirchensteuern finanziert.
  • Pfarreien, Familien, Ordenseinrichtungen und Hilfsorganisationen helfen bei der Unterbringung der Neuankömmlinge.

Der Papst lobte die Aktion bereits. Er hält die humanitären Korridore offenbar für "ein Vorbild nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa". So erzählt es der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidiom, die zu den Vorreitern des Modells der humanitären Korridore zählt. (ZDF)

Wieso werden die Flüchtlinge gerade aus Libyen ausgeflogen?

  • Von der libyschen Küste ist es nicht weit bis zur ersten italienischen Insel Lampedusa oder bis Malta.
  • Dadurch ist Libyen Transitland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern geworden, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. 
  • Die Situation in den Lagern ist verheerend. Hygiene und Versorgung sind menschenunwürdig.
  • Immer wieder berichten Flüchtlinge und Menschenrechtler von Folter und Misshandlungen, einige Diplomaten sprechen schon von "KZ-ähnlichen Zuständen". (SPIEGEL ONLINETagesschau)

Was ist die Alternative?

  • Legale Einreisewege gibt es kaum – selbst in Fällen, in denen klar ist, dass Asyl gewährt werden würde.
  • Wer in Europa Asyl will, muss diesen Antrag auf europäischem Boden stellen. 
  • Um das zu tun, bräuchten die Menschen ein Visum. Doch dafür fehlt vielen entweder ein gültiger Reisepass, das Geld oder es dauert Monate bis Jahre, um überhaupt einen Termin bei einer Botschaft zu bekommen.

Zwar gibt es Ausnahmen wie Kontingentprogramme, bei denen Schutzbedürftige in Flüchtlingslagern außerhalb Europas ausgewählt werden. Es gibt auch Umsiedlungen von Syrern direkt aus der Türkei nach Europa. Aber meist bleibt Verfolgten nur die illegale und gefährliche Einreise in die EU etwa über das Mittelmeer. Die Schlauchboote sind häufig seeuntauglich, die Schmuggler überfüllen sie. Allein in diesem Jahr starben auf der Flucht übers Mittelmeer laut der Internationalen Organisation für Migration 3100 Menschen. 


Gerechtigkeit

Warum Sexisten in Deutschland noch immer nichts befürchten müssen
2017 hätte ein gutes Jahr für den Feminismus werden können. 

Es begann mit der Amtseinführung von Donald Trump, der zuvor auf einer Tonaufnahme erklärt, dass man als berühmter Mann alles mit Frauen machen kann

Die Antwort gaben Hunderttausende Demonstrantinnen und Demonstranten, die unter dem Titel "Women's March" weltweit mit rosa Mützen gegen Sexismus auf die Straße gingen: 

Nicht mit uns.