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Wandertag von rechtsaußen

Sie wollten Freiheit, Demokratie und deutsche Einigkeit – dafür demonstrierten im Frühjahr 1832 tausende Menschen rund um das Hambacher Schloss in der Pfalz. 186 Jahre später soll an diesem Samstag auf dem bekannten Schloss erneut ein "Hambacher Fest" stattfinden – dieses Mal organisiert von AfD-Anhängern und anderen Rechten.

Max Otte(Bild: dpa)

Der Veranstalter des "Neuen Hambacher Festes", Max Otte, hat eine Vita wie ein Chamäleon. Weil er angeblich die Finanzkrise voraussagte, galt Otte lange Zeit als "Crash-Prophet" (Süddeutsche Zeitung), ist langjähriger Talkshow-Gast, Merkel-Kritiker, AfD-Anhänger – und, soweit man weiß, trotz allem immer noch CDU-Mitglied

Wenn er von Deutschland redet, klingt es manchmal, als stünde der Bürgerkrieg kurz bevor. Er sieht die Demokratie hierzulande "stark eingeschränkt", kritisiert die Flüchtlingspolitik und warnt vor "zensurähnlichen Zuständen" – was schon allein deshalb seltsam klingt, weil er seine Kritik oft in großen Medien äußert und ohne ernsthafte Widerstände ein historisch bekanntes Schloss für sein Fest mieten konnte. (SPIEGEL)

Pfälzer Bratwürste und Schwarz-Rot-Gold

Beim "neuen Hambacher Fest" soll es wieder um Freiheit und Demokratie gehen – weil diese in Deutschland mittlerweile eben nicht mehr sicher seien. In einer Erklärung zum Fest kritisiert Otte eine "verfehlte Sozial- und Wirtschaftspolitik", warnt vor einem neuen Kalten Krieg und nennt seine eigene Partei, die CDU, "weitgehend gleichgeschaltet". 

Insgesamt jedoch bleiben die Forderungen vage. Otte und seine Mitstreiter, so scheint es, wollen vor allem von der Unzufriedenheit profitieren, die viele Konservative und Rechte von CDU bis AfD mit sich tragen. 

Zeitgenössische Darstellung des Hambacher Festes 1832 – damals noch ohne Eintrittskarten.(Bild: dpa)

Erwartet werden laut Organisationsteam rund 1.200 Teilnehmer – mehr passen in das Schloss nicht rein. Als prominente Gäste angekündigt sind unter anderem AfD-Chef Jörg Meuthen und die frühere CDU-Politikerin Vera Lengsfeld, die kürzlich eine gemeinsame Erklärung mit Rechtsradikalen veröffentlichte. (bento)

Wer es nicht zu der Veranstaltung im Schloss geschafft hat, kann allerdings immer noch an einer Wanderung auf den Berg teilnehmen. Wie 1832 sollen die Besucher Deutschlandfahnen schwenken. Zusätzlich gibt es Imbissbuden rund um das Schloss. Für Daheimgebliebene gibt es eine gemeinsame "Petition", bei der Unterstützer selbst entscheiden können, welchen Teil sie unterzeichnen möchten und welchen lieber nicht.

Probleme mit der Pressefreiheit

Dafür, dass Ottes schwarz-rot-goldene Wandergesellschaft vorgibt, die Freiheit schützen zu wollen ("Unsere Demokratie ist massiv beschädigt"), pflegen die Organisatoren allerdings ein seltsames Verständnis von Meinungspluralismus. Journalisten, wie der Spiegel-Redakteurin Melanie Amann, die Otte kritisch begleitet hat, verweigerten sie bereits vorab den Zutritt zum Fest.

Vorfälle wie diese zeigen, dass es den Organisatoren weniger um deutsche Geschichte, Freiheit oder Demokratie geht – sondern vor allem darum, ein bekanntes historisches Ereignis mit den Forderungen der neuen Rechten, vor allem also der AfD, zu verknüpfen. Wirklich neu ist diese Taktik nicht. Für Samstag sind Gegenproteste angekündigt.


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