Bild: dpa / Kay Nietfeld

Er ist der größte Herausforderer von Angela Merkel: Martin Schulz. Die SPD hat ihn am Sonntag bei der Vorstandsklausur in Berlin zum Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden nominiert, kurz nachdem Sigmar Gabriel seinen Verzicht auf beide Posten bekanntgegeben hatte und zum Außenminister ernannt wurde (bento).

Schulz war jahrelang der Präsident des EU-Parlaments – dort war er dafür bekannt, klar zu sagen, was er denkt. Nun gilt er als Hoffnungsträger im Kampf gegen den wachsenden Rechtspopulismus in Deutschland und für ein vereintes Europa.

Seine Parteikollegen stehen hinter ihm, in den Umfragen liegt Schulz nur knapp hinter Kanzlerin Angela Merkel (ZDF). "Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam einen super Wahlkampf machen", schreibt Schulz auf seiner Facebook-Seite in einem Beitrag.

In Berlin wandte sich Schulz in einer Rede direkt an die Bürger. Das sind seine wichtigsten Sätze:
Wir werden die Wahlen in diesem Jahr richtig spannend machen.

Überall sei eine Aufbruchsstimmung zu spüren, sagte Schulz – nicht nur in Berlin, sondern im ganzen Land. In der Partei spüre er neue Hoffnung.

Sigmar, du bist mein Freund – und ein toller Typ.

Mehrmals betonte Schulz seine tiefe Verbundenheit zu seinem Kollegen Sigmar Gabriel. Schulz sagte, er sei sich sicher, dass Gabriel ein "hervorragender Außenminister" werde, und dass er sich freue, dass beide in den vergangenen Monaten "so eng beinander geblieben" seien.

Es geht ein tiefer Riss durch unsere Gesellschaft.

Schulz wies auf die politischen Entwicklungen in Europa hin: Rechtspopulistische Parteien und Bewegungen würden stärker, die Menschen würden das Vertrauen in Politiker verlieren. Dieses müsse man zurückgewinnen.

Die Menschen, die den Laden am Laufen halten, haben Respekt verdient.

Es sei nicht richtig, dass Menschen, die in ländlichen Regionen leben, noch immer nicht die gleichen Perspektiven hätten wie Menschen, die in Metropolen leben. In der medizinischen Versorgung, bei der Vergabe von Kita-Plätzen und in der Infrastruktur gäbe es eine Menge zu verbessern, sagte Schulz.

Ich scheue keinen Konflikt.

Auch in der Vergangenheit hat Schulz schon gezeigt, dass er klar ausspricht, was er denkt – zum Beispiel hier. Allerdings, so Schulz: Politischer Meinungsstreit dürfe nicht zu Häme, Spott oder Verachtung führen. Der fehlende Anstand in der Debatte habe ihn im vergangenen Jahr "zutiefst erschreckt".

Rattenfänger versuchen, auf dem Rücken der Flüchtlinge politisches Kapital zu schlagen. Das ist abstoßend.

Rechtspopulistische Parteien hetzen mit Fremdenhass und Flaschmeldungen gegen Flüchtlinge, um so Wähler zu gewinnen. Schulz distanzierte sich in seiner Rede immer wieder davon.

Unser Land kennt Krieg, Diktatur und Verfolgung.

In seiner Rede erinnerte Schulz an die Zeiten, in denen Deutsche vor Folter fliehen mussten – und mahnte, diese Zeiten nicht zu vergessen, weiterhin zu gedenken.

Wer sich in Deutschland nicht an die Regeln hält, muss mit dem vollen Strafmaß rechnen.

Schulz machte klar, dass er Schutzsuchenden einerseits Hilfe gewähren möchte. Andererseits sagte er, dass er für eine faire Verteilung der Flüchtlinge stehe – diese sich aber integrieren und an deutsche Gesetze halten müssten.

Dass ein US-Präsident Mauern hochzieht und Menschen mit Beeinträchtigungen mit gefährlichen Äußerungen attackiert – das ist ein Tabubruch, der unerträglich ist.

Schulz kritisierte die neue US-Regierung mit deutlichen Worten. Und er distanzierte sich von den Rechtspopulisten in Europa, verurteilte Marine Le Pen, Frauke Petry und Alexander Gauland scharf. Die AfD sei eine "Schande für die Bundesrepublik".

Wir werden in diesem Wahlkampf fair mit den politischen Wettbewerbern umgehen.

Schulz warb für ein überparteiliches "Fairnessabkommen", das den Einsatz von Social Bots verbiete und Fake News bekämpfe. Mit politischen Wettbewerbern müsse man respektvoll umgehen, damit sich der Wahlkampf hierzulande grundlegend von dem in den USA unterscheide.

Ich schäme mich nicht dafür, dass ich aus Würselen komme.

Immer wieder machte Schulz sich für diejenigen stark, die nicht in Großstädten zu Hause sind: Er selbst komme aus einer Provinz in Nordrhein-Westfalen – und könne bestens einschätzen, wie es im Dorf zugehe. Er sei ein Sohn "einfacher Leute", habe immer lieber auf dem Sportplatz Fußball gespielt, als in die Schule zu gehen.

Ich weiß, wie gut es sich anfühlt, wenn die Freunde und Familie einen wieder aufrichten.

Schulz fand auch sehr persönliche Worte: In den Tiefpunkten seines Lebens habe er stets Leute um sich gehabt, die ihm eine zweite Chance ermöglichten. Dafür sei er dankbar.


Und du? Was denkst du über Martin Schulz?


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