Trollen für Fortgeschrittene – direkt vor Theresa Mays Haustür

Im Jahr 2016 waren 52 Prozent der Menschen im Vereinigten Königreich der Meinung, dass sie ohne die Europäische Union besser dran wären: Sie stimmten für den Brexit. (bento, 2016)

Doch seit der Abstimmung kommen bei vielen Briten immer mehr Zweifel auf, dass der Brexit eine gute Entscheidung war. Auf einmal bekommt die einst so verhasste Union immer mehr Zuspruch. (bento)

Wie sehr manche Briten an der EU hängen, wurde jetzt bei den Neujahrsfeierlichkeiten in London deutlich zur Schau gestellt. Denn die wurden – unerwarteter Weise – zu einer Feier der Europäischen Union.

Was ist in London passiert?

Die Stadt London veranstaltet zum Jahreswechsel ein großes Feuerwerk in der Innenstadt. Dieses Jahr wurden dafür 2,3 Millionen Pfund, also etwa 2,5 Millionen Euro aufgewendet. Etwa 100.000 Menschen kamen, um die Show zu sehen. (Mirror)

Doch statt der üblichen bunten, aber harmlosen Raketen erwartete die Besucherinnen und Besucher dort dieses Jahr eine überraschend politische Show. Londons Bürgermeister Sadiq Khan nutzte das Event, um ein Statement für die EU zu machen.

Khan, Mitglied der britischen Labour Partei, ist dafür, dass die Briten erneut über den Brexit abstimmen – anstatt die EU, wie Premierministerin Theresa May es derzeit plant, 2019 zu verlassen. 

Wie sah das Pro-EU-Statement aus?

Direkt bei der Eröffnung der Show machte Khan seinem Unmut über die Pläne von Mays konservativer Partei Luft: Die Tories hätten es "vermasselt", sagte er. Besonders störe ihn, dass Politikerinnen und Politiker in der Debatte um den Brexit den Eindruck vermittelt hätten, die Briten wollten sich isolieren und Menschen aus anderen Ländern nicht willkommen heißen.

Wie er sich das Vereinigten Königreich stattdessen vorstellt, wurde deutlich, als die 70.000 Raketen des Feuerwerks in die Luft gingen: Auf Spanisch, Polnisch, Französisch, Rumänisch, Deutsch und Italienisch wurde der Satz "London is open", also: "London ist offen", aufgesagt. 

Das offensichtlichste Statement für die EU war jedoch ein Lichteffekt am London Eye: Das berühmte Riesenrad erstrahlte für einen Moment in Blau, die Gondeln leuchteten gelb. Die Ähnlichkeit zur Flagge der Europäischen Union – 12 Sterne auf blauem Grund – war kaum zu übersehen. Dabei lief der Song "There for you" von Culture Shock. 

Das ganze Feuerwerk im Video (der entscheidende Moment bei Minute 2:50):

Wie waren die Reaktionen auf das Feuerwerk?

Im Netz feierten einige die Idee des Londoner Bürgermeisters, quasi direkt vor Theresa Mays Haustür ein Statement für die EU zu setzen. In der englischen Hauptstadt hatten damals 60 Prozent für den Verbleib in der EU gestimmt.

Doch es gab auch Kritik, vor allem von Brexit-Befürwortern. Khan habe eine öffentliche Veranstaltung "politisiert", so der Vorwurf. (Evening Standard)

Sadiq Khan steht jedoch auch am Neujahrstag hinter der Show und ihrer Botschaft: Das "spektakuläre" Feuerwerk habe gezeigt, "dass London offen ist – ganz egal, wie der Brexit ausgeht". 

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Today

Mann fährt in Bottrop mit Auto in Menschenmenge – Polizei vermutet Rassismus als Motiv

Im nordrhein-westfälischen Bottrop ist in der Silvesternacht ein 50-jähriger Mann mit einem Auto in eine Menschenansammlung gefahren. Dabei wurden vier Menschen verletzt, zum Teil schwer. Die Polizei geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus.

Was genau ist passiert? 

  • Der 50-Jährige fuhr den Angaben zufolge kurz nach Mitternacht in Bottrop absichtlich auf einen Fußgänger zu. Dieser konnte sich jedoch vor einem Zusammenprall retten. 
  • Danach fuhr der Mann weiter in Richtung der Bottroper Innenstadt und dort in eine Menschengruppe. Unter den Verletzten sind syrische und afghanische Staatsbürger
  • Danach fuhr der Mann weiter ins benachbarte Essen, wo er versuchte, eine an einer Bushaltestelle wartende Gruppe mit dem Auto zu verletzen. 
  • Die Polizei stoppte und verhaftete den Mann in Essen, wo er nach Angaben der Beamten fremdenfeindliche Aussagen von sich gegeben haben soll.  

Von Seiten der Polizei und Staatsanwaltschaft heißt es: