Bild: Kay Nietfeld/dpa

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz hat es gerade nicht leicht. Beim TV-Duell gegen Merkel fanden ihn viele schlapp, in den Umfragen liegt er deutlich hinter ihr. Am Dienstag hatte er die Möglichkeit, wenigstens bei jungen Wählern zu punkten: Schulz war zum Interview bei vier Youtubern.

Das klappte ziemlich gut: Bei den Themen Digitalisierung, Cannabis-Legalisierung und Umweltschutz lieferte Schulz gute Ideen.
Das sind die vier YouTuber, die Schulz interviewt haben: 
  • Marcel Scorpion, eigentlich Marcel Althaus, macht Gaming- und Blödelvideos
  • ItsColeslaw, Lisa Sophie, die Alltagsprobleme behandelt
  • Nihan, Nihan Sen, vloggt vor allem über Beauty-Themen
  • MrWissen2Go, Mirko Drotschmann, erklärt Wissenschaft und Forschung

Den Livestream verfolgten rund 15.000 Zuschauer. Hier kannst du ihn dir nachträglich ansehen.

(Und zu unserer Analyse zu Merkels YouTube-Interview kommst du hier.)

  • Was gut war: Schulz kam sympathisch rüber und wirkte, als ob er sich wirklich für die vier Youtuber interessierte. Es ging nicht nur um Terror und Flüchtlinge, sondern viel mehr um Identität und Zusammenwachsen. Mesut Özil und Jerome Boateng sind für Schulz deutsche Vorbilder.
  • Was schlecht war: Bei all der Freundlichkeit ging es manchmal zu weit. Schulz forderte mehrmals auf, doch gerne ihn zu wählen, wenn man was verändern möchte. Das wirkte manchmal peinlich, manchmal gar verzweifelt. 
  • Was komisch war: Anbiedern dürfte Schulz eigentlich gar nicht nötig haben, wenn sein Freundeskreis so groß ist, wie er sagt. Zu beinahe jeder Frage hatte er eine Anekdote parat: "Da kenne ich einen Freund, dem geht es so..."
Bei vielen Themen blieb es allgemein. Aber bei drei Punkten hatte Schulz konkrete Vorschläge. 

Sie sind vor allem für junge Wähler interessant:

DIGITALISIERUNG – Schulz möchte "Digitale Bildung" zum Pflichtfach machen. Und zwar schon in der Grundschule. Er sagt: "Die Digitalisierung bestimmt unser Leben, also muss der Umgang damit erlernt werden."
LEGALISIERUNG VON CANNABIS – Schulz ist trockener Alkoholiker und als solcher gegen Rauschmittel. Aber er will die Abstimmung zur Legalisierung im Bundestag freigeben. Die Entscheidung soll zur Gewissensfrage werden wie bei der Ehe für alle.
NACHHALTIGKEIT – Schulz nennt sich selbst einen "Nachhaltigkeits-Pedanten" und will sich dafür einsetzen, dass die Massentierhaltung in Deutschland ein Ende hat – dies sei eine Schande. Außerdem empfiehlt er, öfter zu Fuß zu gehen und das Auto weniger zu nutzen.
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Und sonst?

Als er nach seiner größten Jugendsünde gefragt wurde, wurde Schulz verlegen: 

"Um Gottes willen. Da schäme ich mich jetzt."

Die Allerschlimmste könne er zwar nicht erzählen, die Zweitschlimmste geht aber: Als Jugendlicher sei er mal in einer durchzechten Nacht ins Freibad eingestiegen und hätte ein ganzes Paket Waschpulver ins Becken gestreut. Ein Glück konnte er schnell rennen – denn nur so sei er der Polizei entkommen.

Hier gibt's mehr zur Bundestagswahl:


Gerechtigkeit

Nürnberg erpresst die AfD – weil die Stadt keinen Bock auf Gauland hat

Am kommenden Samstag will die AfD die Meistersingerhalle in Nürnberg für eine Wahlkampfveranstaltung nutzen. Die Stadt Nürnberg hatte das ursprünglich erlaubt, jetzt will sie das Event wieder verbieten. Denn die Stadt will nicht, dass der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland dort auftritt.

Damit beide Seiten doch noch zusammenkommen, erpresst Nürnberg die rechte Partei nun: Wenn Gauland weg bleibt, dürfen die anderen AfD-Mitglieder die Halle nutzen.

Das hat die Stadt der AfD in einem Schreiben mitgeteilt, das dem Bayrischen Rundfunk vorliegt.