Die Urheberrechte von "Mein Kampf" laufen aus. Was bedeutet das?
(Bild: dpa / Matthias-Balk)
Warum war "Mein Kampf" in Deutschland verboten?

Das Buch war nicht grundsätzlich verboten: So dürfen zum Beispiel Antiquariate und Bibliotheken Originalausgaben verkaufen und verleihen. Durch das Urheberrecht war es allerdings verboten, "Mein Kampf" nachzudrucken.

Das Urheberrecht besteht in Deutschland bis zu 70 Jahren nach dem Tod des Autors, dann werden die Rechte an seinem Werk frei. Das heißt: Ab jetzt darf theoretisch jeder Verlag "Mein Kampf" nachdrucken. Bislang hatte Bayern das verboten; das Land hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Rechtsnachfolge des NSDAP-Verlages angetreten, in dem das Buch erschienen war.

Dieses Bild ist 2005 entstanden. Damals hatte die französische Künstlerin und Fotografin Ellia 2005 weltweit 600 Menschen aus 17 Ländern dazu aufgerufen, sich mit Hitlers "Mein Kampf" auseinanderzusetzen und eine Seite des Werkes künstlerisch zu gestalten, kommentieren oder verfremden. (Bild: dpa / Daniel Karmann)
Steht mein Kampf jetzt also bald im Supermarkt?

Das angesehene Institut für Zeitgeschichte wird eine kritische, kommentierte Edition von "Mein Kampf" herausgeben. Bislang verhält sich der Buchhandel allerdings eher zurückhaltend. So will Thalia die kommentierte Ausgabe nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch bestellen. Amazon kündigt an, Verkaufserlöse für einen gemeinnützigen Zweck spenden zu wollen. (Amazon spendet auch die Einnahmen aus der Pegida-Hymne "Gemeinsam sind wir stark!" an Flüchtlinge.)

Die Originalausgabe von "Mein Kampf" soll allerdings weiterhin verboten bleiben, darauf einigten sich die Bundesländer im Sommer 2014. Das Buch sei Volksverhetzung, urteilten sie und argumentierten mit dem Strafrecht: Es biete Möglichkeiten, "gegen den - insbesondere unveränderten - Nachdruck und das Zugänglichmachen des Buches vorzugehen". Ob sie damit richtig liegen? Vielleicht müssen sich mit der Frage bald Staatsanwälte und Richter beschäftigen.

(Bild: dpa / Daniel Karmann)
Kann man das Buch nicht schon jetzt problemlos kaufen?

Ja, in Schweden zum Beispiel oder in Indien. Oder bei Amazon.com. Denn der nationalsozialistische Eher-Verlag, in dem das Buch erschienen ist, hatte die Urheberrechte an "Mein Kampf" in den Dreißigerjahren an Verlage im Ausland verkauft. Deswegen greift das bayerische Urheberrecht zum Beispiel nicht in den USA, wo Amazon seinen Hauptsitz hat. Vor rund zwei Jahren stand "Mein Kampf" vorübergehend auf der Liste der E-Book-Bestseller bei Amazon.com - an Kunden in Deutschland wird es aber nicht geliefert.

Und trotzdem: Wer das Buch unbedingt lesen will, kann es sich schon lange leicht beschaffen. Auch in Deutschland.

(Bild: dpa / Daniel Karmann)
Werden Schüler das Buch bald im Unterricht lesen?

Entschieden ist das noch nicht, aber im Dezember haben sich zumindest der Deutsche Lehrerverband und die SPD dafür ausgesprochen. So sagte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, Ernst Dieter Rossmann, dem "Handelsblatt":

„Mein Kampf ist ein schreckliches und monströses Buch. Diese antisemitische menschenverachtende Kampfschrift historisch zu entlarven und den Propagandamechanismus zu erklären, gehört in einen modernen Schulunterricht von dafür qualifizierten Lehrkräften.“

Und der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagte der Zeitung, Schulen könnten "Mein Kampf" nicht ignorieren:

"Denn was für die Schulen verboten wäre – das wissen wir von den Indexlisten der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien – erfreut sich, zum Beispiel via Internet, besonderer Nachfrage. Da ist es besser, die Rezeption von 'Mein Kampf' wird durch versierte Geschichts- und Politiklehrer angeleitet."

Wird mein "Mein Kampf" jetzt wieder populär?

Für Rechtsextreme hat das Buch natürlich immer noch einen Symbolwert. Und trotzdem haben Adolf Hitler und seine Weltanschauung nach Ansicht des Bundesamts für Verfassungsschutz an Bedeutung verloren. "Schriften und Akteure" des "Dritten Reichs" spielen heute für die ideologische Ausrichtung von Neonazis "eine bedeutend geringere Rolle als noch vor 20 Jahren", so schätzen es die Verfassungsschützer ein - und bleiben Angesichts des auslaufenden Urheberrechtsschutzes gelassen.

Wie wichtig war "Mein Kampf" früher?

Bis 1933 verkaufte sich das Buch rund 240.000-Mal. Danach hatte es eine Millionenauflage. Ein Standardwerk, das Brautpaare als Hochzeitgeschenk bekamen. Es wurde zu einer Art Bibel der Deutschen. Wie intensiv sie es tatsächlich gelesen haben, ist heute unklar. Immerhin sei es in den ersten Jahren nach der Machtergreifung Hitlers auch in Bibliotheken auf großes Interesse gestoßen und recht häufig ausgeliehen worden, sagt Othmar Plöckinger, Mitherausgeber der kritischen Edition von "Mein Kampf".

Das Buch hatte Hitler im Landsberger Gefängnis geschrieben, dort war er nach seinem Putschversuch im November 1923 inhaftiert. Später prahlte er: Die Haft sei eine "Hochschule auf Staatskosten" gewesen.

Quellen
  • Hitlers Hetzschrift: Kann man "Mein Kampf" jetzt einfach kaufen? (SPIEGEL ONLINE)
  • Adolf Hitlers Pamphlet bleibt in Deutschland verboten (SPIEGEL ONLINE)
  • Hitlers "Mein Kampf" ohne Bedeutung für Neonazis (SPIEGEL ONLINE)
  • Gibt es "Mein Kampf" von Adolf Hitler bald in deutschen Buchläden? (Stern.de)

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