Bild: bento / dpa

Inszenierung gehört zur Politik wie die Salz auf die Brezn und Bier in die Maß, das weiß Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident und ein König der politischen Selbstinszenierung. 

Einer seiner Lieblingskanäle dafür ist Instagram. Nur wenige Politikerinnen und Politiker haben mehr Follower als er, schon früh hat er die Fotoplattform gekonnt zur Bühne gemacht. 

Aber egal, wie durchdacht und gestellt eine Inszenierung ist: Sie verrät immer auch etwas über denjenigen, der sie erschafft.

Wenn man sich durch Söders Feed scrollt, dann fallen immer die gleichen Muster auf. Jetzt, im Wahlkampf, gibt es natürlich oft den Bierzelt-Söder, Mann des Volkes, von Menschen umringt. 

Grundsätzlich aber zeigt Markus Söders Instagram-Account immer wieder ähnliche Motive, die Söder nutzt, um sich in Szene zu setzen und ein Bild von sich zu vermitteln. 

1. Söder mit Tieren

Hier präsentiert sich der tierliebe Ministerpräsident – mit dem bayerischen Löwenbaby zeigt er uns seinen Beschützerinstinkt, mit Lamm im Arm und Schäferhut auf dem Kopf zeigt er seine Verbundenheit zur Natur.

1/12

2. Söder mit Promis

Um Weltgewandheit zu beweisen, helfen natürlich Gastauftritte auf Söders Insta-Account. So kann er beweisen: Er kennt nicht nur die Reichen und Schönen – nein, sie kennen ihn auch! Und wer da alles dabei ist: Königin Maxima aus den Niederlanden, Kiefer Sutherland und sogar der Papst. Toll! 

1/12

3. Söder mit Faschingskostüm

Haha, der Markus, der kann ja auch lustig sein – und so volksnah! Da kommt er doch tatsächlich als Homer Simpson zur Fastnacht in Franken. Oder als Stoiber! Potzblitz!

1/12

4. Söder mit "Star Wars"- oder "Star Trek"-Gegenständen

Ein Popkultur-Nerd ist er auch noch, mit so jemandem würde man doch gern mal über die richtige Reihenfolge der Filme diskutieren!

1/12

Söder nutzt Instagram also im Grunde wie jeder ordentliche Promi oder Möchtegern-Influencer – um Nähe zu suggerieren, wo keine ist. Allerdings passiert ihm dabei das Gleiche wie vielen anderen auch: 

Er tappt in die Narzissmus-Falle – und verrät damit, dass ihm nur eines wirklich wichtig ist: Markus Söder!

Denn eigentlich geht es hier ja nur um eine Person, nämlich den wichtigsten Mann Bayerns – der dann irgendwie doch nicht wie jeder Mensch aus dem Volk sein will. 

1/12

Auch sein Einsatz von Hashtags zeigt, dass Söder gern um sich selbst kreist: Mehr als 700 seiner rund 2000 Instagram-Posts sind mit #Soeder getaggt. Zum Vergleich: Bei Christian Lindner etwa führt #wahlkampf, bei CSU-Kollegin Dorothee Bär ist es #heimat. Ihre eigenen Namen finden sich gar nicht unter den Top-Hashtags. 

Besonders gut gefällt es ihm auch, wenn irgendwo sein Name oder sein Gesicht drauf steht. Die Junge Union verpasste dem bayerischen Raumfahrtprogramm "Bavaria One" ein Logo mit Söders Konterfei darauf. Der Ministerpräsident verbreitete das Bild völlig ironiefrei auf Facebook, Twitter und Instagram – dafür gab es reichlich Häme (bento). Produkte wie Söder-Tee müssen natürlich sofort bei Instagram gepostet werden. Denn: "Söder-Tee trinken entspannt😄". Klar auch, dass es beim Sonntags-Stammtisch mit Edmund Stoiber "Söder-Wasser" gibt.

1/12

Söder war das eigene Bild in der Öffentlichkeit schon immer wichtig und auch schon früher versuchte er stets, sich zu inszenieren: 2012 wurde bekannt, dass er sich beim ZDF über die Berichterstattung über die CSU beschwerte. Zudem habe er versucht, auf die Gästelisten politischer Talkshows Einfluss zu nehmen (SPIEGEL ONLINE). Drei Jahre später spielte er in der Vorabendserie "Dahoam is Dahoam" mit und durfte dabei unverhohlen Werbung für sich machen – dafür hagelte es heftige Kritik (Süddeutsche Zeitung).

Geschadet hat ihm das damals nicht, im Gegenteil: Jahrelang hat Söders Strategie der Selbstinszenierung ihm bei seinem Aufstieg in der CSU geholfen – doch ausgerechnet jetzt, wo er an seinem Ziel angekommen ist, wo er seit einem halben Jahr in der bayerischen Staatskanzlei sitzt, scheint sie nicht aufzugehen. Aus einer Umfrage ging Söder Anfang August als der unbeliebteste Ministerpräsident Deutschlands hervor, nur 31 Prozent waren mit seiner Arbeit zufrieden. (Zeit Online)

Tatsächlich kommt auf die CSU ein Debakel zu: Bei einer aktuellen Umfrage steht sie bei gerade einmal 33 Prozent – das wäre das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl seit 1950. (SPIEGEL ONLINE)

Klar, auch Bundesinnenminister Horst Seehofer hat mit seinen Alleingängen das Vertrauen in die Regierung und auch in die CSU verspielt. Aber Markus Söder trägt zu der Misere der Partei bei – er scheint keinen Zugang zu den Wählerinnen und Wählern zu finden, egal, wie viel Mühe er sich gibt, humorvoll, tierlieb und volksnah zu wirken. 

Eine Inszenierung ist erfolgreich, wenn sie etwas transportiert, wenn sie überzeugt. Doch das, was Söder von sich zeigen will, ist nicht das, was er über sich verrät.  Statt eines gutmütigen Landesvaters wirkt er wie ein selbstverliebter Thronfolger. 

Hilfreich für die Wählerinnen und Wähler kann das trotzdem sein – schließlich erfährt man so mehr über Söder. 

Denn vielleicht wünschen sich manche einfach keinen Ministerpräsidenten, der vor allem einem am nächsten zu sein scheint: sich selbst.

Du möchtest wissen, was am Wahltag in Bayern los ist, wer am Ende vorne liegt – und wie die Stimmung in Bayern ist? Dann melde dich an für unseren Wahlchat bei WhatsApp.

Wir starten am Sonntag um 12 Uhr und enden am Abend nach den ersten Hochrechnungen. In dieser Zeit wird der Spitzenkandidat der Partei "Die Partei", Lukas Fitz, die Bayernwahl mit uns in einer WhatsApp-Gruppe begleiten. Du kannst dort Fragen stellen oder einfach mitlesen.

Bitte beachte:

  • Die Teilnehmerzahl ist auf 100 begrenzt.
  • Deine Telefonnummer kann von allen anderen Chatteilnehmern gesehen werden.
  • Der Experten-Chat richtet sich an Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren.
  • Auszüge aus dem Chat werden anonym auf bento.de veröffentlicht.

Wir freuen uns auf euch!


Today

Paragraf 219a: Gericht hält am Urteil gegen Ärztin fest
Justizministerin Katarina Barley kündigt Reform an

Paragraf 219a stellt das Werben für Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe – darunter fallen auch Infos auf Webseiten von Ärztinnen und Ärzten. Genau aus diesem Grund verurteilten Richter die Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe. Am Freitag scheiterte Hänel mit ihrer Berufung. Vor dem Gericht hatten mehr als hundert Menschen für sie und gegen den Paragraf 219a protestiert.

Justizministerin Katarina Barley (SPD) kündigte eine Reform des Gesetzes noch im Herbst an.

Bisher hatten sich CDU und CSU gegen eine Abschaffung des Paragrafen 219a ausgesprochen. Barley geht aber nun davon aus, dass die Große Koalition eine Lösung findet: 

  • "Ärztinnen und Ärzte brauchen hier dringend Rechtssicherheit", damit sachliche Information möglich sei, sagte Barley. (WAZ)
  • Sie vertraue auf das Wort von Kanzlerin Angela Merkel, "eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden." Barley leitet eine Gruppe von Kabinettsmitgliedern, die einen Kompromiss aushandeln soll.

Worum ging es im Fall Hänel?

Das Gießener Amtsgericht hat die Allgemeinärztin Kristina Hänel vergangenen November zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie auf ihrer Homepage darüber informiert, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführt. 6000 Euro soll sie dafür zahlen. Das Gericht argumentierte, dass Hänel nicht nur über Schwangerschaftsabbrüche informiert habe, sondern auch angegeben haben soll, Abbrüche gegen entsprechende Kosten durchzuführen. Somit handle es sich um Werbung.