Bild: dpa/Jens Kalaene
​Spießer aller Wohnhäuser vereinigt euch!

In Berlin versucht seit einigen Tagen ein Anwohner Nachbarn im Kampf gegen die Kulturbrauerei zu mobilisieren. Die Kulturbrauerei ist eine Party-Institution der Stadt, in Prenzlauer Berg vereint sie mehrere Kneipen und Clubs und ein Programmkino. An Wochenenden wird es auf dem Areal also ein bisschen lauter.

Ein Mieter hat keinen Bock mehr auf die Clubs in der Nachbarschaft und hat Schreiben aufgehängt, in denen er seinen Nachbarn erklärt, wie man gegen die angebliche Lärmbelästigung vorgehen soll:

"Möglichst die Polizei anrufen und mit ihnen gemeinsam hingehen. (...) Es reicht nicht aus, dass man sagt, die Kulturbrauerei ist zu laut."

Der Schreiber gibt auch Nummern der Polizei durch und rät, auf den Homepages der Clubs – unter anderem der Soda Club und der Franz Club – nachzuschauen, wann Partys sind, um genaue Lärmprotokolle anzufertigen.

Der Zettel wurde fotografiert und landete im Netz. Dort schütteln viele über den "Spinner" oder "Spießer" den Kopf:

Zurück ins Kaff mit euch! Ernsthaft! Was zum Teufel wollt ihr hier!!

Posted by Open Airs in Berlin on Montag, 26. Juni 2017
Die liebste Beleidigung allerdings: Schwabe.

In Berlin – und speziell Prenzlauer Berg – tobt seit Jahren ein Kulturkampf zwischen Schon-da-Gewesenen und Zugezogenen und darüber, wie das Leben in der Stadt sein soll. Viele Berliner fühlen sich durch Neu-Berliner, die angeblich mehrheitlich aus Schwaben kommen, überrumpelt. In Prenzlauer Berg gibt es gerne mal Anti-Schwaben-Graffiti oder Denkmäler werden mit Spätzle überschüttet.

Auch jetzt gab es eine angebliche Antwort auf den Lärmpetzer – die sich ebenfalls im Netz teilt.

Darin "dankt" eine Nachbarin dem Anwohner, dass der Stadtteil wegen solcher "Durchschnittsspießer wie Ihnen langsam den kulturellen Tod" sterbe. Mit der "Anleitung zum Petzen" habe der Anwohner einen "Kulturwürgerpreis" verdient.  

Mehrere berühmte Berliner Clubs mussten in den vergangenen Jahren schließen. Die Schreiberin fragt, wo der Nachwuchs bitte eines Tages tanzen soll:


Gerechtigkeit

Warum ich Studieren im Osten total abfeiere!
Ok, ich gebe zu, ich bin mit gemischten Gefühlen nach Erfurt gezogen. 

Von Freunden und Bekannten hörte ich vor meinem Umzug nur komische Ost-Deutschland-Vorurteile: Sie fragten mich, ob mein Abitur nicht für einen Studienplatz im Westen gereicht hätte. Und ob man im Supermarkt in Erfurt überhaupt Bananen kaufen könnte. Und ob da nicht nur Nazis rumlaufen.