"50 Menschen gucken neugierig."

In einer vollen Straßenbahn kippt ein Mann um, bleibt liegen. Drumherum sitzen und stehen Menschen – und schauen zu. 

Dieses Szenario hat "Kopfende" angeblich erlebt – und auf Twitter beschrieben, wie es weiterging. Er gibt an, beim Rettungsdienst zu arbeiten, und wurde offenbar von einem der Menschen, die in dieser Bahn saßen, gerufen – allerdings viel zu spät. 

In seinen Tweets kritisiert "Kopfende" das ignorante Verhalten der Leute, die keine Erste Hilfe leisteten. Obwohl es offenbar um Leben und Tod ging, der Mann am Boden sich nicht mehr geregt habe, wäre nur eine einzige Person auf die Idee gekommen, etwas zu unternehmen, schreibt "Kopfende":

Was genau der Mann hatte, geht aus den Tweets nicht hervor. Wann und wo sich der Vorfall ereignete, ist ebenfalls unklar – in einem späteren Tweet gibt "Kopfende" allerdings an, er twittere Einsätze grundsätzlich nicht live, um Patienten zu schützen. Die Geschichte sei schon eine Weile her. 

Ob es wirklich so passiert ist, wie "Kopfende" es in seinen Tweets erzählt, könne nicht nachvollzogen werden, heißt es bei der Bundespolizei. In den Straßenbahnen des Landes komme es täglich zu Zwischenfällen. "Kopfende" selbst hat auf eine bento-Anfrage bisher nicht geantwortet.

Doch mit seinen Tweets hat er eine Diskussion in Gang gebracht, die Tausende beschäftigt. Sie teilen und kommentieren – und sprechen über die Frage, wie es in unserer Gesellschaft überhaupt soweit kommen kann, dass Menschen nicht versuchen, Erste Hilfe zu leisten, wenn dies offenbar nötig ist.

"Dieser Mensch hätte vielleicht leben können", schreibt "Kopfende". "Wenn Sie etwas getan hätten. Sie haben wahrscheinlich gedacht, ein anderer wird schon. Hat aber keiner. Oder hatten Angst, etwas falsch zu machen."

Kann das sein? Helfen Menschen aus Angst nicht?

Tatsächlich trauen sich viele nicht, in Notsituationen Erste Hilfe zu leisten. Das zeigen Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI): Bei mehr als 50.000 Menschen in Deutschland bleibt demnach jedes Jahr das Herz stehen, während sie nicht in einem Krankenhaus sind. Doch nur jeder Dritte bekommt sofort Hilfe von Laien. Laut Rechnungen der DGAI würden pro Jahr 10.000 Menschen mehr eine Herzattacke überleben, wenn mehr Laien reanimieren würden. (SPIEGEL ONLINE

Wegschauen, weitergehen, gaffen oder einfach nur tatenlos dabei sein: Wer mitbekommt, dass jemand Hilfe braucht, der ist nach dem Gesetz dazu verpflichtet, sie auch zu leisten. 

Das sieht der Paragraf zur unterlassenen Hilfeleistung (§ 323c StGB) im Strafgesetzbuch vor: In einer Notsituation muss man alles unternehmen, was zur Rettung erforderlich und möglich ist. Es sei denn, andere sind gerade dabei oder haben das bereits getan – nur in diesem Ausnahmefall kann es hilfreicher sein, Abstand zu wahren, um den anderen nicht im Weg zu stehen. (tagesschau.de)

Und wie genau verhalte ich mich im Notall?

Die DGAI erklärt es. Wenn eine Person zusammenbricht, sind drei Dinge wichtig:

  1. Prüfen. Sprich die Person an, schüttel sie an den Schultern, achte auf die Atmung. Reagiert die Person?
  2. Rufen. Ruf 112 an – oder veranlasse eine andere Person zum Notruf.
  3. Drücken. Mach den Brustkorb der Person frei. Leg den Ballen deiner Hand auf die Mitte der Brust, den Ballen der anderen Hand darüber. Verschränke die Finger. Halte die Arme gerade und geh senkrecht mit den Schultern über den Druckpunkt, so kannst du Kraft ausüben. Drück das Brustbein 5 bis 6 cm nach unten. Drück 100- bis 120-mal pro Minute. Hör nicht auf, bis Hilfe eintrifft. 

Bei größeren Unfällen, zum Beispiel bei einem Auto-Unfall, können weitere Maßnahmen wichtig sein. Das Deutsche Rote Kreuz hat sie hier aufgeschrieben.


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Der französische Präsident sichert den Kurden Unterstützung zu – gegen Erdogan

Seit mehr als sieben Wochen kämpft die türkische Armee in Syrien. Unter dem Kommando des türkischen Präsidenten Erdogan geht das Militär im umkämpften Nachbarland brutal gegen Kurden vor. Erst vor wenigen Tagen nahmen die Türken die Stadt Afrin ein, Hochburg der Kurden in Syrien. (bento

Nun hat Frankreichs Präsident Macron sich mit den kurdischen Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte, SDF, getroffen und ihnen seine Unterstützung zugesagt. Bei seinem Empfang in Paris nannte der die Rolle der SDF "entscheidend" im Kampf gegen den IS. Zuvor hatte Frankreich kurdische Kämpfer in der Region mit Waffen ausgestattet und eigene Spezialkräfte stationiert. (Tagesschau)

Der türkische Vizeministerpräsident nannte die französische Hilfszusage "irrational" und drohte, dass Verbündete der Kurden ebenfalls "zum Ziel der Türkei werden könnten". Der türkische Präsident Erdogan sprach davon, dass Frankreich sich "mit Terroristen ins Bett" lege. (SPIEGEL ONLINE)