Bild: dpa/Gregor Fischer
Erneuerung, war da was?

Juso-Chef Kevin Kühnert lebt weiter seine Rolle als Chefkritiker der SPD – also seiner eigenen Partei.

Die SPD-Führung habe derzeit keine "Gesamtstrategie", meckert Kühnert in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. Wie die Dinge aktuell laufen, mache ihn "fassungslos". 

Die SPD stellt aktuell an der Seite von CDU und CSU die Regierung, will sich aber gleichzeitig neu erfinden. Das ist schwer: In der Koalition unterstützen sie Beschlüsse zu Arbeit, Flüchtlingen und Gesundheit, die nur wenig mit ihrem Profil als Sozialdemokraten zu tun haben.

Kühnert meckert entsprechend:

"Es gibt bei uns zwar einzelne Leute, die jeweils mit ihrer eigenen Strategie durch die Gegend laufen, aber wir haben keine gemeinsame Linie. Und wir versäumen es, uns darüber auseinander- zusetzen und eine Linie zu finden."

Viele enttäuschte Genossen würden sich beim Juso-Chef melden. "Mir schreiben momentan so viele Leute, die seit Jahren Mitglied sind, die aber nicht wissen, was sie in dem Laden noch sollen", sagt der Juso-Chef. 

Irgendwann kommt der Punkt, an dem der Faden zu diesen Leuten endgültig reißt. Und der ist nicht mehr weit weg.

Im anstehenden Prozess der SPD-Erneuerung soll Kühnert eine Rolle spielen und mithelfen, inhaltliche Vorschläge für die Zukunft der Partei zu entwickeln. 

Er beobachte allerdings "mit einer gewissen Sorge, dass die Leute, egal was unsere Parteispitze gerade sagt oder erklärt, nicht mehr zuhören", so Kühnert. Vorschläge würden schon allein deshalb abgelehnt, "weil sie von uns kommen", so Kühnert.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin – am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.


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