Bild: Bodo Marks/dpa

Union, FDP und Grüne ringen um Deutschlands Zukunft. Die drei Parteien verhandeln derzeit in Sondierungsgesprächen über eine mögliche Jamaika-Koalition – und loten aus, in welchen Punkten sie sich einig sind.

Woran Jamaika scheitern könnte: Energiepolitik.

Die Grünen wollen den Wandel hin zu Erneuerbaren Energien voranbringen, 2030 soll Schluss sein mit Kohleenergie. Union und FDP wollen sie noch nicht aufgeben. Ihre Angst: Bei einem schnellen Kohleausstieg würden viele Menschen arbeitslos, Deutschlands Energienetz sei noch nicht für den Umstieg bereit.

Welche Seite hat recht? Wie steht es um den Kohleausstieg wirklich? Die wichtigsten Antworten:

1.

Wie hoch ist der Anteil an Kohle im Energiemix?

Strom wird in Deutschland aus vielen verschiedenen Quellen erzeugt – und dann in ein gemeinsames Netz gespeist. 

  • Braunkohle und Steinkohle haben immer noch den höchsten Anteil: nämlich mehr als 40 Prozent.
  • Nachhaltiger Strom aus Wind-, Wasser- und Solarenenergie hat gemeinsam nur einen Anteil von 21 Prozent. 
  • Kernenergie hat noch einen Anteil von etwa 13 Prozent.

Hier findest du die genaue Aufschlüsselungen von der AG Energiebilanzen.

Das heißt: Noch ist Deutschland Kohleenergie ein wichtiger Baustein.

(Bild: Axel Heimken/dpa )

2.

Wann ist die Stromerzeugung nur aus Erneuerbaren Energien möglich?

Das haben wir Reimund Schwarze gefragt. Er ist Klimaökonom am "Helmholtz Zentrum für Umweltforschung". Er sagt: "Die größte Herausforderung ist die Umstellung der Energienetze auf Erneuerbare Energien und der Austausch mit anderen europäischen Netzen." 

Experten wie der Sachverständigenrat für Umweltfragen schätzt, Mitte des Jahrhunderts sei ein realistisches Ziel. Was aber passiert dann ab 2030, sollten sich die Grünen durchsetzen?

"Für den Übergang müsste man auf mehr Gas setzen, um den CO2-Ausstoß zu verringern", sagt Schwarze. Neben der Stromerzeugung seien aber Verkehr und Landwirtschaft die größeren Herausforderungen.

3.

Wie viele Jobs sind wirklich in Gefahr? Und könnten sie gerettet werden?

So genau weiß das keiner, Politiker und Gewerkschaften sprechen von Zehntausenden Arbeitsplätzen, Umweltschützer gehen hingegen von wenigen Tausenden aus. Verlässliche Zahlen liefert der Umweltrat.

Demnach sind etwa 17.700 Arbeiter in der Braunkohleindustrie beschäftigt. Hinzu kommen 11.300 bis 15.300 Angestellte in der Steinkohleindustrie. Hier schwanken die Zahlen, weil es keine genaue Erhebung gibt.

  • Das heißt: Direkt betroffen wären vom Kohleausstieg derzeit 29.000 bis 33.000 Jobs.

Allerdings ist der Steinkohleausstieg bereits beschlossen – er sollte ursprünglich bis 2018 abgeschlossen werden. Derzeit werden die Bergwerke Stück für Stück geschlossen – und damit Stellen abgebaut. Ganz klappen wird es bis 2018 nicht. Der Umweltrat schätzt, dass 2019 noch insgesamgt zwischen 20.100 und 24.500 Angestellten in den Industrien für Steinkohle und Braunkohle arbeiten.   

Kohlereviere (also dort, wo die Rohstoffe gefördert werden) gibt es noch in der Lausitz, in Mitteldeutschland nahe Leipzig und im Ruhrgebiet. Die Kraftwerke zur Verarbeitung stehen hier:

(Bild: bento/ Daten: Umweltrat)

4.

Wie sieht es in anderen EU-Ländern aus?

Andere EU-Länder wie Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und Italien haben den Kohleausstieg längst beschlossen. Sie setzen zunächst auf Gas. (Rheinische Post) Deutschland hat aber zum Beispiel im Gegensatz zu Italien bislang viel mehr auf Kohleenergie gesetzt – deshalb fällt hierzulande der Ausstieg schwerer. 

Auch wenn Donald Trump den Eindruck vermittelt, die Kohleindustrie sei in den USA wieder im Aufwind, zeigen die tatsächlichen Entwicklungen etwas anderes. Die USA stellen derzeit viele Kohlekraftwerke auf Gas um.
Reimund Schwarze

5.

Wie könnte in Zukunft der Energiemix aussehen? Worüber wird gerade in der Forschung diskutiert?

Die Experten sind sich in einer Sache einig: Kohle hat keine Zukunft mehr. So würde der Sachverständigenrat für Umweltfragen in den kommenden Jahren vorgehen:

Der Ausstieg könnte in drei Phasen erfolgen. 1. Bis 2020 sollten die ältesten, ineffizientesten und klimafeindlichsten Kohlekraftwerke stillgelegt werden.
2. Bis 2030 sollten die verbliebenen Kohlekraftwerke mit verminderter Auslastung betrieben werden.
3. Die übrigen Kohlekraftwerke werden im Verlauf der 2030er-Jahre nach und nach geschlossen.
"Durch ein ambitioniertes Fortschreiben der Energiewende sollten dann auch ausreichend Erneuerbare-Energien zur Verfügung stehen", so der Sachverständigenrat.
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Aber wie wird die Energieproduktion der Zukunft aussehen? Dazu gibt es ganz unterschiedliche Visionen. Klimaökonom Schwarze sagt: "Ich stelle mir vor, dass es ganz viele Selbsterzeuger und Stromhändler gibt, die europaweit zusammenarbeiten. Denn die EU-Länder sind auf den Austausch angewiesen, um die Versorgung aus Erneuerbaren Energien sicherzustellen."

Potenzial habe der Ausbau der Solarkraft. In Spanien zum Beispiel könne viel davon erzeugt werden, aber es müsse auch in den Norden des Kontinents weitergeleitet werden. 

Derzeit hat Biomasse einen großen Anteil an den Erneuerbaren Energien. Auch das werde kritisch diskutiert. Schließlich stehen Flächen, auf denen Energiepflanzen angebaut werden, nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung. Der Anbau führt ebenfalls zu Emissionen an Treibhausgasen.

Ein weiteres wichtiges Thema: Die Speicherung von Energie. Zum Beispiel in Pumpspeicherkraftwerken oder Salzstöcken.


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