Bild: dpa/ Kay Nietfeld

Seit Martin Schulz Kanzlerkandidat ist, treten mehr Menschen in die SPD ein: Mehr als 1760 neue Mitglieder meldet die Partei. Am Sonntag, dem Tag, ab dem er seine erste Rede als offizieller Kandidat hielt, waren es allein 937. Sonst seien es in normalen Monaten etwa 1000, sagte ein SPD-Sprecher bento.

Warum das so ist, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren. Vielleicht liegt es daran, dass die SPD endlich wieder einen Hoffnungsträger hat. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich doch einige Menschen in Deutschland politisch engagieren wollen und nun durch einen Parteibeitritt eine Möglichkeit dazu sehen.

Egal welche Partei deine Sorgen anspricht – so trittst du ein:

Auf der SPD-Seite zum Thema "Mitglied werden" strahlt direkt Martin Schulz von einem Foto. Noch-Partei-Chef Sigmar Gabriel schreibt dazu in einem Text: "Ich habe gelernt: Vieles ist möglich, wenn alle gemeinsam anpacken. Das lohnt sich."

(Bild: Screenshot: bento)

Bei der CDU begegnet einem beim ersten Klick das Rentnerpaar Wilfriede und Siegfried Storsberg, 77 und 76 Jahre alt. Sie sagen: "Wir sind in der CDU, weil wir unsere Lebenserfahrung einbringen wollen."

(Bild: Screenshot: bento)

Nicht abschrecken lassen. Der erste Schritt ist die Anmeldung über ein Online-Formular:

  • Bei CDU, SPD, Grünen, die Linke, FDP kannst du je ganz einfach online einen Mitgliedsantrag ausfüllen und absenden. Bei der AfD musst du ein Online-Formular ausdrucken und dann per Post verschicken.
  • Wer ist in der Partei für dich zuständig? Die SPD und CDU sind zum Beispiel föderal aufgebaut, das heißt, dass die örtlichen Parteizentralen und Kreisverbände deinen Mitgliedsantrag bearbeiten.
  • Was musst du beachten? Du solltest nicht schon Mitglied in einer anderen Partei sein. Ansonsten dürfen auch nicht deutsche Staatsbürger oder Deutsche, die im Ausland leben, Mitglied bei der SPD werden. Bei der CDU ist die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der Europäischen Union und der Wohnsitz in Deutschland Voraussetzung. Die AfD führt detailliert auf, in welchen Gruppierungen und Vereinigungen du nicht Mitglied sein darfst (Unvereinbarkeitsliste der AfD).
  • Das Mindestalter für eine Mitgliedschaft beträgt bei einigen Parteien 16 Jahre. Linkspartei, SPD und Piratenpartei nehmen auch schon 14-Jährige auf, bei den Grünen gibt es kein Mindestalter.
  • Eine Mitgliedschaft ist nicht umsonst. Die Beiträge variieren je nach Partei (siehe nächste Frage).
In der Slideshow erklären junge Menschen, warum sie in Parteien eingetreten sind:
Wir haben noch mehr junge Neumitglieder in Parteien befragt. Die ganzen Protokolle findet ihr hier.
1/12

Wer Mitglied wird, bekennt sich zu den Zielen der Partei. "Nicht jeder steht zu 100 Prozent hinter allem, aber die Tendenz sollte stimmen", sagt Nils Diederich. Er ist ehemaliger Professor für politische Wissenschaften und saß für die SPD im Bundestag.

Die Eintrittswelle nach Martin Schulz Ernennung sei kein neues Phänomen. Auch bei Helmut Schmidt, Willy Brandt und Helmut Kohl habe es einen ähnlichen Effekt gegeben.

Denn: Viele fühlen sich durch eine plötzlich auftretende Leitfigur motiviert.

Und was kostet das Ganze?

Die meisten Parteien staffeln ihre Beiträge – um auch Menschen mit geringem Einkommen einzubeziehen. Hier sind die Monatsbeiträge aufsteigend nach Kosten gelistet:

1. Die Linke:

  • Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zahlen 1,50 Euro im Monat.
  • Jemand mit einem Netto-Einkommen bis 500 Euro zahlt 3 Euro im Monat.
  • Jemand mit einem Netto-Einkommen zwischen 2300 Euro und 2500 Euro zahlt 85 Euro im Monat. Alle darüber müssen 4 Prozent ihres Netto-Einkommens als Beitrag zahlen (Die Linke).
  • Im Jugendverband solid zahlen Mitglieder ohne Einkommen 1 Euro im Monat, mit Einkommen das Doppelte (solid).

2. Bündnis 90/Die Grünen:

  • Jedes Mitglied zahlt mindestens 1 Prozent seines Netto-Einkommens.
  • Wer sich das nicht leisten kann, darf mit seinem Landesverband Ausnahmeregelungen treffen (Bündnis 90/Die Grünen).
  • Die Grüne Jugend kostet 20 Euro im Jahr (Grüne Jugend).

3. SPD:

  • Mitglieder ohne Einkommen zahlen 2,50 Euro im Monat.
  • Alle mit einem Netto-Einkommen bis 1000 Euro zahlen 5 Euro im Monat.
  • Mitglieder mit einem Netto-Einkommen bis 3000 Euro zahlen 35 Euro im Monat. Abgeordnete und Spitzenverdiener (ab 4000 Euro Netto) zahlen 250 Euro im Monat.
  • In der Jugendorganisation Juso liegt der Beitrag bei 1 Euro pro Monat. (SPD)

4. CDU:

  • Jedes Mitglied zahlt 6 Euro im Monat.
  • Darüber hinaus empfiehlt die Partei eine freiwillige Mehrabgabe von 15 bis 50 Euro (CDU).
  • Die Junge Union hat keinen einheitlichen Beitrag, in den meisten Landesverbänden liegt er bei 1 Euro im Monat.

5. AfD:

  • Jedes Mitglied zahlt 10 Euro pro Monat, die Partei bittet aber "dringend" um einen höheren Beitrag.
  • Als Richtwert gilt wie bei den Grünen 1 Prozent des Netto-Einkommens (AfD).
  • Die Junge Alternative verlangt 1,50 Euro pro Monat, bietet sich aber auch gestaffelt (von "Premium Bronze" bis "Platin") Beiträge bis 96 Euro an (Junge Alternative).

6. Piratenpartei

  • Jedes Mitglied zahlt 48 Euro im Jahr, also 4 Euro pro Monat. (Piraten)
  • Zusätzlich wird empfohlen, eine Spende in Höhe von 1% des Netto-Arbeitslohns zu entrichten.

7. FDP

  • Mitglieder sollen 0,5% ihres Bruttoarbeitslohnes bezahlen, mindestens aber 8 Euro pro Monat. Für Azubis, Renter o.ä. gibt es Sonderregelungen. (FDP)


Wie kann ich in der Partei etwas bewegen?

Wer Mitglied wird und einen Beitrag zahlt, unterstützt die Partei. Aber politisches Engagement geht weiter. So sehen beispielsweise erste Schritte in der SPD aus:

  • Wer sich engagiert, der tut das meist in seinem Ortsverein. Schließlich tritt man immer an seinem jeweiligen Wohnort in eine Partei ein.
  • "In unseren Ortsvereinen findet mindestens einmal im Monat ein Treffen statt", sagt Sebastian Jonscher. Er ist Kreisgeschäftsführer bei der SPD Hamburg-Mitte.
  • Dort geht es meist um ortsbezogene Themen: In Hamburg ist ein wichtiges Thema zum Beispiel der Ausbau von bezahlbarem Wohnraum. "Man kann darüber mitberaten, wo konkret Wohnungen entstehen", sagt Jonscher.
  • Die Ortsvereine verschicken auch Broschüren, in denen zum Beispiel Treffen von Arbeitskreisen und Diskussionsrunden mit Abgeordneten und Ministern angekündigt werden. "Bei solchen Veranstaltungen können auch schon mal politische Ideen gesammelt, zu Papier gebracht und an die verantwortlichen Abgeordneten gereicht werden", sagt Jonscher. Konkret findet in den nächsten Tagen ein "Forum Internationales" bei der Hamburger SPD statt. Dort könnte zum Beispiel auch über Donald Trump diskutiert werden.
  • Wie kann man sich im Bundestagswahlkampf engagieren? Die Klassiker sind: Flyer verteilen, an Infoständen stehen, von Haustür zu Haustür gehen, Plakate aufstellen. "Aber wer Social-Media-Kenntnisse hat, kann sich auch darum kümmern", sagt Jonscher. Jeder könne so viel Zeit investieren, wie er möchte. "Das ist wie bei einem Hobby, manche gehen dreimal die Woche aufs Laufband, andere weniger."
  • Schulung dafür, wie man Menschen auf der Straße anspricht und mit ihnen über politische Ideen und Wahlprogramme spricht, gibt es zumindest bei der SPD in Hamburg nicht. Natürlich könnten die jungen Mitglieder von denen lernen, die schon länger dabei sind, aber wie man agiert, sei jedem selbst überlassen. "Das Schöne ist ja, dass in einer Partei ganz unterschiedliche Menschen zusammen kommen – die 50-jährige Kassiererin mit dem 30-jährigen Rechtsanwalt", sagt Jonscher.
  • Wer dann später mehr Verantwortung übernehmen möchte, kann sich in Ausschüsse wählen lassen und dann selbst erste Entscheidungen treffen.


Haha

Verstehst du Marketing-Bla?

Hast du schon mal ein Praktikum in einer Marketing-Agentur gemacht? Oder gerade angefangen, als Berater zu arbeiten? Englisch und Französisch waren in der Schule für dich ein Klacks, aber was die neuen Kollegen da von sich geben: KEINE AHNUNG!

Sie wollen mehr Awareness generieren, asap etwas schicken und den Footprint sweaten. Bitte was?

Hier kannst du testen, wie gut du den Phrasen-Bullshit beherrschst!