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Er kann es immer noch. Karl-Theodor zu Guttenberg steht auf der Bühne in Kulmbach und die Menge jubelt. Hunderte CSU-Anhänger sind in die Stadthalle der oberfränkischen Stadt gekommen, um ihrem Idol zu lauschen. 

Guttenberg war früher erst Wirtschaftsminister, dann Verteidigungsminister, dann nichts mehr. Er musste 2011 seine Ämter niederlegen, nachdem ihm vorgeworfen wurde, bei seiner Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Nun ist KTG zurück und genießt den Auftritt sichtlich. 

Und findet, es wäre an der Zeit, noch etwas in eigener Sache klarzustellen: 
Jetzt ist auch mal gut
Karl-Theodor zu Guttenberg

Sechs Jahre ist das mittlerweile her, doch egal wohin Guttenberg kommt, die Sache klebt an ihm wie Kaugummi an der Schuhsohle. 

"Ich habe alle Konsequenzen ertragen", sagt der 45-Jährige jetzt und mittlerweile klingt es fast, als sei der Auftritt des Freiherrs, dessen Familien ein Vermögen im Wert von rund 300 Millionen Euro haben soll, eigentlich Notwehr. "Aber ich darf auch nach so langer Zeit für mich sagen, jetzt ist auch mal irgendwann gut."

Ist es das? 

Diese Frage dürfte im Wahlkampf noch für viele Diskussionen sorgen. Denn Guttenberg wird jetzt wieder öfter im Rampenlicht zu sehen sein. Die CSU hat ihn überzeugt, als prominenter Helfer seine Partei im Bundestagswahlkampf zu unterstützen. In ganz Bayern sind Auftritte geplant. Die Ankündigung dazu sieht aus wie Werbung für einen Actionfilm:

Wer Guttenberg zuhört, könnte die Plagiatsaffäre tatsächlich schnell vergessen. In seiner Rede bringt er die große Weltpolitik unter, erklärt, ordnet ein, trommelt sich für die CSU auf die Brust. Es klingt wie früher. 

Der CSU-Politiker kritisiert Altbundeskanzler und SPD-Größe Gerhard Schröder scharf für seine Geschäfte mit dem russischen Staatskonzern Rosneft. Rosneft ist ein Ölkonzern, Schröder soll neuer Chefaufseher werden (SPIEGEL ONLINE). 

Das missfällt vielen, auch innerhalb der SPD. Russlands Präsident Wladimir Putin wird für seine Politik kritisiert, Schröder stehe da nicht entschieden dagegen.

Guttenbergs Vorwurf: Schröder kuschelt mit Putin. Oder wie er es ausdrückt: "Alte Liebe rosneft nicht."

Moment, gab es den Spruch nicht schon einmal? Ach doch, auf dem Titelblatt der FAZ von neulich:

Der Witz ist geklaut. Vom Titelblatt der altehrwürdigen FAZ. Guttenberg hat es tatsächlich geschafft, in einem einzigen Auftritt. Er kann es immer noch.

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Als sie loslegten, dachten Kate Dwyer und Penelope Gazin nicht, dass es leicht werden würde. Sie dachten nur nicht, dass es so schwer werden würde – allein weil sie Frauen sind. Mit ihrem Start-up Witchsy verkaufen sie schräge Kunstwerke und verspielte Einrichtungsgegenstände. Doch auf dem Weg zum Online-Shop bekamen sie zunächst zahlreiche Absagen von angefragten Entwicklern und Webdesignern. Also erfanden sie Keith, ihren fiktiven männlichen Mitgründer.