Bild: bento

Im Kneipen- oder Bahnhofsklo die Türklinke anfassen: gewagt. Bildet man sich zumindest ein. Denn: Die hatten vor einem schon einige andere Menschen in der Hand, und wer weiß, welche Keime er oder sie von draußen hineingeschleppt hat. Ähnliches gilt für die Haltestange in der U-Bahn und das Wechselgeld am Kiosk – oder? Ist es wirklich so dramatisch? Und was kann schlimmstenfalls passieren, wenn sich diese Keime auf uns übertragen

Wir haben Dirk Bockmühl gefragt, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal.

Beginnen wir mit der Klotürklinke: Lauert dort wirklich eine so große Keim-Gefahr? 

Ja, dort sitzen tatsächlich Keime – da gibt der Experte leider keine Entwarnung. Aber wie viele dort sind, kann sehr unterschiedlich sein: "Das hängt davon ab, wer diese Türklinken wie oft benutzt", sagt Bockmühl. "Wichtig ist auch, ob und wie sie gereinigt werden." 

Auf öffentlichen Toiletten also nach einem ausgehängten Putzplan gucken – und hoffen, dass nicht nur die Klos selbst, sondern auch die Klinken geputzt werden. 

Beruhigend ist: Für Bakterien sind Türklinken nicht das ideale Umfeld. "Sie können dort zwar lange überleben, sich aber kaum vermehren", sagt Bockmühl. Wenn man Pech hat, reicht die vorhandene Menge trotzdem für eine Infektion. "Besonders, wenn jemand ordentlich Fäkalkeime auf der Klinke hinterlassen hat, weil er sich nach dem Toilettengang nicht die Hände gewaschen hat." Bei kleinen Klo-Kabinen ohne Waschbecken ist die Gefahr also besonders hoch.

Erwachsenwerden für Anfänger

Irgendwie dachten wir früher immer, Leute in unserem Alter hätten das Leben besser im Griff: Finanzen geregelt, Kühlschrank gefüllt. Heute wissen wir: Sachen im Griff haben ist schwerer als gedacht. Also googlen wir unsere Probleme. Die Antworten der Suchmaschine sind nur leider manchmal unbefriedigend. Deshalb klären wir mit Hilfe von echten Experten Fragen, die Google uns vorschlägt, wenn wir bestimmte Begriffe eingeben. Zum Beispiel Plastikflaschen – oder Kopfhörer.

Was können wir tun, um uns nicht zu infizieren?

"Auch wenn es langweilig klingt, ist regelmäßiges Händewaschen tatsächlich die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Infektionen", sagt Bockmühl. Für wirklich gründliche Reinigung sollten wir in jedem Fall Seife benutzen und die Hände etwa 30 Sekunden lang waschen und danach gut abtrocknen – Handrücken und Fingerspitzen inklusive (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Möglicherweise aufwendig, aber wirkungsvoll. 

"Selbst Tröpfcheninfektionen werden häufig nicht dadurch erworben, dass man direkt angehustet wird. Das passiert eher dadurch, dass sich jemand in die Hand hustet, mir die Hand schüttelt und ich die Erreger auf die eigenen Schleimhäute bringe, zum Beispiel durch Reiben der Augen." 

Oder eben dadurch, dass er oder sie nach dem Husten – oder dem Toilettenbesuch – vor mir die Tür öffnet.

Auch wenn es langweilig klingt, ist regelmäßiges Händewaschen tatsächlich die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor Infektionen.
Dirk Bockmühl
Welche Keim-Arten erwarten uns denn an öffentlichen Orten?

Das kommt darauf an, wo wir unterwegs sind. Beim Toilettenbesuch handelt es sich oft um Infektionen mit Noroviren, die Brechdurchfälle verursachen – ansonsten zum Beispiel Viren, die eine Grippe oder grippale Infekte hervorrufen. Was an den Noroviren besonders tückisch ist: Bei ihnen ist die infektiöse Dosis sehr gering, also die Anzahl der Erreger, die nötig ist, um eine Infektion auszulösen. "Bei den meisten anderen Krankheitserregern ist die Dosis deutlich höher", sagt Bockmühl.

Wie hoch ist die Keimbelastung in U-Bahn, im Zug und Bus?

"Hier haben wir natürlich viele Menschen auf engem Raum versammelt, was die Übertragung von Infektionserregern generell erleichtert", sagt der Professor. Und auch hier kommt wieder die infektiöse Dosis ins Spiel. Es müssen zunächst genug Keime in unseren Körper gelangen, um uns wirklich krank zu machen. Das sollten wir möglichst verhindern: Nicht zu viele Flächen mit den Fingern berühren, und vor allem: Danach nicht an Auge, Mund oder Nase fassen und Hände waschen, wenn wir am Ziel angekommen sind.

Was ist mit Computertastaturen? 

Im Büro macht es einen großen Unterschied, ob wir einen eigenen Schreibtisch haben oder – wie heute oft üblich – den Platz ständig wechseln. Gehört unser Platz uns, dann gilt das auch für die Bakterien auf dem Schreibtisch. "Die Mikroorganismen auf der Tastatur sind die gleichen wie auf meinen Fingern", sagt Bockmühl. "Dann kann die Benutzung der Tastatur sogar unproblematischer sein als das Kauen an den Fingernägeln." 

Anders ist es, wenn die wir die Plätze wechseln. Dann ist es wie mit der Türklinke: Die Möglichkeit besteht, dass der Vorgänger oder die Vorgängerin es mit dem Händewaschen nicht sonderlich ernst nimmt und an der Tastatur Keime hinterlassen hat.

Sich über Geldscheine zu infizieren – geht das?  

Wenn wir uns vorstellen, wie viele Menschen den Zwanziger in unserem Portemonnaie schon in der Hand hatten: Was klebt da alles dran? "Theoretisch werden auch auf Geldscheine viele Keime von vielen verschiedenen Menschen übertragen, und sie halten sich dort längere Zeit", sagt Bockmühl. "Trotzdem sind es nicht unbedingt genug, um uns krank zu machen." 

Denn meistens wird die infektiöse Dosis kaum erreicht, wenn ein Mensch mit Grippe oder Brechdurchfall kurz einen Schein in der Hand hat. "Und auch der direkte Infektionsweg fehlt", sagt Bockmühl. "Vorausgesetzt, man isst den Geldschein nicht auf. Dann sieht die Sache vielleicht anders aus."

Auf Geldscheinen sind nicht unbedingt genug Keime, um uns krank zu machen.
Dirk Bockmühl
Apropos essen: Kann ich mich auch infizieren, wenn ich Nüsse aus der Erdnussschale auf dem Bartresen nasche?

Entscheidend ist hier, wie lange die Nüsse schon in ihrem Schälchen liegen. "Es kommt vor allem auf den Zeitraum an, über den die Keime Gelegenheit haben, sich dort zu vermehren", sagt Bockmühl. "Ansonsten würde ich das eher als theoretisches Risiko einstufen." 

Wir wissen natürlich nicht, wann die Nüsse das letzte Mal ausgetauscht und die Schale gewaschen wurde. Trotzdem bleibt der Hygiene-Experte gelassen: "Mir ist kein Fall bekannt, bei dem Keime über gemeinsames Essen aus einer Schale von einer Person auf die andere übertragen worden wären."


Today

In Ungarn gelten Obdachlose jetzt als Kriminelle

Das ungarische Parlament hat ein Gesetz beschlossen, mit dem Obdachlose kriminalisiert werden. Die rechtspopulistische Partei Fidesz hatte eine große Mehrheit bei den Wahlen dieses Jahr errungen. 

Obdachlosen ist es künftig verboten, sich an öffentlichen Orten aufzuhalten oder niederzulassen. Landesweit.

Das Gesetz wurde mit 160 Ja-Stimmen zu 18 Nein-Stimmen im Rahmen des sogenannten "STOP-Soros-Paket" beschlossen (Hungary Today). Im gleichen Paket hat Ungarn auch Flüchtlingshilfe unter Strafe gestellt (bento).