Bild: Reuters/Pascal Rossignol

Marine Le Pen hat große Chancen, die nächste französische Präsidentin zu werden. Im ersten Wahlgang am Sonntag stimmten 21,4 Prozent der Franzosen für die Chefin des rechtsextremen Front National (FN). Damit schaffte es Le Pen in die Stichwahl am 7. Mai, dort wird sie gegen den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron antreten. (bento)

Den Namen Marine Le Pen kennt man, die FN-Chefin mischt die französische Politik seit Jahren auf, ist über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Aber wer ist diese Person? Woher kommt sie? Wofür steht sie?

Wir haben acht Dinge über Marine Le Pen gesammelt, die du vielleicht noch nicht wusstest:
1. Sie überlebte ein Attentat auf ihren Vater

Am 2. November 1976 explodierte in der Pariser Wohnung der Familie Le Pen eine Bombe. Es war ein Anschlag auf Marines Vater, Jean-Marie Le Pen, der vier Jahre zuvor den Front National mitgegründet hatte und seitdem dessen Vorsitzender war. 

Marine Le Pen, damals acht Jahre alt, war zuhause, als der Anschlag passierte. Sie wurde nicht verletzt; trotzdem prägte der Vorfall ihr politisches Bewusstsein. In ihrer Autobiographie "À contre flots" schreibt Le Pen: 

"Damals, in einer Zeit, in der ich noch mit Puppen spielte, entwickelte ich ein Bewusstsein für diese schreckliche, für mich unverständliche Sache: Mein Vater wird nicht so behandelt wie andere, wir werden nicht so behandelt wie andere."

(BloombergL'OBShistorisches Video bei ina.fr)

2. Sie heißt eigentlich anders

Ihr voller Name lautet Marion Anne Perrine Le Pen. Sie wurde am 5. August 1968 in Neuilly-sur-Seine im Departement Hauts-de-Seine geboren. Le Pen ist die jüngste Tochter von Jean-Marie Le Pen, sie hat zwei ältere Schwestern. (Le Point, TV5 Monde)

3. Sie ist ein echtes "Papa-Kind"

Als Marine Le Pen 16 Jahre alt war, verließ ihre Mutter die Familie. Die Eltern ließen sich scheiden, der Kontakt zur Mutter brach ab. Dafür entwickelte Le Pen eine umso engere Beziehung zu ihren Schwestern – und zu ihrem Vater. Im April 2004 sagte sie im Fernsehsender TV1: 

"Man wird als Tochter von Le Pen geboren, man stirbt als Tochter von Le Pen. Er ist der Mann meines Lebens. Er hat die Frau erschaffen, die ich bin."

(Bloomberg, TV5 Monde)

Marine Le Pen mit ihrem Vater Jean-Marie Le Pen(Bild: Reuters/Robert Pratta)
4. Sie stieg mit 29 aus dem Job aus, um Politikerin zu werden

Marine Le Pen studierte Rechtswissenschaften an der Universität Panthéon-Assas in Paris und arbeitete sechs Jahre lang als Anwältin, von 1992 bis 1998. Danach widmete sie sich ganz der Politik und dem Front National: 1998 gewann sie ihre erste Wahl und wurde Mitglied des Regionalrats von Nord-Pas-de-Calais.

Es folgten weitere politische Posten: 2004 zog Marine Le Pen ins Europäische Parlament ein, 2007 wurde sie stellvertretende Vorsitzende des Front National, 2011 schließlich dessen Vorsitzende. Das ist sie bis heute – und nun zum zweiten Mal auch Präsidentschaftskandidatin. (Website des Europäischen Parlaments, Bloomberg, TV5 Monde)

5. Sie warf ihren Vater aus dem Front National

Der Grund: Jean-Marie Le Pen stand seiner Tochter im Weg. Marine Le Pen wollte den Front National wählbar machen, ihn vom rassistischen, antisemitischen Image ihres Vaters befreien. Der aber weigerte sich, sich und seine Wortwahl zu mäßigen. In einem Fernsehinterview im April 2015 bezeichnete er die Gaskammern der Nazis als "Detail der Geschichte". Es folgte ein Machtkampf zwischen Vater und Tochter; im August 2015 ließ sie ihn aus der Partei werfen.

Marine Le Pen versucht schon lange, den Front National gemäßigter und moderner erscheinen zu lassen – und das hat sie geschafft: Unter ihr wurde der FN zu Frankreichs dritter Volkspartei. Bei den Europawahlen 2014 wurde er mit 24,86 Prozent sogar stärkste Kraft.

Trotzdem: In ihren Forderungen ist und bleibt Marine Le Pen radikal. Sie will die nationale Identität Frankreichs stärken, die Einwanderung (oder wie sie sagt: "Invasion") begrenzen und aus EU und Euro aussteigen. (BpB, SPIEGEL ONLINE, Website des EU-ParlamentsBloomberg)

6. Sie gilt als eine der einflussreichsten Mitglieder des EU-Parlaments

Die Website Politico veröffentlicht regelmäßig eine Liste der 40 wichtigsten Mitglieder des Europäischen Parlaments. Im Jahr 2016 stand Marine Le Pen an zweiter Stelle, direkt hinter dem damaligen Parlamentspräsidenten Martin Schulz. In der Liste für 2017 wird sie auf Platz 5 gelistet. Und das als glühende EU-Feindin.

Als Abgeordnete des EU-Parlaments genießt Marine Le Pen Immunität. Im März entschied das Parlament mit großer Mehrheit, ihr diese Immunität zu entziehen. Damit wurde der französischen Justiz ermöglicht, eine Strafverfolgung gegen sie aufzunehmen. Der Grund: Le Pen hatte Ende 2015 Fotos von Opfern des "Islamischen Staats" über Twitter verbreitet; die Veröffentlichung solcher gewaltverherrlichenden Bilder ist in Frankreich strafbar. (bento)

7. Sie kritisiert das "System" – und lässt sich selbst von einem Mitglied des Systems beraten

Das "System" ist eines der größten Feindbilder von Marine Le Pen. Sie meint damit die politische Elite, "La caste", die nur ihre eigenen Interessen verfolge und sich nicht für die Bürger interessiere. Zu dieser Elite zählt sie neben Politikern und Journalisten zum Teil auch die Justiz. ("Libération")

Nur: Einer ihrer engsten Berater (und Vizepräsident des FN) ist selbst ein Produkt dieses Systems. Florian Philippot besuchte die "École Nationale d'Administration" (ENA), eine Elitehochschule in Straßburg, an der traditionell Präsidenten, Premierminister, Minister und Botschafter ausgebildet werden. ("The Guardian")

Le Pen soll bei der ersten Begegnung mit Philippot genau deshalb skeptisch gewesen sein, ließ sich aber von ihm überzeugen. In den folgenden Jahren half Philippot ihr, den FN in die Partei zu verwandeln, die er heute ist. (Bloomberg)

Was für einen FN-Politiker außerdem überrascht: Philippot ist schwul. FN-Mitgründer Jean-Marie Le Pen hatte Homosexualität einst als "biologische und soziale Anomalie" bezeichnet (France Info). Unter Marine Le Pen tritt der FN – zumindest nach außen hin – zwar weniger homophob auf, doch auch sie will die Ehe für alle abschaffen (BpB, "Libération").

Marine Le Pen mit ihrem Berater Florian Philippot(Bild: Reuters/Jacky Naegelen)
8. Sie hat ihr eigenes Comic

"La Présidente" (auf Deutsch: "Die Präsidentin") wagt einen Blick in die Zukunft, genauer gesagt in die Zeit nach der Stichwahl am 7. Mai 2017: Der französische Historiker François Durpaire beschreibt darin auf Basis des FN-Programms die ersten 200 Tage einer potenziellen Präsidentin Marine Le Pen

Der Claim: "Niemand soll sagen können, er habe von nichts gewusst". Illustriert hat die Graphic Novel Farid Boudjellal, einer der bekanntesten französischen Comicautoren und -zeichner.

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