Bild: Imago/Westend61

Lena Meyer-Landrut hat Nacktfotos von sich gemacht, ein Hacker hat diese Fotos geklaut und seitdem sind die Bilder im Internet zu finden. Seitdem wurde viel darüber diskutiert und kommentiert und ein Satz, der in diesem Zusammenhang häufig zu lesen und auch zu hören war, lautete: "Dann soll sie halt solche Fotos nicht machen!" Oder: "Selbst schuld, wenn sie sich nackt vor die Kamera stellt."

Aha.

Seit wann ist es in Ordnung, dass Menschen über das Leben von anderen Menschen bestimmen?

Ähnliche Stimmen gab es auch, als vor eineinhalb Jahren das Seitensprung-Portal Ashley Madison gehackt wurde. (SPIEGEL ONLINE)

Noch eine Situation: Ein schwuler Mann wird von einem Kollegen im Büro geoutet, weil dieser ihn Hand in Hand mit einem anderen Mann auf einer Party gesehen hat. Die Begründung: Selbst schuld, wenn er händchenhaltend mit einem Mann in der Öffentlichkeit herumläuft.

Nein. Diese Menschen haben niemanden darum gebeten, ihre privaten Informationen weiterzutragen. Es liegt bei den Menschen, die diese Sachen weitertragen. Menschen, die ungefragt Nacktfotos veröffentlichen oder sich in fremde Beziehungen einmischen.

Das ist so, wie einer Frau, die sexuell belästigt wurde, vorzuwerfen, einen kurzen Rock getragen zu haben.

Das ist so, wie einer Frau, die sexuell belästigt wurde, vorzuwerfen, einen kurzen Rock getragen zu haben. Das ist nicht vergleichbar. Die Person, die etwas gegen den Willen einer anderen Person tut, ist schuldig.

Wer möchte, dass seine Nacktfotos, seine sexuelle Orientierung oder seine unmoralischen Abenteuer an die Öffentlichkeit gelangen, kann diese Informationen veröffentlichen. Wer das nicht möchte, der macht es einfach nicht.

Ein weiterer Punkt: Nacktfotos von sich zu machen, ist nicht automatisch der Ausdruck irgendeines narzisstischen Geltungsbedürfnisses, wie es jetzt so oft über Lena Meyer-Landrut heißt. Und wie auch schon über Stars wie Jennifer Lawrence oder Bar Refaeli gelästert wurde, als ein Hacker deren private Bilder verbreitete.

Im Gegenteil: Intime Fotos sind Teil unserer Beziehungen geworden und wenn es nicht gerade ein ungefragtes Dick-Pic auf Tinder ist, sind sie doch etwas Schönes. Sie lassen eine Nähe zu, wenn unser Partner länger verreist, oder vielleicht sogar in einer anderen Stadt lebt. Sie lassen eine Nähe zu, wenn wir vielleicht nicht die richtigen Worte finden, oder auch: einfach mal was ausprobieren wollen.

Jeder ist für das, was er sagt oder macht, verantwortlich.

Menschen schauen Pornos. Menschen masturbieren. Und Menschen schicken sich manchmal Nacktbilder. Deal with it. Noch immer wird darüber gesprochen, als wäre es das Unanständigste auf der Welt. Und solange daraus ein so großes Ding gemacht wird, wird es auch ein schmutziger Skandal bleiben, wenn mal irgendwo ein Nippel zu sehen ist.

Jeder ist für das, was er sagt oder macht, verantwortlich. Auch für die Konsequenzen.

Aber niemand hat das Recht, über das Leben eines anderen Menschen zu bestimmen. Niemals.

Fühlen

Diese Bodypaintings sind Gesellschaftskritik und Therapie zugleich

Mirjana Kika Milosevic steckt sich Nadeln in den Körper. Kleine Zettel hängen daran: "Hilfe!" und "Er liebt mich?"

Mirjana hat auch ihren Bauch verknotet. Der Knoten schnürt die Taille auf einen schmerzhaften Umfang zusammen, man kann mit einer einzigen Hand ihren ganzen Körper umfassen.

Doch der Schmerz ist nicht echt, die Bilder nur eine optische Illusion.

Mirjana ist eine Body-Art-Künstlerin – im obigen Video siehst du ihre Arbeiten.