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SPD-Chefin Nahles: Der Zustand der Regierung ist "nicht akzeptabel".

CDU und SPD haben in Hessen die nächste Klatsche bekommen, ersten Hochrechnungen zufolge haben die Parteien im Vergleich zu vor fünf Jahren zusammen rund 20 Prozent verloren. Das ist das schlechteste Ergebnis seit Jahrzehnten für beide Parteien.

Bereits vorher war klar: Bei einem sehr schlechten Ergebnis könnte es eng werden für die Große Koalition in Berlin.

Nach den aktuellen Zahlen reicht es in Hessen nur für die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP. Die Koalition also, die im Bund am Widerstand der FDP gescheitert ist. Trotzdem bleibt jetzt die spannende Frage: Welche Konsequenzen ziehen die GroKo-Parteien aus der Wahl in Hessen – nur vierzehn Tage nach der Schlappe in Bayern?

 Hier sind erste Reaktionen zur Hessenwahl im Überblick.

  • "So grün war Hessen noch nie", sagte Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock. "Die Klimakrise ist mitten in Deutschland angekommen." Die Grünen hätten gerade auch in Hessen gezeigt, dass sie Antworten lieferten und nicht Probleme herbeiredeten. 
  • SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel sagte in einer ersten Reaktion, es sei ein schwerer und ein bitterer Abend für die hessische SPD. Es sehe so aus, dass vor allem die Grünen in der nächsten Regierung einen wesentlichen Anteil hätten.
  • Ministerpräsident Volker Bouffier sprach von einem "zwiespältigen Abend". Gegen die Union könne keine Regierung gebildet werden. Der Wahlkampf sei "natürlich ganz stark überlagert" gewesen vom Erscheinungsbild der Großen Koalition in Berlin. Die Menschen in Hessen wünschten sich weniger Streit und mehr Sachorientierung.
  • Über das Abschneiden seiner Partei freute sich FDP-Chef Christian Lindner. An diesem Abend müssten "andere" zittern, nicht aber die FDP, die gestärkt in den Landtag einziehe.
  • Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping zeigte sich enttäuscht: "Man wünscht sich immer mehr. Auch den Umfragen zufolge hatten wir uns noch ein paar Prozente mehr erhofft", sagte sie am Sonntagabend. Für die Bundespolitik sehe sie jedoch ein klares Signal: "Diese Wahl heute war eine Denkzettelwahl für die große Koalition."
  • AfD-Chef Jörg Meuthen sagte, die Partei habe "alle Wahlziele" erreicht, indem sie nun mit einem "deutlich zweistelligen" Ergebnis in den letzten Landtag Deutschlands einziehe.
  • Entscheidend für die Zukunft der GroKo dürfte nun das Verhalten von Andrea Nahles sein. "Es muss sich in der SPD etwas ändern", sagte sie am Abend in Berlin. Die Partei müsse klarmachen, wofür sie stehe, den Zustand der Regierung nannte sie "nicht akzeptabel". Sie fordert nun einen klaren Fahrplan für die GroKo. Bis zur geplanten Halbzeitbilanz nach zwei Jahren müsse der Fortschritt der Koalition dann analysiert werden.
  • Juso-Chef Kevin Kühnert kritisierte die Arbeit der Koalition in Berlin: "Die Leute wollten der GroKo eines auswischen, das haben sie heute auch getan." Wenn selbst so ein guter Wahlkampf wie in Hessen zu Ergebnissen unter 20 Prozent führe, sei klar, dass die SPD unter diesen Bedingungen "keinen Fuß mehr auf den Boden" bekomme. Auf Nachfrage eines Journalisten wollte er jedoch keine personellen Konsequenzen fordern.

Gerechtigkeit

So grün haben die jungen Hessen gewählt
Hier sind die Wahlergebnisse der Menschen unter 30.

Bei der Hessenwahl haben CDU und SPD viele Stimmen verloren. Dennoch ist die CDU klar stärkste Partei geworden. Eventuell ist sogar weiterhin eine schwarz-grüne Koalition möglich.

Menschen unter 30 jedoch haben nicht wie die Alten gewählt. Wer nur diese Stimmen betrachtet, kommt auf  völlig andere Kräfteverhältnisse: Hier sind die Grünen klar stärkste Kraft, die Verluste für CDU und SPD sind noch weitaus größer.

Die Ergebnisse der U-30-Wahl im Überblick:

  • Grüne: 25 Prozent
  • CDU: 18 Prozent
  • SPD: 15 Prozent
  • Linke: 10 Prozent
  • AfD: 10 Prozent
  • FDP: 9 Prozent

In der Slideshow: Die Wahl nach allen Altersgruppen aufgeteilt