Bild: Michael Probst/AP/dpa
In einer dreiteiligen Erklärung rechnet er mit dem DFB und den Medien ab.

Vor zwei Monaten haben die Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil auf einem Foto mit Recep Tayyip Erdogan posiert (bento). Das Bild mit dem türkischen Präsidenten hat in Deutschland für große Diskussionen gesorgt. 

Gündogan sagte im Nachhinein, der Auftritt sei mit keiner politischen Botschaft verbunden gewesen, er wollte keinen Wahlkampf machen (bento). 

Özil wiederum hatte sich nicht dazu geäußert. Bis jetzt.

(Bild: Uncredited/Pool Presdential Press Service/AP/dpa)

Auf Twitter schreibt er:

  • Mit dem Foto hatte er keine politischen Absichten.
  • Für ihn war es ein Ausdruck des Respekts gegenüber des höchsten Amtes im Land seiner Familie.
  • Sein Job sei das Fußballspielen, er sei kein Politiker. Er habe mit Erdogan auch nur über Fußball gesprochen.
  • Wenn er den Präsidenten nicht getroffen hätte, hätte er damit seine Wurzeln nicht respektiert, und auf die sei er stolz.
  • Es sei ihm nicht wichtig gewesen, wer der Präsident sei, sondern dass es ein Präsident sei.


In einer zweiten Mitteilung äußert er sich zu den Medien, Sponsoren und zum DFB.

Die wichtigsten Punkte:

  • Er wirft bestimmten deutschen Zeitungen rechte Propaganda vor, um ihre politischen Interessen voranzutreiben.
  • Er sei enttäuscht über die Doppelmoral in der Berichterstattung und verweist auf ein ebenfalls umstrittenes Treffen von Lothar Matthäus mit Kremlchef Wladimir Putin. Matthäus habe sich dafür nicht öffentlich erklären müssen und dürfe weiterhin Ehrenspielführer bleiben.
  • Nach den Bildern mit Erdogan sei er von einem DFB-Sponsor nachträglich aus Werbekampagnen entfernt worden. Alle weiteren PR-Aktivitäten, für die er eigentlich vorgesehen gewesen war, seien gestrichen worden. "Für sie war es nicht länger gut, mit mir gesehen zu werden."
  • Auch eine geplante Aktion für einen guten Zweck in seiner früheren Schule in Gelsenkirchen sei wegen des Wirbels um die Fotos nicht zustande gekommen. Seine Partner für die Benefiz-Aktion hätten ihm wenige Tage vorher gesagt, derzeit nicht mehr mit ihm arbeiten zu wollen. Auch von der Schule habe er eine Absage bekommen. "Ganz ehrlich, das tat wirklich weh."
In seiner dritten, emotionalen Mitteilung erklärt er, warum er entschieden hat, nicht mehr für Deutschland zu spielen:
  • Er sei besonders vom DFB-Präsidenten Reinhard Grindel enttäuscht gewesen.
  • Er habe versucht, mit ihm über seine Herkunft zu sprechen - sei dabei aber nur von oben herab behandelt worden.
  • Bundespräsident Frank Walter Steinmeier habe hingegen der Interesse an ihm und seinen Meinungen gezeigt habe, doch sei Grindel verärgert gewesen, nicht die führende Rolle in gemeinsame Pressestatements zu haben.
  • In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern sei er immer ein Deutscher, wenn er gewinne, und ein Einwanderer, wenn er verliere. Er werde immer anders behandelt.
  • Seine Freunde Miroslav Klose und Lukas Podolski würden auch nie als Deutsch-Polen bezeichnet - er aber ständig als Deutsch-Türke. Vielleicht käme das auch daher, dass er Muslim sei.
  • Es sei ihm sehr schwer gefallen, die Entscheidung zu treffen:
Ich werde nicht mehr für Deutschland spielen, während ich Rassismus und Respektlosigkeit mir gegenüber spüre. Ich habe das deutsche Trikot immer mit so viel Stolz getragen, aber das ist nicht mehr so. Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, weil ich immer alles für mein Team, die Trainer und die guten Menschen in Deutschland gegeben habe. Aber als die hochrangigen DFB-Vertreter mich so behandelt haben, haben sie meine Wurzeln verachtet und mich für politische Propaganda benutzt. Dafür spiele ich nicht Fußball und ich werde mich nicht zurücklehnen und nichts tun. Rassismus sollte niemals akzeptiert werden. 

Fühlen

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