Bild: EPA/Italian Navy

Helfer haben am Montag rund 6500 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Die Menschen waren zwischen der libyschen Küste und Italien in Seenot geraten. Die italienische Küstenwache koordinierte daraufhin nach eigenen Angaben 40 Einsätze. Der Montag gilt damit als einer der intensivsten Rettungstage der vergangenen Jahre – im Kontrast zu Dutzenden Tagen, an denen Flüchtlingen nicht rechtzeitig geholfen werden konnte.

Die Küstenwache hatte die Einsätze gemeinsam mit der italienischen Marine, der EU-Grenzschutzagentur Frontex und humanitären Hilfsorganisationen durchgeführt, schreibt sie auf Twitter:

Bereits am Sonntag konnten mehr als 1000 Flüchtlinge gerettet werden. Insgesamt wurden in den vergangenen vier Tagen nach Angaben des Kommandozentrums etwa 10.000 Menschen zwischen der libyschen Küste und Italien aufgegriffen (BBC).

Flüchtlinge aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten versuchen vor allem über das Mittelmeer Europa zu erreichen. Schlepper bereichern sich am Schicksal der Hilfesuchenden und verlangen Tausende Dollar für eine organisierte Überfahrt – die oft in überfüllten und veralteten Booten stattfindet. Viele kentern schon nach wenigen Seemeilen.

Welche Routen gibt es?

Grob wird das Mittelmeer in drei Abschnitte aufgeteilt:

  1. eine Westroute von Marokko nach Spanien
  2. eine Zentralroute von Tunesien und Libyen nach Italien
  3. eine Ostroute über die Türkei nach Griechenland

Die Ostroute ist derzeit de facto abgeschafft. Die Türkei und die Europäische Union haben ein Flüchtlingsdeal abgeschlossen, der die Küsten besser schützen soll (bento).

(Bild: Mapbox / bento)
Wie gefährlich ist die Zentralroute für Flüchtlinge?

Von allen Menschen, die weltweit auf der Flucht sterben, sterben nach Angaben der Internationalen Migrationsorganisation IOM ganze 80 Prozent im Mittelmeer. Der Zentralweg nach Italien ist dabei mit den größten Risiken verbunden.

Einer von 29 Flüchtlingen kommt nach IOM-Rechnung hier ums Leben. Im Vergleich dazu die Ostroute: Hier stirbt einer von 410 Schutzsuchenden. Insgesamt starben im ersten Halbjahr 2016 bislang 2484 Flüchtlinge auf der Zentralroute. Im ganzen Jahr 2015 kamen im gleichen Seegebiet 1688 ums Leben. (Hier der komplette IOM-Bericht)

Zwei Faktoren machen die Route so gefährlich:

  • Die Strecke ist mit mehreren hundert Kilometern deutlich länger als der Weg zwischen Marokko und Spanien oder zwischen der Türkei und den griechischen Inseln.
  • Die Schlepper gehen hier besonders rücksichtslos vor. Oft werden 500 bis 700 Flüchtlinge in ein Boot gesperrt. Nicht alle Menschen ertrinken, viele verenden auch an Bord der Schlepperboote.
Warum kommen wieder mehr Flüchtlinge nach Italien?

Der Flüchtlingsdeal zwischen der EU und der Türkei hat die Ostroute nahezu abgeriegelt. Flüchtlinge, vor allem aus Somalie und Eritrea, versuchen nun verstärkt über Libyen und Ägypten nach Europa zu kommen.

Beide Länder sind instabil, Schlepper können nahezu ungestört ihre Dienste anbieten: Libyen ist in mehrere Kampfzonen zerbrochen, eine Einheitsregierung bekommt das Land nur mit Mühe in den Griff. Und Ägypten wird diktatorisch regiert, korrupte Polizisten schauen entlang der Küsten weg, wenn Schlepper ihre Geschäfte anbieten.

Im Mittelmeer versuchen vor allem die Küstenwachen der europäischen Länder und die Agentur Frontex, in Seenot geratenen Flüchtlingen zu helfen.

Freiwillige Hilfsorganisationen wie Sea Watch patroullieren ebenfalls. Die EU hat entlang der libyschen und tunesischen Küste zudem die Mission "Sophia"Mission "Sophia" ins Leben gerufen. Dabei sollen Schleppernetzwerke zerstört und Flüchtlinge gerettet werden. Die Bundeswehr ist an "Sophia" beteiligt.

Mehr zum Thema:


Tech

Was Apple uns am 7. September zeigen will

Apple hat für den 7. September zu einer Produktpräsentation eingeladen. Der Konzern stellt im September traditionell neue iPhones vor. Mit dem iPhone macht Apple mehr als die Hälfte seines Umsatzes. Ob das neue iPhone wirklich iPhone 7 heißt, ist noch nicht bekannt.

Doppelte Kamera

Die Einladung verrät nicht viel, zeigt aber unscharfe Lichter im Hintergrund. Vor allem die Objektive professioneller Spiegelreflexkameras können solche Unschärfen, sogenanntes Bokeh, abbilden. Das könnte ein erster Hinweis sein, passend zu dem Gerücht, dass mindestens die große Version des neuen iPhones eine Kamera mit zwei Linsen hat.