Bild: dpa/Rolex Dela Pena
Julia nimmt zum zweiten Mal am Klimagipfel teil. Hier erzählt sie, wie sie Paris erlebt.

Es ist schon ihr zweiter Klimagipfel: Julia Harrer, 25, war schon 2014 als Teil der Regierungsdelegation der Malediven beim UN-Klimagipfel in Lima. Jetzt nimmt sie in Paris teil.

Zusammen mit jungen Menschen aus Deutschland, Frankreich und Marokko präsentiert sie dort die Ergebnisse eines gemeinsamen Klimaprojekts, das vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) organisiert wurde.

Sie haben im September zehn Forderungen an die Politik erarbeitet, die unter anderem an den französischen Staatspräsidenten François Hollande sowie an die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks übergeben wurden (DFJW).

Wie erlebst du den Gipfel?
Julias Spezialgebiet ist die Katastrophenvorsorge in Zeiten des Klimawandels. Zu dem Thema schreibt sie gerade ihre Doktorarbeit. (Bild: Yolanda Stabel)

"Nach dem vergangenen Gipfel in Lima 2014 war die internationale Staatengemeinschaft noch weit entfernt von einem Abkommen. Jetzt habe ich die Hoffnung, dass es eine Einigung auf einen Vertrag gibt, bei dem alle mitmachen. Wobei es sehr natürlich unterschiedliche Interessen gibt. Es ist nicht ganz einfach, die Malediven, Saudi-Arabien und die USA unter einen Hut zu bringen. Viele Staaten haben überhaupt kein Interesse an einem Abkommen, weil sie nicht auf irgendetwas verzichten wollen. Deswegen sitzen die Verhandler Tag und Nacht zusammen und streiten sich um jedes Wort und Komma.

Was wird uns Paris bringen? Entweder gibt es einen sehr starken Vertrag, bei dem viele mitmachen. Oder es kommt zu einen Minimalkonsens, bei dem alle mitmachen - der bringt aber nichts, weil nur der kleinste gemeinsame Nenner herauskommt.

Wissenschaftlern zufolge wird sich das Weltklima bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich immer noch um 2,2 bis 3,4 Grad erwärmen - da sind die Vorschläge schon berücksichtigt, die aktuell auf dem Tisch liegen. Es muss daher noch viel, viel mehr passieren.

Bei unserem Projekt geht es nicht nur um das Klima, sondern auch darum, Gruppen zu formen und Freundschaften zu schließen. Das ist gerade eine ungewöhnliche Zeit in Paris nach den Anschlägen, auf der Straße stehen bewaffnete Soldaten. Da ist es umso wichtiger, junge Menschen mit verschiedenen Hintergründen zusammenzubringen, für Vielfalt und Teilhabe in der Gesellschaft zu werben und Verständnis zu erzeugen. Und ein Thema liegt uns allen am Herzen, egal, wo wir herkommen: das Klima.

Manche sagen zynisch, zivilgesellschaftliches Engagement sei ja ganz nett, werde aber von Politikern ignoriert. Ich sehe das anders. Wir machen das hier aus Überzeugung. Wir haben eine Stimme, es lohnt sich, sie anzuhören.

NGO-Vertreter protestieren auf dem Gipfelgelände.(Bild: dpa/Ian Langsdon)

Deutschland und Frankreich gehören zu den größten Umweltverschmutzern in Europa. Sie machen viel für erneuerbare Energien, sind aber auch böse Buben: Frankreich mit seinen Atomkraftwerken, Deutschland mit einer Vielzahl veralteter Kohlekraftwerke. Wir sind uns dieses Problems bewusst und haben deshalb Vorschläge entwickelt, um die Herausforderungen im Energiesektor, vor allem aber auch gesamtgesellschaftlich anzugehen.

Gleichzeitig haben wir Marokko an Bord genommen und zwar nicht nur, weil dort die nächste Klimakonferenz stattfinden wird. Der mediterrane Raum wird für uns in Europa immer wichtiger, Marokko ist schon heute vom Klimawandel betroffen und wird es in Zukunft noch stärker sein. Aber auch vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge in Paris und der Flüchtlingssituation in Deutschland wollen wir so eine Brücke über das Mittelmeer schlagen und Zusammenhalt zeigen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) vertritt Deutschland beim Klimagipfel in Paris.(Bild: dpa/Kay Nietfeld)

Uns ist natürlich klar, dass unsere Forderungen jetzt nicht bei den Diplomaten auf dem Verhandlungstisch liegen und von denen abgeschrieben werden. Aber es ist wichtig, dass wir als Zivilgesellschaft Zeichen setzen, und das dann wahrgenommen wird.

Das wichtigste Ergebnis unseres Projekts ist, dass die Teilnehmer die besprochenen Themen mit nach Hause nehmen und in ihren Familien und im Freundeskreis darüber reden. Dass sie sich stärker für das Thema interessieren, sich engagieren und eigene Initiativen auf den Weg bringen. Dass sie ein Bewusstsein schaffen für Nachhaltigkeit und dafür, dass Umweltverschmutzung ein gesellschaftliches Problem ist, bei dem man auch als Einzelner einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Sei es, indem wir unsere Flugmeilen kompensieren, bewusster Fleisch essen oder auf unseren Wasser- und Plastikverbrauch achten."