Marc Gasol war an Bord eines Rettungsschiffes – fünf Antworten zum Drama im Mittelmeer.

Die Nichtregierungsorganisation "Proactiva Open Arms" prangert einen schweren Verstoß gegen die Pflicht zur Seenotrettung im Mittelmeer an. Den Flüchtlingshelfern zufolge hat die libysche Küstenwache in internationalen Gewässern zwei Frauen und ein Kind auf einem Schlauchboot im Stich gelassen. Eine Frau und das Kind seien verstorben.

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Was hat Marc Gasol damit zu tun?

  • Der spanische NBA-Spieler Marc Gasol wurde laut eigener Aussage Zeuge, wie die zweite Frau gerettet wurde.
  • Gasol ist mit dem Gründer von "Proactiva Open Arms" befreundet.
  • Der Basketballer war bei dem Einsatz der Seenotretter dabei und sagte der spanischen Zeitung "El País", dass "Open Arms" ein Gespräch zwischen einem libyschen Patrouillenboot und einem Handelsschiff namens "Triades" mitgehört habe.
  • Das Patrouillenboot soll demnach Schiffbrüchige nach Libyen zurückgebracht und zuvor das Boot zerstört haben, in dem die Migranten zwei Tage und zwei Nächte verbracht hatten.
  • Allerdings hätten die Libyer mindestens drei Personen in dem Wrack zurückgelassen.

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Was soll genau passiert sein?

(Bild: dpa/Olmo Calvo)

Open Arms sei mit seinem Schiff "Astral" habe am frühen Morgen ein halb versenktes Schlauchboot entdeckt:

"Anfangs dachten wir, es sei niemand mehr am Leben. Aber als wir näherkamen, haben wir eine Frau gesehen. Sie klammerte sich mit einer Hand an ein Stück Holz, das gerade mal einen halben Meter lang war."

Die Überlebende stamme laut eigener Aussage aus Kamerun. Ihr Name sei Josephine. Außer ihr habe man die Leichen einer Frau und eines kleinen Kindes gefunden. Gasol, der zwei Kinder hat, zeigte sich erschüttert:

Du siehst diesen toten Menschen und weißt, dass er einmal das Zentrum der Welt in irgendjemandes Leben war. Und jetzt ist er weg.
Marc Gasol

Der Sportler nannte den derzeitigen Umgang mit Flüchtlingen im Mittelmeer "unmenschlich und kriminell". Die Situation der Retter, der Mangel an Menschlichkeit und die Verachtung für die humanitären Helfer seien frustrierend, sagte Gasol. "Ich fühle Wut und Hilflosigkeit. Die Menschen müssen gerettet werden." Von "Open Arms" hieß es, jeder Tote sei eine direkte Folge der Weigerung der italienischen Regierung, Flüchtlinge aufzunehmen.

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Wie ist die Situation im Mittelmeer?

Italiens neue Populisten-Regierung fährt seit Wochen einen harten Kurs in der Flüchtlingspolitik. Im laufenden Jahr sind etwa 80 Prozent weniger Flüchtlinge angekommen als in den ersten sieben Monaten 2017. Insgesamt sind bis Mitte Juli knapp 51.000 Menschen übers Mittelmeer nach Europa gekommen.

"Die Situation ist dramatisch", sagte Claus-Peter Reisch, der Kapitän des Seenotretters "Lifeline", dem Deutschlandfunk. Derzeit seien nur die zwei spanischen Schiffe "Open Arms" und "Astral" zur Flüchtlingsrettung unterwegs. "Es werden aber dringend weitere Schiffe dort gebraucht. Gestorben wird reichlich."

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Was passiert mit dem deutschen Seenotretter?

(Bild: dpa/ Axel Steier/Mission Lifeline)
  • Reisch muss sich in Malta vor Gericht verantworten – offiziell, weil sein Schiff nicht ordnungsgemäß registriert gewesen sein soll.
  • Inoffiziell wirft man ihm vor, sich bei der Rettung von Flüchtlingen behördlichen Anweisungen widersetzt zu haben.
  • Die "Lifeline" hatte vor etwa drei Wochen 234 Flüchtlinge vor der libyschen Küste gerettet.
  • Weil Italien und Malta ein Anlegen verweigerten, kreuzte das Schiff tagelang im Mittelmeer.
  • Schließlich durfte es doch in Malta anlegen, wurde aber dort von den Behörden beschlagnahmt.

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Wie ordnet der "Lifeline"-Kapitän die Lage ein?

Reisch geht im aktuellen Rettungsfall davon aus, dass sich die zwei Frauen weigerten, das libysche Boot zu besteigen und zurück nach Libyen gebracht zu werden. "Wenn man weiß, was in Libyen passiert, in diesen Lagern, dann kann man das auch gut verstehen." Libyen sei ein "extrem gefährliches, unsicheres Land". Dennoch dürfe niemand zurückgelassen werden:

So was ist einfach Mord.
Claus-Peter Reisch

Laut Reisch gehen die Todeszahlen derzeit "raketenartig nach oben". Diesen Monat seien es bereits mehr als 700 Tote.

Der Juli wird als der tödlichste Monat in die Geschichte der Seenotrettung vor der libyschen Küste eingehen.
Claus-Peter Reisch

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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