Bild: dpa/Federico Gambarini
Laut Gutachten ist Frank S. voll schuldfähig – Wahl findet wie geplant statt
Das ist passiert
  • Henriette Reker, parteilose Kandidatin bei der Wahl zum Oberbürgermeister in Köln, ist bei einer Messerattacke schwer verletzt worden. (Die Welt)
  • Sie schwebt nach Angaben ihres Teams nicht mehr in Lebensgefahr. Vier weitere Personen wurden bei dem Angriff ebenfalls verletzt, eine davon schwer. (Twitter)
  • Ein Bundespolizist, der privat in Köln war, überwältigte den Täter. (Die Welt)
Was wir über den Täter wissen
  • Der Täter ist offenbar der 44-Jährige Frank S. Er soll Reker am Samstagmorgen im Kölner Stadtteil Braunsfeld auf einem Wochenmarkt niedergestochen haben. Die Polizei nahm ihn direkt nach der Tat fest. (SPIEGEL ONLINE)
  • Einem psychologischen Gutachten zufolge ist S. voll schuldfähig. Das vermeldeten Staatsanwaltschaft und Polizei Köln am Sonntag in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Demnach gebe es "keine Anhaltspunkte für den Ausschluss der Schuldfähigkeit des Angreifers". Frank S. soll noch am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Vorwurf: Verdacht des versuchten Mordes und gefährliche Körperverletzung in vier Fällen. (Pressemitteilung der Polizei Köln)
  • Nach Angaben der Sicherheitsbehörden handelte Frank S. aus fremdenfeindlichen Motiven. (SPIEGEL ONLINE)
  • Informationen von SPIEGEL ONLINE zufolge hat Frank S. Verbindungen in die rechtsextreme Szene. Demnach soll er sich Anfang der Neunziger Jahre in der rechtsextremen Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP) engagiert haben. Das berichtet auch der Kölner Stadt-Anzeiger.
    Die FAP galt als besonders aggressive Neonazi-Partei, aus deren Reihen rassistische Gewalttaten verübt wurden. Einer ihrer Mitglieder war der bekannte Dortmunder Neonazi Siegrifed Borchardt, genannt "SS-Siggi". Die FAP wurde später verboten.
  • 1993 und 1994 nahm Frank S. zudem offenbar an Gedenkmärschen für den NS-Verbrecher Rudolf-Hess in Fulda und Luxemburg teil. (SPIEGEL ONLINE)
Das soll Frank S. gesagt haben

Nach SPIEGEL ONLINE-Informationen gab Frank S. in einer Vernehmung rechte Parolen zu Protokoll:

  • So soll er gesagt haben: "Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg".
  • Offenbar hatte er bereits nach seiner Festnahme gegenüber Polizisten gesagt, dass er sich vor einer Einführung der Scharia in Deutschland fürchte.
  • Frank S. hat offenbar zugegeben, dass er vor 20 Jahren in der rechtsextremen Szene aktiv gewesen sei, seitdem aber nicht mehr.
  • Er soll Henriette Reker in der Vernehmung für angebliche Fehler in der Einwanderungspolitik verantwortlich gemacht haben. Reker ist als Kölner Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen in Köln zuständig.
  • Außerdem sei er nach Behördenangaben durch fremdenfeindliche Kommentare im Internet aufgefallen.

Bei seiner Attacke hat Frank S. nach Angaben eines Augenzeugen gesagt: "Ich rette den Messias. Das ist alles falsch, was hier gemacht wird. Ich befreie euch von solchen Leuten." (Die Welt)

Was ist mit der Wahl?
  • Die Oberbürgermeisterwahl in Köln findet wie geplant statt. Bisher haben aber erst wenige Bürger ihre Stimme abgegeben. (SPIEGEL ONLINE)
  • Henriette Reker will ihre Stimme im Krankenhaus abgeben. (Kölner Stadt-Anzeiger)
Was wir nicht wissen
  • Bisher ist unklar, ob es im Vorwege Drohungen gegen Henriette Reker gegeben hat oder der Täter seine Tat in irgendeiner Form angekündigt hat.
  • Auch die rechtsextreme Vergangenheit von Frank S. ist noch nicht eingehend durchleuchtet. Die Polizei hat ihn bisher in ihren Datenbeständen nicht finden können. (SPIEGEL ONLINE)

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