Funktioniert das? Wir haben nachgefragt.

Pro Jahr sterben in Deutschland 121.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das entspricht 13,5 Prozent aller Todesfälle. Schon eine Zigarette pro Tag erhöhe das Risiko, eine gefährliche koronare Herzkrankheit zu entwickeln oder einen Schlaganfall zu erleiden (bento). 

Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten, haben verschiedene Möglichkeiten: Nikotinpflaster, Akupunktur, Hypnose oder auch Therapie. Eine weitere Möglichkeit: die telefonische Beratung.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat vor einigen Jahren eine Rauchentwöhnungs-Hotline eingerichtet und berät mit 13 Angestellten die Anruferinnen und Anrufer. 

Mittlerweile ist die Hotline der BZgA aber so gefragt, dass sie nach Angabe der Bundeszentrale nur rund 80 Prozent der eingehenden Anrufe beantworten könne. 5000 Anrufer gebe es derzeit monatlich, jeder dritte sei "jünger als 20 Jahre", sagte die BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss

Wieso so viele junge Anrufer? Und wie wird ihnen geholfen? Wir haben bei einer Sprecherin der BZgA nachgefragt:

Im Durchschnitt gehen monatlich 5000 Anrufe bei Ihnen ein, gibt es zwischen den Monaten Unterschiede? 

"Es gibt eine gewisse Schwankungsbreite, so differieren die einzelnen Monate in der Anzahl der Anrufe. In den Sommermonaten – vermutlich aufgrund der Ferienzeiten – und auch im Herbst lagen die Zahlen in den Vorjahren etwas höher. Auch der Januar ist ein starker Monat – das hat vermutlich mit den guten Vorsätzen für einen rauchfreien Start ins neue Jahr zu tun."

Vor allem junge Menschen nehmen das Angebot wahr. Gibt es beim Rauchverhalten Unterschiede zwischen jungen Männern und Frauen? 

"Aktuelle Studienergebnisse der BZgA belegen, dass rund 30 Prozent der männlichen und rund 23 Prozent der weiblichen 18- bis 25-Jährigen rauchen. Diese Quote hat sich in den letzten zwanzig Jahren von rund 54 Prozent bei den männlichen und rund 47 Prozent bei den weiblichen jungen Erwachsenen ungefähr halbiert."

Woran kann es liegen, dass sie so zahlreich mit dem Rauchen aufhören möchten?

"Hierzu gibt es einige Hinweise: Das Gesundheitsbewusstsein junger Menschen ist in den letzten Jahren größer geworden. Die körperliche Fitness ist vielen sehr wichtig. Dass das Rauchen da nicht zum Lifestyle passt, liegt auf der Hand. Viele wollen – wenn sie einmal angefangen haben mit dem Rauchen – möglichst schnell wieder aufhören. 

„Rauchen passt bei vielen nicht mehr zum Lifestyle.“

Ebenso eine Rolle spielen aber auch die Bild-Warnhinweise auf den Zigarettenschachteln, die gleichzeitig auf die BZgA-Telefonberatung hinweisen. Die Anrufe bei der BZgA sind aus dem Mobilfunknetz kostenfrei – und hier sehen wir einen deutlichen Anstieg. Die Mehrzahl der Anrufe geht über den Mobilfunk ein. Wenn die Zigarettenschachtel sozusagen neben dem Handy liegt, wird es denjenigen, die aufhören möchten, leicht gemacht, bei uns anzurufen und sich beraten zu lassen."

Was raten die Beraterinnen und Berater jungen Menschen, die mit dem Rauchen aufhören möchten? 

"Zunächst einmal muss der feste Vorsatz da sein, wirklich aufzuhören. Wer da halbherzig heran geht, wird es nicht schaffen. Die Beraterinnen und Berater besprechen mit den jungen Aufhörwilligen dann zum Beispiel, welche ganz persönlichen Vorteile der Rauchstopp für sie hat, welche Ziele sie haben und welche Strategien sie entwickeln, um nach dem Tag X, dem Rauchstopp-Tag, einen Rückfall in alte Verhaltensmuster zu vermeiden. 

„Wer möchte, kann vereinbaren, dass er bis zu fünf Mal zurückgerufen wird.“

Natürlich haben die Beraterinnen und Berater viele Informationen, Tipps und Empfehlungen für die Ratsuchenden. Zentral ist aber, dass die Anrufenden ganz individuell und einfühlsam im Gespräch dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Niemand wird überfordert oder unter Druck gesetzt. Wer möchte, kann auch vereinbaren, dass er bis zu fünf Mal zurückgerufen wird. Hierdurch steigen die Erfolgsaussichten."

Fällt es jungen Menschen leichter, mit dem Rauchen aufzuhören?

"Das ist individuell sehr unterschiedlich. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass wer früh mit dem Rauchen aufhört, es beim Rauchstopp etwas leichter hat: Die Nikotinabhängigkeit hat sich nicht über Jahrzehnte manifestieren können, ebenso die automatisierten Rauchrituale. Die Verhaltensänderung mag daher leichter fallen. 

Andererseits spielen die für junge Raucherinnen und Raucher mit dem Nikotinkonsum verbundenen Erkrankungen – wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungen- und Krebserkrankungen – noch keine Rolle. Sie spüren noch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch das Rauchen. Die treten meist später auf, dann häufig umso deutlicher. Insofern haben ältere Raucherinnen und Raucher eine größere Motivation aufzuhören, weil sie diese gesundheitlichen Folgen des Rauchens am eigenen Körper bereits spüren."

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Die FDP will, dass die Regierung deutlich mehr Länder zu "sicheren Herkunftsstaaten" erklärt
Welche Länder bisher auf der Liste stehen – und was sich ändern würde.

Im deutschen Grundgesetz ist das Recht auf Asyl verankert. Wer politisch verfolgt wird, kann in Deutschland Schutz finden. Ob ein Geflüchteter aber tatsächlich verfolgt wird, entscheiden Gerichte. 

Wer aber aus einem "sicheren Herkunftsstaat" nach Deutschland flieht, hat kaum eine Chance auf Asyl. Geflüchtete können deutlich leichter abgeschoben werden.

Nur wenige Länder stehen auf der Liste sicherer Herkunftsstaaten – nun will die FDP, dass die Bundesregierung die Liste deutlich erweitert.

"Die große Koalition hat fest versprochen, in dieser Legislatur noch weitere Länder als sichere Herkunftsstaaten einzustufen", sagte die migrationspolitische Sprecherin der FDP im Bundestag, Linda Teuteberg, der "Welt". Jetzt müsse das Versprechen umgesetzt werden.

Bislang versuchte die Koalition aus CDU, CSU und SPD die nordafrikanischen Maghreb-Staaten und Georgien als "sichere Herkunftsstaaten" einzustufen. Bereits Anfang 2017 sollte der Maghreb sicher werden –  Flüchtlinge aus diesen Ländern hätten dann leichter abgeschoben werden können. Dann wurde das Vorhaben wieder vergangenen Juli diskutiert. Beide Male scheiterte die Einstufung (bento).

Laut der FDP-Politikerin Teuteberg reiche es nicht, nur diese vier Länder zu prüfen. Mindestens 28 weitere Staaten könnten auf die Liste der unbedenklichen Länder, darunter unter anderem Indien und Moldau:

  • "Uns ist eine Befriedung der Migrationsdebatte wichtig. Das klappt aber nur, wenn wir klarmachen, dass wir faire und gerechte rechtstaatliche Verfahren garantieren – und anschließend integrieren oder in die Heimatländer zurückführen."

1 Welche Länder gelten bereits als sichere Herkunftsstaaten?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) prüft die Asylgründe der Geflüchteten. Wer aus einem Land kommt, in dem "generell keine staatliche Verfolgung zu befürchten ist", hat schlechte Chancen – dann gilt die "Regelvermutung", dass die gesamte Bevölkerung dort sicher ist. Welche Staaten das betrifft, steht auf der Liste der sicheren Herkunftsstaaten.

Es handelt sich im wesentlichen um die EU und die Länder des Balkan. Aus Afrika sind lediglich Ghana und der Senegal dabei. Diese Länder stehen auf der Liste:

  • die Mitgliedstaaten der Europäischen Union
  • Albanien
  • Bosnien und Herzegowina
  • Ghana
  • Kosovo
  • Mazedonien
  • Montenegro
  • Senegal
  • Serbien

2 Wie wird entschieden, was ein sicherer Herkunftsstaat wird?

Es gibt mehrere Indizien, die Sicherheit eines Staates zu beurteilen, unter anderem die Überprüfung der Menschenrechtslage vor Ort. Eine wichtige Orientierung ist aber auch, ob Gerichte in der Vergangenheit Asyl für Menschen aus diesen Staaten gewährt haben.