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Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Nordkorea
Was ist passiert?

Am Sonntagmorgen hat Nordkoreas Diktator Kim Jong Un eine Langstreckenrakete abfeuern lassen. Nordkorea hatte den Raketenstart zuvor angekündigt, den genauen Zeitpunkt aber nicht genannt.

Erst im Januar hatte Nordkorea seinen vierten Atomtest durchgeführt, damals hatte das Land angeblich erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet. Hinterher deuteten Messungen darauf hin, dass tatsächlich eine Atombombe explodiert sein muss, denn es gab ein Beben der Stärke 5,1; eine Wasserstoffbombe dürfte es allerdings nicht gewesen sein, denn ihre Sprengkraft liegt üblicherweise deutlich über einer herkömmlichen Atombombe (bento). Angeblich bereitet Nordkorea derzeit den fünften Atomtest vor, das berichtete zumindest die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Warum fürchtet sich die Welt vor Nordkorea?

Nordkorea ist in der Theorie eine Demokratie, in der Realität aber eine Diktatur: Seit mehr als 60 Jahren unterdrückt die Familie Kim das Land. Da nur wenige Nachrichten über die tatsächliche Militärkraft Nordkoreas nach außen dringen, wird jedes Manöver mit Sorge beobachtet.

Die regelmäßigen Bombentests sollen auch von der sozialen Schieflage ablenken: Die medizinische Versorgung im Land ist unzureichend, es mangelt an Lebensmitteln. Immer wieder verschwinden Menschen, die dem Regime nicht passen und es ist nicht möglich, seine Meinung frei zu äußern, meldet Amnesty International.

(Bild: Reuters / Bobby Yip)
Welches Ziel verfolgt Kim Jong Un?

Nordkorea gibt sich friedlich und nur an der Wissenschaft interessiert: Das Land habe nur sein "legitimes Recht auf die Weltraumforschung zu unabhängigen und friedlichen Zwecken" ausgeübt, erklärte die nordkoreanische Raumfahrtbehörde. Der Uno-Sicherheitsrat sieht das anders: Er verurteilte im Januar den Atomtest als "klare Bedrohung für Frieden und Sicherheit" in der Welt.

Letztlich führt Kim Jong Un fort, was sein Vater Kim Jong Il ihm vorgelebt hat: die Aufrüstung des Landes. Am 16. Februar feiert Nordkorea seinen alten Herrscher, schon früher fanden Atomtests rund um solche großen nationalen Feiern statt.

Mit dem aktuellen Test provoziert Kim Jong Un unter anderem die USA und zeigt, was er militärisch kann und will. International steht das Land ziemlich isoliert da: Seit Jahren leidet es unter Sanktionen, dazu gehören unter anderem ein Waffenembargo sowie zahlreiche Export- und Importverbote.

Die Hoffnung von Kim Jong Un: Die USA sollen Nordkorea langfristig anerkennen.

Bilder einer Ausstellung: Kim Jong Un und Kim Jong Il(Bild: Reuters / Bobby Yip)
Welche Reaktionen gab es auf die Langstreckenrakete?

Wie zu erwarten war: sehr empörte Reaktionen. Frankreich spricht von einer "sinnlosen Provokation". Die USA nannten den Raketenabschuss "destabilisierend, provokativ und eine eklatante Verletzung" zahlreicher Uno-Resolutionen. Selbst Nordkoreas wichtigster Verbündeter China "bedauerte" nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua den Start der Langstreckenrakete.

Welche Reaktionen wird es geben?

Kim Jong Un wird wohl kaum ernsthafte Konsequenzen fürchten müssen. Und das wusste er. Denn weder die USA noch Japan noch Südkorea haben ein Interesse daran, dem Diktator ernsthaft zu schaden. Warum das so ist, erklärt Wieland Wagner bei SPIEGEL ONLINE:

  • Die USA nutzen die Provokationen von Nordkorea, um Japan und Südkorea gegen China in Stellung zu bringen. Das Land steht an Nordkoreas Seite.
  • In Japan braucht der Premier Shinzō Abe das Feindbild Nordkorea, um seine Landsleute davon zu überzeugen, die Friedensverfassung zu ändern.
  • Südkorea helfen die Drohgebärden, weil Parteifreunde von Präsidentin Park Geun-hye davon träumen, auch den Süden nuklear aufzurüsten.
  • Und auch China hat kein Interesse daran, seinen Verbündeten zu destabilisieren. Denn sollte der Diktator stürzen, könnten einerseits Millionen Flüchtlinge aus Nordkorea nach China strömen. Andererseits könnten sich dann Nord- und Südkorea (Pro Amerika) wiedervereinigen. Dabei will China Nordkorea als Puffer behalten.
Wer könnte helfen?

Nordkorea muss daran gehindert werden, weiter an Atomwaffen zu arbeiten. Derzeit schieben die USA diese Verantwortung China zu – oder fordern Sanktionen, die nicht helfen. Lieber sollten die USA beginnen, mit Nordkorea zu verhandeln. So wie sie es auch mit dem Iran getan haben. Die Verhandlungen haben zwar 13 Jahre lange gedauert, letztlich waren sie aber erfolgreich. Und ein enormer diplomatischer Triumph für die Weltgemeinschaft. (bento)

Quellen
  • Atomtest in Nordkorea: Kims Möchtegern-Wasserstoffbombe (SPIEGEL ONLINE)
  • Raketentest: Die Empörung ist verlogen (SPIEGEL ONLINE)
  • Weltgemeinschaft brüskiert: Kim Jong Un lässt Langstreckenrakete abfeuern (SPIEGEL ONLINE)
  • North Korea Launches Rocket Seen as Cover for a Missile Test (New York Times)