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Wie aus einem britischen Studenten einer der wichtigsten Trump-Unterstützer wurde

"Ich bin der einzige coole Konservative auf dem Planeten", sagt er. "Es gibt ein großes Verlangen nach jemandem, der jung ist, der gut aussieht und konservativ und nicht langweilig ist. Das bin ich. Es gibt keinen anderen. Es gibt auch keinen Trend und niemanden, der etwas Ähnliches macht. Es gibt nur mich." (SPIEGEL ONLINE)

Milo Yiannopoulos war der Meister der Skandale, der Tabubrüche und wohl der krasseste Trump-Unterstützer. Offen schwul und inszeniert wie ein Pop-Star, tourt der 32-Jährige durch die USA und sorgt mit seinen skandalösen Auftritten landesweit für Protest.

Am Mittwoch sollte er sogar bei der wichtigen Republikaner-Konferenz, der Conservative Political Action Conference (CPAC), an der Seite von Vizepräsident Mike Pence and Senator Ted Cruz als Redner auftreten. ("The Guardian")

Nun hat er es übertrieben: Am Sonntag veröffentlichte die konservative Website The Reagan Battalion ein Interview, das Yiannopoulos bereits Anfang 2016 dem Podcast "Drunken Peasants" gegeben hatte. Yiannopoulos verharmlost darin Sex zwischen Lehrern und Kindern und sagt, diese Art von Beziehung sei "in der homosexuellen Welt" normal und Teil des Erwachsenwerdens. (Süddeutsche.de)

Am Montag strich die CPAC ihn nun von der Rednerliste. Auch der große Buchverlag Simon & Schuster kündigte ein Buchprojekt, für seine Memoiren "Dangerous" hatte Yiannopoulos einen Vorschuss von einer Viertel Million Dollar bekommen.

Doch wer ist der Mann, den die liberale US-Zeitung "The Nation" den "meistgehasstesten Mann des Internets" bezeichnet und der sich selbst als "Amerikas gefährlichste Schwuchtel" versteht?

1. Er ist nicht Amerikaner – und macht Wahlkampf für Trump.

Yiannopoulos kommt aus England, seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Grieche. Nach der Schule studierte er Englische Literatur in Cambridge, brach das Studium aber ab und schrieb danach für den britischen "Daily Telegraph" über Technologie.

2. Sein Mentor arbeitet für den Präsidenten.

Seit 2015 arbeitet Yiannopoulos bei den ultrarechten Breitbart-News – dem Portal für Verschwörungstheorien. Dessen ehemaliger Chef Stephen Bannen, jetzt einer der wichtigsten Berater des amerikanischen Präsidenten, holte ihn in die Redaktion. Yiannopoulos ist nun das bekannteste Gesicht des Newsportals. Doch auch dort ist seine Zukunft nach seinem Skandal-Interview jetzt ungewiss, wie die "New York Times" berichtet.

3. Er will "freie Rede" – und steht dabei für nichts außer Tabubrüche.

Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit führt Yiannopoulos Hassreden gegen Minderheiten, Feminismus, Political Correctness und die globalen Eliten. Er bezeichnet linke Aktivisten, die für Minderheitenrecht eintreten, als Heulsusen und macht sich über "safe spaces" an Universitäten lustig – also die Orte, wo Studenten vor sexueller Belästigung Zuflucht finden sollen. Auf seiner Webseite verkauft er Pullis mit der Aufschrift: "Feminismus ist Krebs."

4. Sein Leben ist eine Show.

Yiannopoulos inszeniert sich als Popstar, lebt in Hotels und hat 30 persönliche Angestellte, für die er eine Million Dollar ausgibt. Darunter einen Personal Trainer, der sich um seine Fitness und seine Ernährung kümmert. Zudem Stylisten, Sicherheitsleute, Assistenten, Kameramänner und Cutter. Alle arbeiten an der großen Milo-Show. (stern)

So inszeniert sich Milo Yiannopoulos auf Instagram:
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Ob er für die Mauer in Mexiko wirbt und sie symbolisch selbst baut, oder in Schweineblut badet und behauptet, das Blut sei Menschenblut der Opfer mordender Immigranten (FAZ): Yiannopoulis' Skandale sind Performance.

5. Wegen seiner sexistischen Äußerungen wurde er für immer von Twitter verbannt.

Weil er gegen die afroamerikanische Schauspielerin Leslie Jones hetzte, wurde er im Juli 2016 von Twitter gesperrt. Für Yiannopoulos, dem dort 338.000 Menschen folgten, ein Zeichen, dass die Meinungsfreiheit am Ende ist. Geschadet hat ihm die Zensur kaum – er postet nun bei Facebook – seiner Seite folgen fast zwei Millionen Follower. ("The Guardian")

Das Internet ist für ein paar Jahre verschwunden, hat die perfekte Online-Persönlichkeit entwickelt und ist mit mir zurückgekommen.
6. Wo er hinkommt, regt sich Protest.

Vergangene Woche musste ein Auftritt von ihm an der renommierten University of California in Berkeley abgesagt werden, weil Tausende Studenten dagegen protestierten und Aktivisten der Black-Lives-Matter-Bewegung den Vortragssaal mit Feuerwerkskörpern beschmissen. Zuvor hatten Dutzende Professoren gefordert, die Veranstaltung solle abgesagt werden. (Guardian)

Sein Fürsprecher Donald Trump war empört – und drohte gleich, der Universität öffentliche Unterstützung zu entziehen.

7. Er ist offen schwul – und rechtfertigt damit sein Verhalten.

Er sagt Dinge wie: "Schwulenrechte haben uns dumm gemacht." (Breitbart) Seine Homosexualität dient ihm gleichzeitig als Legitimation für seine intoleranten Äußerungen. Auch seine Pädophilie-Äußerungen versucht er dadurch zu rechtfertigen, dass er nach eigener Aussage selbst Opfer von Missbrauch ist. "Meine eigenen Erfahrungen als Opfer haben mich glauben lassen, dass ich zu diesem Thema alles sagen kann, was ich will, egal wie abscheulich es ist", schrieb er am Sonntag bei Facebook.

Ich bin ein schwuler Mann, der auf schwarze Männer steht. Wie könnte ich rechtsradikal sein?
Milo Yiannopoulis

Ist Yiannopoulos also ein Rassist? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall ist er jemand, der öffentliche Stimmungen gut lesen kann, und daraus Kapital zu schlagen weiß. Der Tabus brechen zu einem Geschäft macht. Das hat bisher wunderbar funktioniert.

Nun könnte er einen Schritt zu weit gegangen sein.


Gerechtigkeit

Wie denken Trump-Unterstützer über ihren Präsidenten?

Hätten in den USA nur die Jungen gewählt, dann würde Hillary Clinton jetzt das Land führen. Und trotzdem: Auch unter den 18- bis 30-Jährigen haben viele Donald Trump unterstützt. Wie denken sie jetzt über ihren neuen Präsidenten? Bereuen sie ihre Wahl?

Wir haben mit Studenten aus Washington gesprochen, einige von ihnen lernen an der George Washington University, einer der liberalsten Unis im Land.

Was auffällt: Zwar äußern sich die Studenten mitunter durchaus kritisch über Trump – ihre Pro-Argumente gehen aber nicht wesentlich über das hinaus, was er ihnen im Wahlkampf versprochen hat.