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Die wichtigsten Fragen und Antworten

In Kolumbien ging es um eine einfache Frage: Wollt ihr den Frieden? Anders als erwartet hat am Sonntagabend eine knappe Mehrheit (50,21 Prozent) der Kolumbianer mit "Nein" gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei 37 Prozent. Nur 13,1 Millionen der 34,9 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Damit lehnte die Bevölkerung den Friedensvertrag zwischen der Regierung und den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc) ab. Fast vier Jahre hatten Regierung und Rebellen an diesem Vertrag gearbeitet. (SPIEGEL ONLINE)

Vor allem in den Städten war die Wahlbeteiligung niedrig. Dort, wo kaum jemand mit der Farc in Berührung kommt. Auf dem Land hingegen hatten die meisten Menschen mit Ja gestimmt, das zeigen erste Auswertungen. Jene Menschen also, die besonders von dem Konflikt betroffen waren. (Zeit Online)

Worum geht es?

52 Jahre. So lange dauert der Bürgerkrieg in Kolumbien schon, einem der größten Länder Lateinamerikas. Bis zu 260.000 Menschen sind in dem Konflikt bisher ums Leben gekommen. Sieben Millionen Menschen wurden vertrieben, Tausende vergewaltigt und gefoltert. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Friedensverhandlungen, bisher immer vergeblich.

Ende September hatten die Regierung und die linken Rebellen dann einen Friedensvertrag unterzeichnet, mit einem aus einer Gewehrpatrone gefertigten Kugelschreiber. Das letzte Wort hatte allerdings die Bevölkerung. (Tagesschau)

In der Fotostrecke: Wie reagieren Kolumbianer auf die Abstimmung?

Viele Menschen verzweifelten daran. Denn die Abstimmung hätte einen 52 Jahre dauernden Bürgerkrieg beenden können.
Was sagt die Regierung?
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Wer sind die Rebellen?

Die Farc ist 1964 entstanden. In Hochzeiten kontrollierten die bis zu 18.000 bewaffneten Mitglieder halb Kolumbien, sie kamen zum Teil aus der Bauernbewegung, zum Teil aus der kommunistischen Partei.

Damals sah sie sich als bäuerliche Selbstverteidigungsorganisation (taz). Ihr ursprüngliches Ziel: Die Rebellen wollten autonome Gebiete und die darin lebenden Landwirte gegen Militärs und Übergriffe der Großgrundbesitzer verteidigen. (KAS)

Seitdem hat es im Land immer wieder Anschläge und Entführungen gegeben, auch ganze Dörfer hat die Farc vereinnahmt. (SPIEGEL ONLINE) Finanziert hat sich die Farc unter anderem durch Lösegelder und Erpressungen, vor allem aber durch Drogenhandel. Zuletzt kämpften noch rund 8000 Rebellen für die Farc.

Was steht im Friedensvertrag?

Die Farc wollen für ihre Taten nicht ins Gefängnis. Die Regierung ist den Rebellen in diesem Punkt recht weit entgegen gekommen:

  • Politische Straftaten sollen tatsächlich nicht geahndet werden.
  • Auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwere Kriegsverbrechen stehen allerdings bis zu acht Jahre, sofern die Rebellen ihre Taten gestehen.
  • Allerdings müssen sie ihre Strafe nicht im Gefängnis absitzen, sondern können stattdessen gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Vertrag garantierte den Rebellen zudem in den kommenden zwei Wahlperioden zehn Sitze im Parlament. Denn künftig wollte sich die Farc politisch für ihre Ziele einsetzen. Auch sah der Friedensvertrag eine Landreform, neue Ansätze im Kampf gegen den Drogenhandel und eine Entschädigung der Opfer vor.

Warum stimmen Kolumbianer gegen den Frieden?

Der Vertrag hat versucht, eine Balance zwischen den geltenden Gesetzen und dem Wunsch nach Frieden zu finden. Regierung und Farc waren sich einig – aber offenbar war für viele Kolumbianer die Vorstellung nicht erträglich, die Rebellen könnten straffrei davonkommen.

So hat zum Beispiel der ehemalige Präsident Álvaro Uribe Vélez den Vertrag torpediert. Die Abstimmung zeigt aber deutlich, dass sich die Menschen in den betroffenen Regionen eine Aussöhnung und Frieden mit den Rebellen wünschen.

Wie geht es weiter?

Das weiß derzeit niemand. "Niemand hat einen Plan B, das Land steht vor einem totalen Chaos", sagte Alejo Vargas. Er arbeitet als Friedensforscher an der Nationalen Universität in Bogotá.

Eigentlich wollten die Farc-Rebellen unmittelbar nach der Abstimmung anfangen, ihre Waffen abzugeben. Sechs Monate waren dafür eingeplant, die Uno sollte die Rückgabe beaufsichtigen. Daraus wird jetzt wohl erst mal nichts.

Immerhin: Sowohl Präsident Juan Manuel Santos, als auch Chef der Guerilla, Rodrigo Londoño alias Timochenko, wollen an der Waffenruhe festhalten. "Es bleibt dabei. Worte werden künftig unsere einzige Waffe sein", sagte Timochenko. Regierung und Rebellen wollen im Gespräch bleiben, um die Krise zu lösen.

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So kalt sieht Facebooks Maschinenraum aus

Facebook und Instagram sind nicht einfach "da". Wenn wir eine Nachricht bekommen oder ein Foto teilen, läuft das über die Computer von Facebook. Diese Computer stehen an verschiedenen Orten auf der Welt in riesigen Rechenzentren – zum Beispiel im schwedischen Luleå. Nach außen ziemlich gut abgeschirmt.

Wir als Nutzer bekommen davon in der Regel nichts mit. Weil Facebook es nicht will. Und weil es uns praktisch auch egal ist, ob unser Foto nun in Schweden oder in Irland auf einem Computer liegt. Deswegen spricht man oft von der "Cloud", obwohl es die eigentlich gar nicht gibt. Es gibt nur anderer Leute Computer.

Für Facebook ist das nicht egal. Das Unternehmen betreibt mindestens vier eigene Rechenzentren und mietet Kapazität bei anderen Firmen. Das kostet Geld – und Facebook will durch eigene Rechenzentren und speziell auf die Bedürfnisse des Netzwerks ausgerichtete Technik Geld sparen.

Jetzt zeigt Facebook-Chef Mark Zuckerberg, wie es im Rechenzentrum Luleå aussieht, im Norden Schwedens, fast schon an der Grenze zu Finnland: