Eine Abtreibung ist ein sensibles Thema. Und viele angehende Ärztinnen und Ärzte der Berliner Universitätsklinik Charité werden darauf nicht ausreichend vorbereitet. Bis zum Ende des sechsten Semesters – also vor dem ersten schriftlichen Staatsexamen – gibt es keine Veranstaltung an der Uni, die das Thema Schwangerschaftsabbruch behandelt. (MSFC Berlin)

Gerade einmal zehn Minuten gehe es in einem Seminar im neunten Semester um Schwangerschaftsabbrüche, erzählt zum Beispiel die Medizinstudentin Alicia Baier. Es stehen allerdings nur die rechtlichen und ethischen Aspekte auf dem Lehrplan. (taz)

Also bringen sich die Studierenden einfach selbst bei, wie sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen – an Papayas.

Hinter dem Workshop steht die Gruppe "Medical Students for Choice Berlin". Die Gruppe will die Lehre über Schwangerschaftsabbrüche verbessern und das Thema Abtreibung aus der Tabu-Zone holen. Dafür organisiert sie ein- bis zweimal im Semester den Papaya-Workshop.

Alicia Baier ist eine der Organisatorinnen. Sie hat die Gruppe Ende 2015 mit anderen Studierenden gegründet – und fordert eine bessere praktische Einbettung des Schwangerschaftsabbruchs im Medizinstudium. 

Lernt, was euch die Uni nicht lehrt!
Medical Students for Choice Berlin

Was genau passiert beim Papaya-Workshop?

Studis lernen hier unter fachlicher Anleitung von Gynäkologen die medizinischen Grundlagen eines Schwangerschaftsabbruchs. An einer Papaya führen sie eine Vakuum-Aspiration durch. Die Absaugmethode ist eine der beiden häufigsten Formen des Schwangerschaftsabbruchs.

(Bild: M. Römer, A. Kolandt, N. Kutschke)

Bevor die Studierenden dann tatsächlich loslegen und üben, bekommen sie noch die Anatomie von Gebärmutter, Eileitern und Eierstöcken erklärt und verschiedene Methoden und Risiken bei Schwangerschaftsabbrüchen.

"Außerdem besteht hier die Möglichkeit zum Austausch mit erfahrenen Gynäkologinnen und Gynäkologen", erzählt Caroline Gabrysch, Mitglied bei Medical Students for Choice Berlin.

Wieso ausgerechnet Papayas?

Papayas ähneln mit ihrer Form, dem weiteren runden Hinterteil und dem spitz geformten Strunk, einer Gebärmutter. Die Kerne lassen sich absaugen, wodurch eine Vakuum-Aspiration simuliert werden kann. 

Außerdem erinnert die Beschaffenheit des Fruchtfleischs an die Muskelfasern im Uterus.

(Bild: M. Römer, A. Kolandt, N. Kutschke)

Was steckt dahinter?

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland strafbar und nur in einigen Ausnahmefällen darf eine Abtreibung straffrei durchgeführt werden. Nämlich:

  • Wenn der Abbruch medizinisch notwendig ist.
  • Wenn die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung verursacht wurde.
  • Wenn die Frau weniger als zwölf Wochen schwanger ist und sich in einer staatlich anerkannten Stelle hat beraten lassen.

Es handle sich aber immer noch um ein stigmatisiertes Thema, sagt Medizinstudentin Gabrysch. In der Uni werde es deshalb vielleicht nicht thematisiert. Dabei sei es ein simpler und gleichzeitig sehr häufiger Eingriff.

2017 wurden laut Statistischem Bundesamt rund 101.200 Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland gemeldet. 

In der Frauenheilkunde und Geburtshilfe gibt es 18.500 berufstätige Ärzte und Ärztinnen – es führen aber nur 1.200 Einrichtungen Schwangerschaftsabbrüche durch. Tendenz leicht sinkend. Wenn sich der Trend fortsetzt, werde es eines Tages keine Ärzte mehr geben, die diese Eingriffe vornehmen. (Deutsche Welle)

Auch Werbung für Schwangerschaftsabbrüche ist verboten. Der Paragraf 219a verbietet Ärzten, öffentlich – zum Beispiel auf ihren Homepages – über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren.


Today

Die Känguru-Chroniken werden fortgesetzt
Ein Termin steht auch schon fest.

Kennt man ja: Ein anarchistisches Känguru lebt als Untermieter mit in der Berliner WG, futtert immerzu Schnapspralinen und plant den kommunistischen Umsturz. 

Über diese Abenteuer hat der Autor Marc-Uwe Kling bereits mehrere Bücher geschrieben. Er selbst gibt den Chronisten über die Abenteuer des sprechenden Kängurus.

Drei Bücher sind zwischen 2009 und 2014 erschienen – "Die Känguru-Chroniken", "Das Känguru-Manifest" und "Die Känguru-Offenbarung". Eigentlich sollte mit dem dritten Schluss sein.

Doch nun hat Marc-Uwe Kling verkündet: Die "Känguru-Chroniken" werden fortgesetzt!